»Absichtliche Verunglimpfung« Oppositionschef Starmer macht Johnson für Attacke verantwortlich

Nach Falschbehauptungen Johnsons über Keir Starmer wurde der Labourchef auf offener Straße attackiert. Nun hat Starmer eine direkte Verbindung zwischen den Vorfällen gezogen: »Der Premier wusste genau, was er tut«.
Labourchef Keir Starmer: »Es geht nicht um mich. Es geht um die Art und Weise, wie wir Politik betreiben.«

Labourchef Keir Starmer: »Es geht nicht um mich. Es geht um die Art und Weise, wie wir Politik betreiben.«

Foto: House Of Commons / dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson ist bereits wegen Coronapartys in seinem Regierungssitz in Erklärungsnot – nun gerät er auch wegen einer Falschbehauptung über seinen politischen Konkurrenten unter Druck.

Mit scharfen Worten hat Oppositionschef Keir Starmer Johnson für eine Attacke auf sich verantwortlich gemacht. »Es war eine absichtliche Verunglimpfung ohne Grundlage«, sagte Starmer der Zeitung »Times«. »Der Premier wusste genau, was er tut. Es ist eine Verschwörungstheorie gewalttätiger Faschisten, die seit einiger Zeit umgeht.«

Mob bezeichnete Starmer als »Phädophilenbeschützer«

Starmer war am Montag in London von einem Mob bedrängt worden, der ihn als »Pädophilenbeschützer« beleidigte. Auf im Internet kursierenden Videos von Montagabend ist zu sehen, wie Starmer von Demonstranten in der Nähe des Parlaments in London angegangen wird. Zu hören sind unter anderem Rufe wie »Verräter«. Polizisten bugsieren den Labourpolitiker schließlich in einen Streifenwagen, der mit Blaulicht davonfährt.

Wie Scotland Yard mitteilte, wurden zwei Menschen festgenommen, nachdem sie einen Warnkegel auf Beamte geschleudert hatten.

Eine Woche zuvor hatte Johnson dem Chef der Labourpartei vorgeworfen , er habe es in seiner Zeit als Chef der Staatsanwaltschaft versäumt, den pädophilen BBC-Moderator Jimmy Savile strafrechtlich zu belangen. Dieser Vorwurf ist seit Langem widerlegt. Johnson lehnt eine Entschuldigung ab. Er hatte später »klargestellt«, dass er nicht Starmer selbst gemeint habe, sondern die Art und Weise, wie Institutionen geführt werden. Dennoch fordern weiterhin auch Mitglieder von Johnsons Konservativer Partei, dass der Premier die Aussage öffentlich zurücknimmt.

Johnson hatte den Vorfall am Montagabend als »absolut schändlich« und »komplett inakzeptabel« bezeichnet, entschuldigte sich bislang aber nicht bei dem Oppositionschef.

»Ich wurde noch nie Pädophilenbeschützer genannt«, sagte Starmer. »Wenn andere argumentieren, dass dies nichts mit genau dem zu tun hat, was der Premierminister eine Woche zuvor gesagt hat, dann ist es so. Aber sie werden mich nie davon überzeugen, dass es keine Verbindung gibt.« Starmer sagte: »Es geht nicht um mich. Es geht um die Art und Weise, wie wir Politik betreiben.« Johnson werde sich nie entschuldigen.

muk/dpa
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