Angreifer wollte Schrecken verbreiten Ermittler stufen Anschlag von Oslo als islamistischen Terror ein – Polizisten sollen landesweit Waffen tragen

Der Anschlag mit zwei Toten auf eine LGBTQ-Bar in Oslo war laut Ermittlern die Tat eines Islamisten. Sie erhöhen die Terrorwarnstufe. Die Strecke der abgesagten Pride-Parade wird dennoch zur Demo-Route.
Trauer am Tatort: Terrorwarnstufe 5 von 5

Trauer am Tatort: Terrorwarnstufe 5 von 5

Foto: Terje Pedersen / AFP

Der norwegische Inlandsnachrichtendienst PST stuft den Terroranschlag auf eine queere Bar in Oslo als islamistisch motiviert ein. Der 42-jährige in Iran geborene Zaniar M. sei seit 2015 im Visier der Sicherheitsbehörden gewesen und immer wieder durch Gewalt und Drohungen aufgefallen, sagte PST-Chef Roger Berg auf einer Pressekonferenz.

Man sei bereits in der Vergangenheit besorgt gewesen, der norwegische Staatsbürger habe sich radikalisiert und einem islamistischen Netzwerk angeschlossen, sagte Berg. Der PST habe im Mai dieses Jahres noch ergebnislos mit M. gesprochen.

Es werde derzeit daran gearbeitet, den genauen »Grad der ideologischen Motivation und die Verbindungen zu anderen Extremisten oder assoziierten Netzwerken zu klären«, sagte Berg. Den Angehörigen der Opfer sprach der Ermittler sein Beileid aus.

Dem Angreifer sei es darum gegangen, in der Bevölkerung Schrecken zu verbreiten, hatte zuvor bereits Polizeiermittler Christian Hatlo gesagt. Der Tatverdächtige soll jedoch auch psychische Probleme in der Vergangenheit gehabt haben. Sein geistiger Zustand werde untersucht.

Norwegen verschärft wegen des Anschlags nun die Sicherheitsmaßnahmen. Die Terrorwarnstufe sei von 3 (moderat) auf die höchste Stufe 5 (besonders hoch) erhöht worden, sagte PST-Chef Berg.

Sender: Tausende Demonstranten auf der Straße

Konkret müssen alle Polizeibeamten des Landes vorübergehend Waffen tragen. »Auf der Grundlage von Informationen des PST und des Osloer Polizeidistrikts haben wir beschlossen, eine vorübergehende Bewaffnung einzuführen«, teilte Polizeichefin Benedicte Bjørnland mit. Anders als in Deutschland ist die norwegische Polizei in der Regel unbewaffnet unterwegs.

»Heute Nacht wurde auf meine Freunde geschossen«

Lesbische Gleichstellungsministerin Trettebergstuen

»Die gesamte norwegische Gemeinschaft ist betroffen«, sagte Norwegens sozialdemokratischer Premierminister Jonas Gahr Støre auf einer Pressekonferenz. »Als der Täter zu schießen begann, änderte sich die Welt von Freude, Lachen und Liebe zu Hass, Kugeln und Töten.« Man wisse nicht, ob die queere Community gezielt getroffen werden sollte, sie sei nun aber Opfer des Angriffs. »Wir wissen, dass viele von Ihnen verängstigt, verzweifelt und wütend sind. Wir teilen diese Verzweiflung. Wir stehen zusammen.«

Die norwegische Ministerin für Kultur und Gleichstellung, Anette Trettebergstuen, ist selbst lesbisch und sagte: »Heute Nacht wurde auf meine Freunde geschossen, und unschuldige Menschen wurden getötet.« In Norwegen, so die Sozialdemokratin, gebe es aber mehr Menschen, die lieben als hassen.

Der Angreifer hatte am Abend vor der großen Pride-Parade in Oslo insbesondere den seit Jahrzehnten in der LGBTQ-Community beliebten London Pub im Zentrum der norwegischen Hauptstadt mit Schusswaffen angegriffen. Zwei Menschen starben, mehr als 20 wurden verletzt, zehn davon schwer.

Protestzug durch Oslo: »Der Kampf geht weiter«

Protestzug durch Oslo: »Der Kampf geht weiter«

Foto: Getty Images

Bereits in der Nacht hatten Ermittler unter anderem die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht, zwei Waffen, darunter eine automatische wurden sichergestellt. Der Mann wurde bislang nicht verhört, tauscht sich der Zeitung »Dagbladet « zufolge aber mit seinem Verteidiger aus.

Die Veranstalter der für heute geplanten 40. Pride-Parade hatten das Event auf Anraten der Polizei abgesagt. Sie empfahlen, nun von zu Hause und in den jeweiligen Vierteln aneinander zu denken und sich für die Rechte queerer Menschen einzusetzen.

Tausenden Osloerinnen und Osloern reicht das offenbar nicht. Dem Sender NRK  zufolge versammelten sie sich entlang der für die Parade ausgewiesenen Strecke im Szenestadtteil Grønland zu einer spontanen Demonstration für die Rechte der Community. »Der Kampf geht weiter«, riefen sie demnach.

apr
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