Rasant steigende Infektionszahlen Österreich beschließt landesweiten Lockdown für Ungeimpfte

Drastische Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie: Österreicher, die weder Impfung noch Genesung nachweisen können, dürfen ihre Wohnung von Montag an nur noch unter bestimmten Bedingungen verlassen.
Schlange vor einem Covid-19-Testzentrum in einem Einkaufszentrum in der österreichischen Gemeinde Pasching

Schlange vor einem Covid-19-Testzentrum in einem Einkaufszentrum in der österreichischen Gemeinde Pasching

Foto: FOTOKERSCHI.AT / picture alliance / APA / picturedesk.com

Um die Verbreitung des Coronavirus weiter einzudämmen, gelten in Österreich von diesem Montag an massive Einschränkungen für Ungeimpfte. Das haben Bundeskanzler Alexander Schallenberg und die Regierungschefs der Länder am Sonntag in Wien beschlossen. »Wir setzen diesen Schritt nicht leichten Herzens, aber leider ist er notwendig«, sagte Kanzler Alexander Schallenberg (ÖVP).

Betroffen sind etwa zwei Millionen Menschen. Die Polizei will eigens Streifen abstellen, um die Einhaltung der Vorschriften zu überwachen. Bei Verstößen drohen bis zu 1450 Euro Strafe.

Nach dem bereits zuvor an die Öffentlichkeit gelangten Entwurf sollen die Ausgangsbeschränkungen per Verordnung bis vorerst 24. November gelten. Ungeimpfte dürften Haus oder Wohnung dann nur noch aus dringenden Gründen verlassen: für Lebensmittel-Einkäufe, Arbeit oder Ausbildung sowie zur körperlichen Erholung. Schallenberg verwies einerseits auf die ansteckendere Delta-Variante und andererseits auf die nach seinen Worten »beschämend niedrige Impfquote« in Österreich.

Experten fordern Lockdown für alle

Schon jetzt sind die Einschränkungen für Ungeimpfte in dem Land groß – etwa durch die 3G-Regel am Arbeitsplatz und die 2G-Regel im öffentlichen Leben. Bei den Corona-Neuinfektionen werden in Österreich fast täglich Rekorde verzeichnet. Am Samstag wurden mehr als 13.000 Infektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz an Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner stieg auf 814,6.

Nach einem Stufenplan der Regierung sollte der Lockdown für Ungeimpfte eigentlich erst bei einer Zahl von 600 belegten Intensivbetten kommen. Aktuell sind nach Angaben der Behörden 433 Plätze belegt. Wegen der wieder hohen Infektionszahlen zog die Regierung den Schritt nun aber vor. Um eine zu starke Belastung der Kliniken zu vermeiden, fordern Experten einen Lockdown für alle. Das wiederum will die Regierung vermeiden.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte sich in die Diskussion eingeschaltet. »Die Stimmung in unserer Bevölkerung reicht angesichts extrem steigender Zahlen von Depression und Sorge um das wirtschaftliche Fortkommen bis zu wechselseitigem Unverständnis und Aggression«, schrieb das Staatsoberhaupt auf Facebook. Das Land brauche angesichts der bedrohlichen Situation Klarheit und vielleicht auch unbequeme Maßnahmen.

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Deutschland hat Österreich wieder zum Corona-Hochrisikogebiet erklärt. Damit müssen Reisende und Pendler seit Sonntag verschärfte Regeln beachten. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss bei der Rückkehr nach Deutschland mindestens fünf Tage in Quarantäne.

nil/dpa/Reuters