Obdachlos in der Pandemie Am Boden

Als Corona die Philippinen erreichte, verloren Hunderttausende in Manila ihre Arbeit. Ohne Einkommen landeten sie auf der Straße. Eine Fotografin hat den Alltag und das Überleben der Obdachlosen festgehalten.
Auch Familien mit Kindern sind unter den neuen Obdachlosen von Manila

Auch Familien mit Kindern sind unter den neuen Obdachlosen von Manila

Foto: Alecs Ongcal / The Guardian / eyevine / laif
Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für die Lösung globaler Probleme.

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Ein Satz, den man viel hört in den Straßen von Manila, geht so: »Wir werden nicht an Covid-19 sterben, denn wir werden an Hunger sterben.«

Die Philippinen haben weltweit mit die längsten und striktesten Lockdowns. Die meiste Zeit seit Beginn der Pandemie waren die Schulen dort geschlossen, Kinder in ihre Wohnungen verbannt , weil draußen auf der Straße Spielen verboten war. Die Menschen mussten lange, sobald sie vor die Tür treten, zur Maske zusätzlich ein Gesichtsschild aus Plastik tragen.

Seit der Pandemie leben Hunderttausende mehr auf den Straßen Manilas

Seit der Pandemie leben Hunderttausende mehr auf den Straßen Manilas

Foto: Alecs Ongcal / The Guardian / eyevine / laif

Trotz harter Maßnahmen waren die Inzidenzen hoch, im vergangenen Sommer stiegen die Zahlen wieder rasant, im August sagte ein Arzt dem SPIEGEL: »Für uns ist es ein höllischer Kreislauf. Wir sind überlastet.«

Im Land hinterlässt das Spuren, überall. Besonders deutlich wird das Ausmaß bei denen, von denen man oft als die »vom Abstieg Bedrohten« spricht. Frauen, Männer, die Gelegenheitsjobs haben, nie genug verdienen, um etwas für eine Krise auf die Seite zu legen. Die Familien und Verwandte mitversorgen von ihrem Verdienst. Auch Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter.

Viele von ihnen sind mal in die Metropolregion Manila gekommen, 13 Millionen Menschen leben dort, in der Hoffnung auf Arbeit. Doch als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown kam, waren sie die ersten, die ihre Jobs verloren. Sie mussten sich fortan entscheiden: Leiste ich mir Essen oder eine Wohnung?

Viele nehmen das Wasser zum Waschen aus den Brunnenfontänen in den Parks von Manila

Viele nehmen das Wasser zum Waschen aus den Brunnenfontänen in den Parks von Manila

Foto: Alecs Ongcal / The Guardian / eyevine / laif

Die philippinische Fotografin Alecs Ongcal hat in den zwei Jahren Pandemie die Frauen, Männer, Kinder begleitet, die ihre Wohnungen verloren haben. Die neuen Obdachlosen von Manila. Sie ging oft zu einem Park im Zentrum mit dem Namen Liwasang Bonifacio, wo sich viele von ihnen versammeln, schlafen, auf Spenden warten. Ihre Fotos sind zuerst im »Guardian « erschienen.

Sie hat zum Beispiel Yuri getroffen, sitzend auf Pappkartons, gleich zu Beginn der Pandemie. Yuri hat nicht überlebt. Sie hat Michelle und Jerwin getroffen, die zusammen versuchen, besser durch ihren Alltag zu kommen. Und über die die Fotografin einen schönen Satz gesagt hat. Michelle und Jerwin, wohnend in einer Straßenunterführung, »sie haben ineinander ein neues Zuhause gefunden«.

Sehen Sie hier die Fotos aus den Straßen Manilas – und wie die Menschen überleben:

Fotostrecke

Obdachlos in Manila: Sie haben ineinander ein neues Zuhause gefunden

Foto: Alecs Ongcal / The Guardian / eyevine / laif

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

mst
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