An Österreichs Nationalfeiertag Soldaten kollabieren bei Vereidigung in Wien
Soldatinnen und Soldaten am Nationalfeiertag in Wien: »Der Umgang des Militärs mit den jungen Menschen ist unverantwortlich«
Foto: Isabelle Ouvrard / SEPA.Media / IMAGOBeim österreichischen Bundesheer ist es am Nationalfeiertag am 26. Oktober zu denkwürdigen Szenen gekommen: Viele Soldaten kollabierten während der feierlichen Vereidigungszeremonie. Das enthüllt nun das Wiener Stadtmagazin »Falter« in der Morgenausgabe seines Donnerstags-Newsletters.
Angetreten zur in Österreich »Angelobung« genannten Zeremonie waren 950 Kandidaten. Immerhin 98 davon seien wegen Kreislaufproblemen bei herbstlichen Temperaturen um die zwölf Grad kollabiert oder abgeführt worden, hieß es zunächst. Der Sprecher des Bundesheers bestätige das. Später präzisierte das Magazin seine Angaben. Laut dem Bundesheer seien nicht wie ursprünglich kommuniziert 98 Soldaten kollabiert. Stattdessen hätten 80 Kreislaufprobleme gehabt, von denen 14 umgekippt seien. Dazu kamen 18 Zivilisten, die ebenfalls umgefallen sind. Soldatinnen waren laut einem Armeesprecher nicht betroffen.
Am schlimmsten erwischte es einen Soldaten, der vornüber kippte und sich den Kiefer brach, hieß es beim »Falter« weiter. Während die Sanitäter zu tun hatten, wurde auf dem Podium die »Mission Vorwärts« gepriesen – von Klaudia Tanner, Ministerin für Landesverteidigung im neutralen Österreich. 16 Milliarden Euro an Investitionen sollen dem lange dürftig ausgerüsteten Bundesheer bis 2032 zufließen.
»Exerzieren ist kein Selbstzweck«
Dass unter anderem Tanners Rede elf Minuten dauerte, statt der eigentlich nur vorgesehenen fünf, habe mit zum Kollaps der Rekruten beigetragen, zitiert der »Falter« eine empörte Zeugin. Ihr Sohn war unter den anfangs noch in Reih und Glied Angetretenen: »Der Umgang des Militärs mit den jungen Menschen ist unverantwortlich.«
Kritik dieser Sorte weist man bei den österreichischen Streitkräften brüsk von sich. Man werde weiterhin darauf beharren, dass Rekrutinnen und Rekruten ihren Eid im Stehen ablegten. »Eine Angelobung, bei der Soldaten sitzen, ist unvorstellbar«, lässt der Heeressprecher wissen: »Exerzieren ist kein Selbstzweck.«
Die Ministerin selbst, im niederösterreichischen Bauernbund sozialisiert, hatte im Vorjahr Aufsehen dadurch erregt, dass sie sich während der Zeremonie einen Hauptmann schnappte und zum Donauwalzer bat. Auch diesmal ließ sie sich nicht anmerken, ob das Malheur vor ihren Augen tatsächlich zu ihr durchdrang. »Die Welt ist im Umbruch«, sagte Tanner. Umso dringlicher sei es, »eine starke Armee für unsere Heimat zu schaffen«.
Bei der deutschen Bundeswehr ist es in der Vergangenheit zu ähnlichen Vorfällen gekommen. Vor allem bei Vereidigungen unter hohen Temperaturen im Sommer brechen immer wieder Rekrutinnen und Rekruten zusammen, die für lange Zeit stillstehen müssen. Im vergangenen Jahr waren so in Berlin gut zwei Dutzend Soldaten mit Kreislaufproblemen bei einem Gelöbnis im Bendlerblock zusammengebrochen.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde eine höhere Zahl von Rekruten genannt, die Kreislaufprobleme hatten beziehungsweise kollabierten. Inzwischen hat der »Falter« seine Berichterstattung präzisiert. Zudem war unter den Betroffenen anders als zunächst berichtet keine Soldatin. Wir haben die entsprechenden Passagen angepasst.