Vorwürfe häuslicher Gewalt Perus Präsident entlässt Regierungschef nach nur drei Tagen im Amt

Perus Präsident Castillo hat den gerade ernannten Regierungschef Héctor Valer Pinto wegen Vorwürfen der häuslichen Gewalt wieder entlassen. Gewalt gegen Frauen könne man nicht akzeptieren.
Der entlassene Premier Héctor Valer Pinto, 62, in Lima

Der entlassene Premier Héctor Valer Pinto, 62, in Lima

Foto: JUAN PABLO AZABACHE / AFP

Seine Frau und seine Tochter hatten ihn öffentlich früherer Gewalttaten bezichtigt, nun wurde der Druck auf den neuen peruanischen Premier offenbar zu groß.

Perus Präsident Pedro Castillo hat den erst vor drei Tagen ernannten Regierungschef Héctor Valer Pinto wegen der Vorwürfe häuslicher Gewalt wieder entlassen. »Ich habe entschieden, die Regierung umzubilden«, sagte Castillo am Freitag. Pinto war am Donnerstag unter Druck geraten, als Zeitungen berichteten, dass seine Frau und seine Tochter ihn 2016 wegen häuslicher Gewalt angezeigt hatten.

Mindestens zwei Beschwerden waren damals laut Medienberichten bei der Polizei eingegangen. Die Opposition und auch Teile der Regierung forderten daraufhin seinen Rücktritt. Der 62-jährige Regierungschef leugnete, ein »Missbrauchstäter« zu sein und verwies darauf, nie wegen häuslicher Gewalt verurteilt worden zu sein. Allerdings räumte er ein, »Probleme« mit seiner Tochter gehabt zu haben.

In einer Aufzeichnung, die am Freitag im peruanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, verkündete Präsident Castillo, dass man Gewalt gegen Frauen nicht akzeptieren könne und dass das nächste Kabinett Stimmen aus »diversen politischen Sektoren« beinhalten werde.

Castillo, ein früherer Lehrer, der in einem armen Dorf in den Anden aufwuchs, ist Mitglied der Marxistisch-Leninistischen Partei. Die politische Ausrichtung seiner Regierung hat sich jedoch in der kurzen Zeit seit der Wahl nach rechts bewegt. Der nun geschasste Valer Pinto war lange Mitglied einer extrem rechten Partei, bevor er diese verließ, um sich Castillo anzuschließen.

Der Präsident ist in Perus politischem System eine mächtige Funktion. Der Premierminister fungiert als eine Art Chefberater für den Präsidenten, welcher gemeinsam mit ihm das Kabinett auswählt. Ein Zeitplan für die Gründung des neuen Kabinetts steht noch nicht. Wenn Präsident Castillo die nächste Regierung vorstellt, wird es die vierte seit seinem Amtsantritt vor sechs Monaten sein.

AFP/Reuters/sem
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