Oxfam-Bericht Nahrungsmittelknappheit nimmt weltweit dramatisch zu

Krieg, Corona, Klimawandel: Wegen einer »Überlagerung von Krisen« leiden weltweit immer mehr Menschen unter extremem Hunger. Während der Pandemie stieg die Zahl laut Oxfam fast um das Sechsfache.
Eine Mutter hält ihre unterernährte 22 Monate alte Tochter im Arm. Das Foto entstand in einem Zelt für medizinische Behandlungen im Norden Äthiopiens

Eine Mutter hält ihre unterernährte 22 Monate alte Tochter im Arm. Das Foto entstand in einem Zelt für medizinische Behandlungen im Norden Äthiopiens

Foto: Ben Curtis / AP

Die Nahrungsmittelknappheit in vielen Teilen der Welt hat sich in den vergangenen Monaten aufgrund einer Kombination von Faktoren dramatisch verschlimmert. Das meldet die Hilfsorganisation Oxfam in ihrem neuesten Bericht.  Sie hat unter anderem verglichen, wie viele Menschen weltweit unter schwerstem Hunger leiden. Von Ende 2019 (also vor Beginn der Coronapandemie) bis Juni 2021 sei diese Zahl fast um das Sechsfache gestiegen: von 84.500 auf 521.814 Menschen.

Neben der Coronapandemie sind laut Oxfam vor allem Konflikte und der Klimawandel für diese Entwicklung verantwortlich. »Wir erleben derzeit eine Überlagerung von Krisen: unaufhörliche Konflikte, die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 und eine Klimakrise, die außer Kontrolle gerät«, sagte Hélène Botreau, Referentin für Ernährungssicherheit und Landwirtschaft bei Oxfam Frankreich.

Jede Minute sterben dem Bericht zufolge  elf Menschen an den Folgen von Hunger und Unterernährung. Insgesamt seien 155 Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen, ein Anstieg von 20 Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Das entspreche »der Bevölkerung von Frankreich, Deutschland und Belgien zusammen«. Oxfam unterscheidet in dem Bericht verschiedene Dringlichkeitsstufen , von Nahrungsmittelknappheit bis hin zu schwerstem Hunger.

Konflikte und Kriege bleiben demnach die Hauptursache für Hungersnöte. Zwei von drei Hungernden leben in Ländern, in denen Krieg herrscht. Hinzu kommen die »massiven Auswirkungen« wirtschaftlicher Schocks, »verschärft durch die Coronavirus-Pandemie«. »Massenarbeitslosigkeit und eine stark gestörte Nahrungsmittelproduktion haben zu einem 40-prozentigen Anstieg der Weltmarktpreise für Nahrungsmittel geführt, dem höchsten Anstieg seit über einem Jahrzehnt«, erklärte Oxfam.

Zu den Ländern, die am schlimmsten von der Nahrungsmittelknappheit betroffen sind, zählt Oxfam Afghanistan, Äthiopien, Südsudan, Madagaskar, Syrien und den Jemen.

aar/AFP
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