Maibaum in Gramatneusiedl, Arbeitslose in der Werkstatt von MAGMA
Foto:Mafalda Rakoš / DER SPIEGEL
Aus für österreichisches Erfolgsexperiment Als Gramatneusiedl die Arbeitslosigkeit abschaffte
Wenn er sein bisheriges Leben mit irgendetwas vergleichen soll, sagt Robert Leisser, müsse er an eine Brotscheibe denken. Warum? »Na, weil ich auch immer auf die Butterseite gefallen bin.«
Leisser ist 38 Jahre alt. In seinem bisherigen Leben hat er noch nie regulär gearbeitet. In einer kurzen Vorstellungsmail über ihn war von einer abgebrochenen Ausbildung als »Applikationsentwickler« die Rede, es fällt das Stichwort »Grünraumpflege«. Er erzählt vom Kiffen und anderen Drogen, vom Probearbeiten als Entrümpler und in einem Callcenter. »Cirka zwei Wochen«, sagt er. »Aber halt nie mehr.«
Die größte Konstante in Leissners Leben war lange Zeit das Fehlen von Arbeit. Doch dann schöpfte er neue Hoffnung.
So wie ihm ging es in den vergangenen zwei Jahren vielen anderen Langzeitarbeitslosen in der Kleinstadt Gramatneusiedl in Österreich: Nach und nach wurde jedem von ihnen ein fester, normal bezahlter Job angeboten. Ein paar waren zu krank, wenige zogen weg, einer musste in den Knast. Alle anderen haben angenommen.
So wie Robert Leisser. Vielleicht erzählt er über seine Vergangenheit auch deshalb so schonungslos, weil er inzwischen angefangen hat, sein altes Leben hinter sich zu lassen. Seit Februar 2021 arbeitet er für MAGMA, ein Pilotprojekt, dessen Ambitionen sich bereits am Namen erahnen lassen. Konsequent großgeschrieben, erinnert das Akronym eher an Actionfilme aus den Achtzigern als an Arbeitsmarktpolitik – der vollständige Name: »Modellprojekt Arbeitsplatzgarantie Marienthal«.
Robert Leisser im März 2023 auf dem Gelände der einstigen Textilfabrik im Ort
Foto: Mafalda Rakoš / DER SPIEGELDahinter stecken der Arbeitsmarktservice, kurz AMS, das österreichische Äquivalent zur Bundesagentur für Arbeit, ein ehemaliger Leiter der Behörde mit politischen Ambitionen, ein paar junge Wissenschaftlerinnen und eine grundlegende Erkenntnis: Wer heute in die Arbeitslosigkeit rutscht, findet entweder rasch einen neuen Job oder vielleicht nie wieder.
Vor diesem Problem steht nicht nur Österreich, in ganz Europa gibt es Millionen von Menschen, die dauerhaft keine Anstellung mehr finden. 38 Prozent aller Erwerbssuchenden in der EU waren im vergangenen Jahr bereits mehr als zwölf Monate arbeitslos, in Italien oder Griechenland sogar etwa zwei Drittel. In Deutschland wurden Arbeitslose seit der Hartzreform verstärkt in schlecht bezahlte Jobs gedrängt; »Fördern und Fordern« lautete die Formel. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, doch Hunderttausende Menschen bleiben immer noch zurück.
MAGMA soll das ändern, jedenfalls in Gramatneusiedl. Wer dort langzeitarbeitslos ist, bekommt garantiert einen Job, so lautet das Versprechen. Niemand muss arbeiten. Aber wer es tut, wird nach Mindestlohn bezahlt und entweder bei einem Projektbetrieb oder mit staatlicher Unterstützung bei einem Unternehmen angestellt. Das alles soll den AMS nicht mehr kosten als Langzeitarbeitslosigkeit ohnehin, etwa 30.000 Euro pro Person im Jahr. Die Hoffnung: Den Menschen geht es besser, sie finden wieder Anschluss und fördern mit ihrer Arbeit die lokale Wirtschaft.
CNN & der »New Yorker« waren da, um in Lower Austria vielleicht die Zukunft zu sehen
Andreas Bertalan ist stellvertretender Projektleiter von MAGMA, von seinem Arbeitsplatz spricht er bei einem Besuch im März als »Zukunftsschmiede«. Er führt durch eine Holzwerkstatt, die zum Projekt gehört, erzählt von der anfänglichen Skepsis im Ort, den Sorgen um den guten Ruf. Er berichtet von Menschen, die nie in ihrem Leben richtig in einen Job gefunden haben, oder solchen, die nach ihrem Rauswurf mit Würde in den Ruhestand gehen wollen – und nicht mit einem Burn-out.
»Darf ich Ihnen Kaffee bringen?«, fragt er zwischendurch mit der fürsorglichen Stimme eines Vertrauenslehrers. Oder auch: »Gemma eine rauchen? Bisserl Luft schnappen.« Bertalan hat Übung. Seit Projektstart im Oktober 2020 kamen zahlreiche Medien, selbst CNN und der »New Yorker« wollten schon wissen, wie hier in einem »small Austrian village« Arbeitslose wieder glücklich gemacht werden. Jetzt läuft das Projekt in seinem vorerst letzten Jahr. Abgesprochen ist, dass der SPIEGEL es dabei begleitet und dafür vorab Zugriff auf eine ausführliche Auswertung der Uni Wien erhält.
Marienthal ist ein Ortsteil von Gramatneusiedl, einer Marktgemeinde in Niederösterreich, keine Stunde südöstlich von Wien. 3700 Einwohnerinnen und Einwohnern, in der Ortsmitte gibt es einen Kirchturm und im Ortsteil Mitterndorf ein Oldtimermuseum. Im Mai wird ein Maibaum aufgestellt. Die Initiatoren sagen, dass es der perfekte Ort für so ein Experiment sei: absolut durchschnittlich für Niederösterreich.
Der Ortskern von Gramatneusiedl: einmal Niederösterreich im Kleinformat
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Zu Ostern haben die Teilnehmenden ihre Arbeiten für einen Basar zusammengestellt, neben kleinen Dekoartikeln gibt es auch aufbereitete Möbel
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Gerade die Durchschnittlichkeit machte den Ort geeignet für das Projekt
Foto: Mafalda Rakoš / DER SPIEGELAllerdings gibt es auch noch eine Besonderheit des Ortes, die sich sogar bei Wikipedia unter »Sehenswürdigkeiten« findet: Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 untersuchten Wissenschaftler hier schon einmal die Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit.
Als die dortige Textilfabrik pleiteging, verloren fast alle Arbeiterfamilien im Ort ihr Einkommen. Die Menschen resignierten. Vereine, Parks und die örtliche Bibliothek verlotterten. Durch eine Studie der Soziologen Marie Jahoda, Paul Felix Lazarsfeld und Hans Zeisel erfuhr die Welt davon. Das Buch »Die Arbeitslosen von Marienthal« ist bis heute ein Klassiker der Soziologie, weil es erstmals wissenschaftlich zeigte, wie das Fehlen von Arbeit Leben zerstören kann.
Jetzt soll also ausgerechnet hier die Geschichte umgekehrt werden, soll gezeigt werden, wie mit einer Jobgarantie alles besser wird. Kann das funktionieren?
Als wäre die Ortswahl nicht schon symbolträchtig genug, wurde MAGMA auf dem alten Gelände der Fabrik am Stadtrand untergebracht. Abgeblätterte Buchstaben über der Raucherecke erinnern an die Vergangenheit. Im Vorgarten stehen Bienenstöcke.
Andreas Bertalan auf dem alten Fabrikgelände: Plötzlich selbst in einer neuen Rolle
Foto: Mafalda Rakoš / DER SPIEGEL79 Langzeitarbeitslose betreut Bertalan in dem Projekt. Fünf davon seien Akademiker. Der Rest rund zur Hälfte junge Menschen wie Robert Leisser, die nie richtig im Arbeitsleben angekommen sind. Die andere Hälfte sei kurz vor der Rente rausgeflogen. Wegen Krankheiten, psychischen Problemen oder schlicht Umstrukturierungen in den Firmen.
Eine von ihnen ist Andrea Herold, 59. In der Vorabmail über sie hieß es: »Frau Herold war mehr als 32 Jahre lang als leitende Angestellte in einem Schmuckunternehmen tätig. 2019 wurde sie gekündigt und damit veränderte sich ihr Leben dramatisch.«
Frau Herold erzählt offen von ihren tiefen Depressionen nach der Kündigung. Statt einer neuen Perspektive bekam sie zweimal sechs Wochen Reha. Danach wurde es kaum besser, zu einem Bewerbungsgespräch wurde sie nie wieder eingeladen. »Zu alt, zu teuer«, fasst sie ihren Lebenslauf in vier Wörtern zusammen und sagt über ihren damaligen Zustand: »Ich bin nicht einmal mehr raus in den Garten.«
»Zu alt, zu teuer«, fasst sie ihren Lebenslauf zusammen
Ihre 30-jährige Tochter habe ihr damals gratuliert, sie könne doch froh sein, nicht mehr arbeiten zu müssen. »Aber ich hätte erst nach jedem Strohhalm und irgendwann vielleicht auch nach dem Strick gegriffen«, sagt Herold. Sie habe sich immer über ihre Arbeit definiert, erzählt sie, davon so stolz gesprochen wie von ihren beiden Kindern.
Gekündigt wurde sie aufgrund eines betriebsbedingten Stellenabbaus – per Post. »Es gab nicht mal ein Gespräch«, sagt sie. Noch heute fühlt sie sich verraten: »Ich habe so viel geleistet, so lang in die Sozialsysteme eingezahlt.« Mit einer kaputten rechten Schulter und zwei ausstehenden Knieoperationen hatte sie auf dem regulären Arbeitsmarkt kaum mehr Chancen.
Als sie dann das erste Mal von MAGMA hörte, habe sie sich sofort im alten Fabrikgebäude gemeldet. »Ich bin zum Andi Bertalan und hab nur geheult.«
Im Projekt arbeitet sie jetzt 20 Stunden die Woche, meist im Sitzen, ganz ohne Stress. Kurz vor Ostern arbeitet sie in der Holzwerkstatt alte Möbel auf, die später bei einem Basar verkauft werden sollen. Allen Beteiligten ist klar, dass Herold eher nicht mehr weitervermittelt werden kann. Sie hofft, bis zur Rente 2025 im Projekt arbeiten zu können.
Andrea Herold hatte 32 Jahre einen festen Job, dann wurde ihr kurz vor der Pension gekündigt
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Andrea Herold in ihrem Garten, den sie nach ihrem Rauswurf monatelang nicht mehr betrat
Foto: Mafalda Rakoš / DER SPIEGELBertalan sagt, dass er froh sei, Menschen wie Andrea Herold helfen zu können. Auch er selbst ist über Umwege in seinen Job gekommen. Nachdem er arbeitslos geworden war, rekrutierte ihn sein AMS-Berater als Kollegen. Inzwischen ist er bei einem Träger des Projekts angestellt. Er muss jetzt nicht mehrere Kunden die Woche besuchen, sondern darf sie länger begleiten. Er wirkt glücklich darüber. Die Endung seiner neuen E-Mail-Adresse klingt optimistisch: »itworks.at«.
Lange wirkt es, als könne MAGMA ewig so weiterlaufen. Klar, das Pilotprojekt endet offiziell am 31. März 2024. Aber nachdem all die Medien da waren, die Stimmung derart positiv ist, wird man das Ganze doch wohl kaum beenden? Sven Hergovich, der Leiter des AMS Niederösterreich und Erfinder von MAGMA, ist inzwischen in die Politik gewechselt. Als Sozialdemokrat will er die Jobgarantie jetzt auf das gesamte Bundesland und später auf ganz Österreich ausweiten. Die SPÖ fängt an, sich bundesweit damit zu schmücken. Es ist eine Geschichte, die bis hierhin vor allem Gewinner zu kennen scheint.
Bei einem Besuch im Mai 2023 hat sich vieles verändert. Robert Leisser, der zuvor nirgends richtig ankam, ist inzwischen nicht mehr im Projekt beschäftigt, sondern schon drei Schritte weiter: Seine Freundin erwartet ein Kind. Die Wohnung in der alten Arbeitersiedlung, von der er klagte, dass sie schimmele, haben sie hinter sich gelassen. Er pendelt jetzt jeden Morgen um 5.08 Uhr von Wien-Ottakring nach Marienthal. Dort hat ihn ein Holzhändler auf dem alten Fabrikgelände angestellt, in wenigen Wochen will er seinen Staplerschein machen. Leisser hat schon Arbeitsschuhe gekauft. Bald wird er deutlich mehr verdienen als die 1300 Euro bei MAGMA, er wirkt aufgeregt. Er sagt: »Für 2000 Euro trag ich wegen mir auch den Chef durch die Halle.«
Robert Leisser in seinem neuen Job – dem ersten in 38 Jahren
Foto: Mafalda Rakoš / DER SPIEGELRobert Leisser betont, jetzt einen richtigen Job zu haben. Bei MAGMA musste er zu Beginn acht Wochen lang Kurse belegen, regelmäßige Gespräche führen. Leisser fand sie unnötig. Sie erinnerten ihn trotz aller Freiwilligkeit an die Zeit als Langzeitarbeitsloser. »Lasst mich halt schaffen«, sagt er jetzt und rollt mit den Augen. Zwar wird sein neuer Job immer noch zu mehr als zwei Dritteln von MAGMA finanziert, doch er ist stolz, zeigt in der Werkhalle seine Kettensäge. Sein neuer Kollege lobt ihn, er sagt, Leisser sei eine super Ergänzung, ein Glücksfall.
Auch bei anderen Teilnehmenden geht es voran. Da ist der 25-Jährige mit psychischen Problemen, der dachte, mit einer bipolaren Störung würde er nie wirklich einer Arbeit nachgehen können. In seinem Leben ging es gefühlsmäßig auf und ab; beim Arbeitsmarktservice sollte immer alles exakt nach Vorschrift passieren. Es passte nicht zusammen. Schließlich steckten sie ihn in ein »psychosoziales Zentrum«, quasi eine Behindertenwerkstatt.
Vor Ort gehen langsam die Arbeitslosen aus
Jetzt arbeitet er 25 Stunden die Woche in der Tischlerei. »Vollzeit ist die Planung«, sagt er fröhlich, manchmal dürfe er in der Werkstatt aushilfsweise der Chef sein. »Arbeit heißt für mich jetzt Struktur, meine Ausdauer verbessert sich. Ich bekomme Anerkennung. Der Job löst mehr Probleme, als er schafft.«
Knapp die Hälfte der Teilnehmenden ist noch im Projekt beschäftigt, die anderen wurden inzwischen erfolgreich in Unternehmen vermittelt. Langsam gehen Bertalan die Langzeitarbeitslosen aus, jedenfalls kommen seit einigen Wochen keine neuen hinzu. Die Arbeitslosigkeit in Gramatneusiedl ist praktisch verschwunden.
MAGMA schaffe mehr Wert, als Langzeitarbeitslosigkeit koste, so lautet das Fazit einer Studie über das Projekt, die der Oxford-Ökonom Lukas Lehner erstellt hat. Er und sein Kollege Maximilian Kasy haben sie ohne Honorar angefertigt, um sie unabhängig publizieren zu können. »Unser Forschungsdesign haben wir noch vor dem Start auf einem US-Portal veröffentlicht, damit es transparent einsehbar ist«, sagt er. Das Vorgehen ist ein Standard in der Ökonomie, für den AMS sei es eher ungewohnt gewesen, sagt Lehner. Inzwischen haben die Wirtschaftswissenschaftler für die Studie einen renommierten Preis in Großbritannien gewonnen. Lehner hat das Konzept auch der EU-Kommission vorgestellt, der Uno-Sonderberichterstatter für Armut hat sich kürzlich darauf bezogen, auch die OECD verweist darauf.
»Die Jobgarantie funktioniert«, sagt Lehner mit ruhiger Stimme am Telefon. »Es ist ökonomisch vor Ort sinnvoll, aber auch für die Teilnehmenden. Sie fühlen sich zugehöriger.« Lehner glaubt, dass die Idee kein Allheilmittel ist, aber eine Lösung für ein aktuelles Problem, das mit den anstehenden Transformationen in Europa noch größer werden könne.
Nicht alle Teilnehmenden haben die Chance, noch einen Job in der freien Wirtschaft zu finden. Der Anspruch ist, dass auch die Arbeit bei MAGMA als sinnvoll wahrgenommen wird.
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Viele Teilnehmer müssen nach Jahren der Langzeitarbeitslosigkeit überhaupt erst neues Vertrauen in ihre Fähigkeiten gewinnen
Foto: Mafalda Rakoš / DER SPIEGELUmso verwunderlicher ist die plötzliche Zurückhaltung in Österreich: Dort wissen die Projektverantwortlichen nicht, ob und wie es mit MAGMA in ein paar Monaten weitergehen soll. Die geplante Veröffentlichung der groß angekündigten, soziologischen Studie der Universität Wien wird seit Juli dieses Jahres immer wieder verschoben – obwohl sie nach Auskunft der Wissenschaftler längst fertig ist. Selbst die dem SPIEGEL in Aussicht gestellte Vorablektüre ist nun nicht mehr möglich. In Auftrag gegeben hatte die Studie der AMS, der nun aber offenbar von den Ergebnissen nichts mehr wissen will.
Scheitert MAGMA an politischem Kleinkrieg?
Liegt es daran, dass es an der Spitze des AMS einen Wechsel gab? Die Konservativen haben die jüngsten Landtagswahlen in Niederösterreich gewonnen, die neue Chefin des AMS steht anders als ihr Vorgänger der ÖVP nahe. Das Projekt wurde einst einstimmig von Gewerkschaften und Arbeitgebern in den AMS-Aufsichtsgremien beschlossen – fällt es jetzt einem parteipolitischen Kleinkrieg zum Opfer? Oder stellt MAGMA die Arbeit von Jobcentern schlicht zu grundlegend infrage: Was wäre, wenn Menschen von sich aus gern arbeiten, sofern sie nur einen Sinn darin erkennen? Bräuchte es dann noch so viele Trainings, »Maßnahmen«, Kurse und Sanktionen? Oder müsste man das ganze System ändern?
Es funktioniert – die Frage ist nur, ob diese Erkenntnis noch gewünscht ist
An einem Donnerstagabend im November nimmt sich die neue Chefin des AMS, Sandra Kern, Zeit für ein Gespräch, das Klärung bringen soll. Sie meldet sich von unterwegs. Es geht um die simple Frage, was aus MAGMA werden soll. Das Telefonat dauert knapp eine Stunde, doch hinterher weiß man nicht mehr. Kern sagt Sätze wie »Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen gewisse Dinge auf«. Welche das sind, will sie auch auf Nachfrage nicht mitteilen. Eine Vorstellung der längst fertigen Studie der Universität Wien sei vielleicht »im Jänner« möglich, kurz bevor das Projekt endet. Vertraute von ihr sprechen bereits von Februar. Inzwischen kursiert das Gerücht, es werde kurzfristig noch eine dritte Studie geplant – um MAGMA abwickeln zu können.
Alte Arbeitersiedlung Marienthal: Wird hier der Blick auf Arbeitslosigkeit grundlegend verändert?
Foto: Mafalda Rakoš / DER SPIEGELIn Gramatneusiedl wartet Andreas Bertalan in seinem Büro immer noch darauf, wie es weitergeht. Hinter ihm hängen 21 Urkunden von Fortbildungen, die er in den vergangenen Jahren belegt hat: zu Mitarbeiterführung und moderner Arbeitskultur. Inzwischen befindet er sich in einer ähnlichen Situation wie die, denen er helfen will. Ab April 2024 wird er wohl einen neuen Job brauchen.
Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft
Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.
Eine ausführliche FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.