Vor Präsidentschaftswahl Opposition in Belarus sagt Großkundgebung ab

Eine geplante Großkundgebung gegen den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko sei verboten worden, teilte die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja mit. Lukaschenko gilt als "letzter Diktator Europas".
Swetlana Tichanowskaja auf einer Wahlkampfveranstaltung Anfang August

Swetlana Tichanowskaja auf einer Wahlkampfveranstaltung Anfang August

Foto: Sergei Grits/ dpa

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Belarus wurde eine geplante Großkundgebung der Opposition abgesagt. Die Veranstaltung samt Konzert in der Hauptstadt Minsk vor der Wahl an diesem Sonntag sei verboten worden, teilten Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja und ihre Mitstreiterinnen Maria Kolesnikowa und Weronika Zepkalo bei Facebook mit. Die Behörden begründeten die Absage der Wahlveranstaltung im Park der Völkerfreundschaft mit einem Fest des Verteidigungsministeriums.

Kurz zuvor war Tichanowskajas Wahlkampfleiterin Maria Moros vorübergehend festgenommen worden. Das Innenministerium habe Maria Moros am Donnerstag in Gewahrsam nehmen lassen, nachdem sie die litauische Botschaft in Minsk besucht habe, teilte eine Sprecherin Tichanowskajas mit. Kurz darauf gab die Sprecherin Moros' Freilassung bekannt.

Das Innenministerium wies die Darstellung des oppositionellen Wahlkampfteams zurück. Moros sei nicht festgenommen, sondern "zu einem Gespräch eingeladen" worden, teilte das Ministerium der Nachrichtenagentur AFP mit.

Die drei Frauen Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa,

Die drei Frauen Weronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa,

Foto: Sergei Grits/ dpa

Die drei Frauen Kolesnikowa, Tichanowskaja und Zepkalo stehen für die Opposition gegen den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, der als "letzter Diktator Europas" gilt, seit 26 Jahren an der Macht ist und am Sonntag für seine sechste Amtszeit gewählt werden will. Der autoritäre Machthaber ließ politische Gegner verfolgen, wegsperren, von Wahlen ausschließen. Statt der Großkundgebung wollen die Frauen nun am Abend den Tag der offenen Tür in einem Bildungszentrum besuchen.

Innenministerium will "notfalls mit Gewalt" gegen Massenveranstaltungen vorgehen

Das Innenministerium kündigte an, notfalls mit Gewalt gegen nicht genehmigte Massenveranstaltungen vorzugehen. "Wir werden kein Chaos zulassen", sagte Vizeinnenminister Alexander Barssukow im Staatsfernsehen. Die Frauen kritisierten, dass ihnen sonst kein Platz für den Wahlkampf zur Verfügung gestellt werde.

In der Ex-Sowjetrepublik hatten Gegner des 65-jährigen Lukaschenko noch nie einen solchen Zulauf wie diesmal. Die 37-jährige Tichanowskaja ist als einzige Kandidatin der Opposition zur Wahl zugelassen. Sie kämpft für ihren Mann Sergej Tichanowski, einen populären Blogger, der als Gegner Lukaschenkos frühzeitig inhaftiert wurde. Unterstützt wird sie von der Ehefrau des nicht zugelassenen Präsidentschaftskandidaten Walerij Zepkalo, der nach Russland geflüchtet ist. Kolesnikowa leitete den Wahlkampfstab des ebenfalls nicht zugelassenen Bewerbers Viktor Babariko, der auch im Gefängnis sitzt. Die Verfahren gelten als politisch motiviert.

höh/dpa
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