Philippinen Die Müllkinder von Manila

Im Hafen von Manila leben Minderjährige davon, Plastikflaschen und anderen Abfall aus dem verdreckten Wasser zu fischen und zu verkaufen. Ein deutscher Fotojournalist hat sie dabei begleitet.
Von Tim van Olphen und Hartmut Schwarzbach (Fotos)
Unicef Foto des Jahres 2019: Die damals 13-jährige Wenie sammelt Plastikabfall aus dem Hafenbecken in Manila

Unicef Foto des Jahres 2019: Die damals 13-jährige Wenie sammelt Plastikabfall aus dem Hafenbecken in Manila

Foto: Hartmut Schwarzbach/ argus
Globale Gesellschaft

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Die kleinen Hütten im Stadtteil Tondo im Hafen von Manila werden notdürftig von Wellblech, Pappe und Holz zusammengehalten. Kinder springen in das trübe Wasser und fischen immer wieder Plastikabfall heraus, den sie sammeln und anschließend an örtliche Trödel- und Recyclingläden verkaufen. Für einen ganzen Tag Arbeit bekommen sie mit Glück um die 50 philippinische Pesos - umgerechnet nicht mal 90 Cent. Von dem Geld können die Kinder nicht viel mehr als ein Kilo Reis kaufen. Doch das hilft vielen Familien in Manilas größtem und ärmsten Slum schon gewaltig.

20 Millionen Menschen leben schätzungsweise in der Metropolregion der philippinischen Hauptstadt Manila. In den Städten und Vororten werden laut dem Umweltministerium rund 9,3 Millionen Kilogramm Abfall pro Tag produziert. Vieles davon landet nicht in Mülltonnen oder Containern, sondern im Wasser und damit in der Bucht von Manila. Und ein großer Teil des Abfalls im Wasser wird von Kindern aufgesammelt. Denn obwohl Kinderarbeit verboten ist, bleibt vielen Mädchen und Jungen in dem Slum keine andere Wahl.

Der deutsche Fotojournalist Hartmut Schwarzbach hat die Müllsammler in den Slums von Manila begleitet und ihre tägliche Arbeit dokumentiert. Er kenne die Familien in den Wellblechhütten schon lange, sagt Schwarzbach. 2018 sei er vom katholischen Hilfswerk missio  gebeten worden, nach Themen in den Armenvierteln zu recherchieren und sei so auf die Plastik sammelnden Kinder gestoßen: "Es war ein Sonntagnachmittag im Juni, die Kinder waren nicht in der Schule, und viele schwammen im Wasser und fischten nach Plastikmüll", sagt er.

Schwarzbach sagt, er habe in dieser von Armut gebeutelten Gegend von Manila zwar schon viel fotografiert und gefilmt, doch es sei immer wieder ein emotionaler Schock gewesen, "die Bewohner und insbesondere die Kinder in so einer elenden, unwürdigen und extrem gefährlichen Wohnsituation zu sehen". Dort, in den Slums des Hafenviertels, sei auch das Bild der 13-jährigen Wenie Mahiya entstanden, die bis zu den Knien im Wasser stehend und mit einem gelben Plastiksack in der Hand versucht, etwas Wiederverwertbares zu finden und damit etwas Geld für ihre Familie zu verdienen.

Für das Bild wurde Schwarzbach 2019 mit dem "Unicef Foto des Jahres" ausgezeichnet. Als er davon erfuhr, flog er sofort wieder nach Manila, um Wenie zu suchen und ihr davon zu berichten. Das Mädchen sei mit ihrer Mutter und den Geschwistern jedoch umgezogen. Die Mutter fürchtete die Krankheiten im Slum - und dass ihr drogensüchtiger Mann ihre Tochter an andere Männer verkaufen könnte. "Ich wusste zwar, dass die Kinder im Slum gefährlichen Krankheiten ausgesetzt sind, aber dass dort auch Kindesmissbrauch verbreitet ist, war mir neu", sagt Fotograf Schwarzbach.

Sehen Sie in der Fotostrecke, wie die Kinder in Manilas Slum täglich Plastikabfall aus dem Wasser fischen, um etwas Geld für ihre Familien zu verdienen:

Fotostrecke

Müllfischer in Manila: Leben vom und im Müll

Foto: Hartmut Schwarzbach/ argus

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

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