Kritik an westlichen Interventionen Papst legt Merkel versehentlich Putin-Zitat zu Afghanistan in den Mund

Papst Franziskus hat die »Weisheit« der Worte von Kanzlerin Merkel gelobt – und ein Beispiel mit Bezug auf die Lage in Afghanistan gebracht. Allerdings kam die zitierte Einschätzung aus dem Kreml, nicht aus Berlin.
Papst Franziskus bei einem Gebet auf dem Petersplatz

Papst Franziskus bei einem Gebet auf dem Petersplatz

Foto: VINCENZO PINTO / AFP

Nach dem desaströsen Abzug der Nato-Staaten in Afghanistan haben sich Politikerinnen und Politiker aus aller Welt zur Lage im Land geäußert. Und sich dabei nicht mit Einschätzungen zurückgehalten, was hätte besser laufen müssen – und was künftig anders laufen sollte. In der Fülle der Urteile zu Afghanistan hatte nun Papst Franziskus bei einem Interview die Orientierung verloren – und einen Ausspruch des russischen Präsidenten Wladimir Putin irrtümlich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugeschrieben.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche bezeichnete Merkel im Interview mit dem spanischen Radiosender Cope als eine »der großen Persönlichkeiten der internationalen Politik«. Dann zitierte Papst Franziskus Merkel mit diesem Satz: »Es ist notwendig, der unverantwortlichen Politik des Eingreifens von außen und des Aufbaus der Demokratie in anderen Ländern unter Ignorierung der Traditionen der Völker ein Ende zu setzen.«

Zwar hat auch Merkel angesichts des Afghanistan-Debakels betont, dass international darüber beraten und künftig gut abgewogen werden müsse, wo man sich einsetzt – das vom Papst genannte Zitat ist aber die Position Putins, der dem Westen schon länger Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Länder vorwirft. Der Vatikan reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zu der Äußerung des 84-jährigen Argentiniers.

Froh, »dass wir miteinander reden«

Unabhängig von dem Fauxpas lobte der Papst die »Weisheit« der Worte »dieser Frau« während ihres Moskau-Besuchs vor eineinhalb Wochen. Nach dem vermutlich letzten Treffen Merkels mit Putin in ihrer Funktion als Kanzlerin hatte Merkel die Gespräche als »konstruktiv« bezeichnet. Bei der anschließenden Pressekonferenz sagte sie, bei allen Meinungsverschiedenheiten sei sie sehr froh, »dass wir miteinander reden«. Beide waren sich mit Blick auf Afghanistan einig, dass man die Macht der Taliban eindämmen müsse – aber wohl um Gespräche mit ihnen nicht herumkomme, wenn man Schutzbedürftige aus dem Land retten wolle.

Das Radiogespräch war das erste Interview von Franziskus nach seinem Aufenthalt in der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom Anfang Juli. Ärzte hatten bei dem geplanten Eingriff einen Teil seines Darms entfernt, weil er eine Krankheit hatte, die mitunter starke Bauchschmerzen verursachen kann.

mrc/dpa
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