Auszählung von 90 Prozent der Wahlscheine Diktatorensohn Marcos Junior siegt bei Präsidentenwahl auf den Philippinen

Mehr als doppelt so viele Stimmen: Ferdinand Marcos Junior liegt laut vorläufigen Ergebnissen deutlich vor der amtierenden Vizepräsidentin Leni Robredo. Was heißt das für die Demokratie auf den Philippinen?
Präsidentschaftskandidat Ferdinand Marcos Junior

Präsidentschaftskandidat Ferdinand Marcos Junior

Foto: MIKHAEL FLORES / AFP

Auf den Philippinen steht die Familie des früheren Diktators Ferdinand Marcos vor einem Comeback: Der Diktatorensohn Ferdinand Marcos Junior hat vorläufigen Ergebnissen zufolge die Präsidentenwahl gewonnen. Laut dem am Dienstagmorgen (Ortszeit) bekannt gegebenen Ergebnis der Auszählung von gut 90 Prozent der Stimmen lag der 64-Jährige uneinholbar vor seiner Hauptrivalin, der amtierenden Vizepräsidentin und Oppositionsführerin Leni Robredo.

Vizepräsidentin Leni Robredo

Vizepräsidentin Leni Robredo

Foto: LISA MARIE DAVID / REUTERS

Robredo hätte »Bongbong« einen Strich durch die Rechnung machen können. Zwar lag sie bei Umfragen hinten, aber Beobachter waren überzeugt, dass die 56-Jährige die Wahl gewinnen könnte. Die Anwältin versprach vor allem eins: Ehrlichkeit. Das reichte offenbar nicht.

Offenbar hohe Wahlbeteiligung

Marcos Junior kam nach Auszählung von gut 90 Prozent der Wahlscheine auf fast 30 Millionen Stimmen, mehr als doppelt so viele wie Robredo. Damit lag der Sohn von Ex-Diktator Ferdinand Marcos uneinholbar vorn. Das offizielle Endergebnis wird erst in einigen Wochen erwartet.

Mehr als 67 Millionen Wahlberechtigte waren an die Urnen gerufen. Die Beteiligung war Schätzungen zufolge sehr hoch. Überschattet wurde die Wahl von gewaltsamen Zwischenfällen mit mehreren Toten.

Ferdinand Marcos Junior bewarb sich rund dreieinhalb Jahrzehnte nach der Absetzung seines Vaters und der Vertreibung der Familie ins Exil auf die Nachfolge des umstrittenen bisherigen Präsidenten Rodrigo Duterte.

Nach sechs Jahren autoritären Regierens durch Duterte befürchten Menschenrechtsaktivisten, Führer der katholischen Kirche und politische Analysten, dass Marcos Junior als Staatschef noch autokratischer regieren könnte.

kim/AFP/dpa