Anschlag auf Lehrer Täter hatte womöglich Kontakt zu Vater einer Schülerin

Neue Erkenntnisse nach dem islamistischen Anschlag bei Paris: Der 18-Jährige, der den Geschichtslehrer Samuel Paty enthauptet hat, soll Nachrichten mit dem Vater einer Schülerin ausgetauscht haben.
Erinnerung an den enthaupteten Lehrer Samuel Paty im Paris Vorort Conflans-Sainte-Honorine

Erinnerung an den enthaupteten Lehrer Samuel Paty im Paris Vorort Conflans-Sainte-Honorine

Foto: BERTRAND GUAY / AFP

Der nach dem islamistischen Anschlag auf einen Geschichtslehrer bei Paris festgenommene Vater einer Schülerin soll in Kontakt mit dem Täter gestanden haben. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen tauschten der Vater und der 18-jährige Täter am Tag des Anschlags WhatsApp-Nachrichten aus, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Auch der Sender BFM TV berichtete, dass sie Nachrichten ausgetauscht hätten. Dafür gab es allerdings keine offizielle Bestätigung, so die Nachrichtenagentur dpa.

Wegen der Enthauptung des Lehrers bei Paris waren am Abend insgesamt 16 Menschen in Polizeigewahrsam, darunter auch der Vater der Schülerin. Er hatte sich rund eine Woche vor dem Anschlag auf Facebook darüber beschwert, dass der Lehrer seinen Schülern Nackt-Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt habe. In einer Botschaft begleitet von einem Video rief er zu einem Vorgehen gegen den Geschichtslehrer auf und hinterließ auch seine Telefonnummer.

Tochter soll achte Klasse der Schule besuchen

Die Tochter des Mannes besuchte den Angaben zufolge die achte Klasse der Schule in Conflans-Sainte-Honorine, an der der enthauptete Lehrer unterrichtet hatte. Sie soll an dem Tag, als der Lehrer seinen Schülern Mohammed-Karikaturen zeigte, jedoch nicht am Unterricht teilgenommen haben, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

Vor rund einer Woche stellte der Vater erneut ein Video ins Internet, in dem er gemeinsam mit einem islamistischen Aktivisten auftrat. Die Halbschwester des Vaters soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft für die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat nach Syrien gegangen sein.

Präsident Emmanuel Macron kündigte am Abend an, verstärkt gegen den "radikalen Islam" vorzugehen. Das propalästinensische Kollektiv, benannt nach dem Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin, das laut Macron "direkt" an der Ermordung des Lehrers beteiligt war, soll am Mittwoch durch einen Beschluss im Ministerrat aufgelöst werden. Weitere "Entscheidungen dieser Art gegen Verbände und Gruppen von Einzelpersonen" sollen demnach folgen.

Die Polizei ging nach der Ermordung des Lehrers am vergangenen Freitag in Dutzenden Einsätzen gegen 51 Menschen und Vereinigungen vor, die mutmaßlich dem islamistischen Spektrum nahestehen. All diese Islamisten stünden "nicht unbedingt in Verbindung" mit dem Mord an dem Lehrer, sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin. Die Einsätze zielten vielmehr darauf ab, "eine Botschaft zu vermitteln: nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik".

Auch Schüler in Polizeigewahrsam

Das französische Innenministerium verkündete auch die Schließung einer Moschee im Pariser Vorort Pantin. Dem Imam der Moschee warf der Innenminister vor, das Opfer bedroht und die Adresse seiner Schule veröffentlicht zu haben. Die Moschee soll nach Angaben des Innenministeriums ab Mittwochabend sechs Monate lang geschlossen bleiben.

Unter den 16 Menschen in Polizeigewahrsam befinden sich nach Angaben der Behörden Familienangehörige des Täters sowie fünf Schüler aus Conflans-Sainte-Honorine, wo das Opfer als Geschichtslehrer gearbeitet hatte. Ermittlerkreisen zufolge stehen einer oder mehrere Schüler im Verdacht, dem 18-jährigen Täter tschetschenischer Herkunft Hinweise auf das Opfer gegeben zu haben, möglicherweise gegen Geld.

Derweil wurden mehrere Gedenkfeiern zu Ehren des Opfers angekündigt. Am Mittwoch findet eine nationale Gedenkfeier in Anwesenheit von Präsident Emmanuel Macron in Paris statt. Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer kündigte eine posthume Auszeichnung des Lehrers mit dem Orden der Ehrenlegion an.

Auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte den Franzosen sein Mitgefühl aus. Er betonte die Bedeutung des Unterrichts über Meinungsfreiheit: "So kostbar unsere Grundwerte sind, so zerbrechlich sind sie auch, wenn wir sie nicht unserer Jugend lebendig vermitteln können."

kfr/AFP/dpa
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