Gewalt militanter Impfgegner Drei Menschen bei Polio-Impfkampagne in Pakistan getötet

Impfgegner verbreiten Verschwörungsmythen: In der Grenzregion von Afghanistan und Pakistan werden immer wieder Unterstützer von Impfkampagnen angegriffen. Drei kamen nun bei einer Attacke ums Leben.
Polio-Impfungen in Pakistan

Polio-Impfungen in Pakistan

Foto: Shahzaib Akber / EPA

In Pakistan sind drei Menschen bei einer Impfkampagne gegen das Poliovirus getötet worden. Bewaffnete Unbekannte töteten einen Impfhelfer und zwei Polizisten in Nordwasiristan nahe der Grenze zu Afghanistan, wie Behördenvertreter am Dienstag erklärten.

In der Grenzregion waren lange Zeit militante und islamistische Gruppen aktiv. Immer wieder werden Unterstützer der Impfkampagnen angegriffen. Die Impfgegner verbreiten zudem Verschwörungsmythen über angebliche Nebenwirkungen. Eltern fürchten dauerhafte Schäden ihrer Kinder durch die Impfung gegen das gefährliche Virus.

Starker Fallanstieg im Jahr 2019

Pakistan startete 1994 ein Programm zur Bekämpfung der Kinderlähmung. Die Krankheit, die das zentrale Nervensystem befallen und in Einzelfällen zu dauerhaften Lähmungen führen kann, ist in den allermeisten Ländern der Welt ausgerottet. Pakistan ist neben Afghanistan weltweit das einzige Land, in dem es in diesem Jahr Erkrankungen mit dem Wildtyp des Poliovirus gegeben hat.

Angesichts eines starken Anstiegs an Fällen von Kinderlähmung startete Pakistan 2019 eine Notimpfkampagne. Die Kampagne soll nach Aussage des Chefs des Anti-Polio-Programms, Babar Bin Atta, ab Montag in zwölf Bezirken des Landes durchgeführt werden. Seit Jahresbeginn hätten die Behörden bereits 41 Poliofälle registriert.

Ein von den Vereinten Nationen finanziertes Polio-Impfprogramm hatte Pakistan dabei geholfen, die Ausbreitung der Krankheit zu kontrollieren. Die Zahl der betroffenen Kinder war im Jahr 2018 auf zwölf zurückgegangen, 2014 hatte es noch 304 Fälle gegeben.

Kinderlähmung ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Zwar löst das Virus bei der großen Mehrheit der Betroffenen keine Beschwerden aus. Doch in seltenen Fällen kann eine Infektion zu dauerhaften Lähmungen führen. In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts seit den Neunzigerjahren keine Infektionen mit dem Poliovirus mehr registriert.

muk/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.