Philippinen Der Wahlkampf um Dutertes Nachfolge beginnt

Anfang Mai wird auf den Philippinen gewählt. Rodrigo Duterte tritt ab, dessen »Krieg gegen die Drogen« Zehntausende Opfer kostete. Die beste Chance auf seine Nachfolge hat aktuell der Sohn eines Ex-Diktators.
Diktatoren-Sohn und ehemaliger Senator: Ferdinand »Bongbong« Marcos Jr. will der neue Präsident der Philippinen werden

Diktatoren-Sohn und ehemaliger Senator: Ferdinand »Bongbong« Marcos Jr. will der neue Präsident der Philippinen werden

Foto: Rouelle Umali / dpa
Globale Gesellschaft

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Am 9. Mai wählen die Einwohnerinnen und Einwohner der Philippinen, wer dem scheidenden Präsidenten Rodrigo Duterte nachfolgt. Nun hat, drei Monate vorher, offiziell der Wahlkampf begonnen.

Duterte selbst darf laut Verfassung nicht noch einmal kandidieren. Sechs Jahre war er im Amt; Anfang Oktober 2021 hatte er verkündet: »Ich werde in den Ruhestand gehen.« Beobachter hatten dennoch lange gezweifelt, ob Duterte die politische Bühne wirklich verlassen würde.

Rodrigo Duterte Ende Dezember 2021: Er darf nicht nochmal kandidieren

Rodrigo Duterte Ende Dezember 2021: Er darf nicht nochmal kandidieren

Foto: FRANCIS R. MALASIG / EPA-EFE

Duterte ist aufgrund seines extrem harten Kampfs gegen Drogenkriminalität sehr umstritten.

Seit seinem Amtsantritt Ende Juni 2016 sollen im Zuge seines sogenannten »Krieges gegen die Drogen« mehrere Tausend Menschen von Todeskommandos getötet worden sein. Laut Menschenrechtsorganisationen könnte dieser bis zu 30.000 Menschen das Leben gekostet haben. Dennoch sind laut Umfragen die Menschen im Land weiter größtenteils zufrieden mit ihrem Präsidenten.

Zehn Kandidatinnen und Kandidaten im Rennen

Zehn Kandidaten bewerben sich nun um das Präsidentenamt. Darunter sind der frühere Box-Weltmeister Manny Pacquiao sowie der Bürgermeister der Hauptstadt Manila und frühere Schauspieler Francisco »Isko Moreno« Domagoso.

Nach jüngsten Umfragen liegt der Sohn von Ex-Diktator Ferdinand Marcos und der früheren First Lady Imelda vorn: Ferdinand Marcos Jr., der unter dem Spitznamen Bongbong bekannt ist – 36 Jahre, nachdem seine Eltern aus dem südostasiatischen Inselstaat vertrieben worden waren. Jahrzehntelang hatte die philippinische Bevölkerung unter der brutalen Herrschaft von Diktator Marcos gelitten, unter Mord, Folter und dem spurlosen Verschwinden politischer Gegner. Zudem galt er als einer der korruptesten Herrscher der Welt. Duterte werden enge Verbindungen zur Familie Marcos nachgesagt.

Hat aktuell die größten Chancen auf die Präsidentschaft: Ferdinand Marcos Jr., »Bongbong«, Sohn des Ex-Diktators Marcos

Hat aktuell die größten Chancen auf die Präsidentschaft: Ferdinand Marcos Jr., »Bongbong«, Sohn des Ex-Diktators Marcos

Foto: Ryan Eduard Benaid / NurPhoto / Getty Images

Marcos Junior hatte bereits 2016 erfolglos versucht, Vizepräsident zu werden. Nun hat er Sara Duterte-Carpio, Dutertes Tochter, als seine Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten benannt. Das Vizeamt wird jedoch separat gewählt.

Auch die 56-jährige Vizepräsidentin Leni Robredo kandidiert um die Präsidentschaft. Sie ist die Oppositionsführerin und die einzige Frau, die zur Wahl steht.

Wahlen stehen unter Eindruck der Pandemie

Die ehemalige Menschenrechtsanwältin war Dutertes Wohnungsbauministerin, trat aber zurück, nachdem sie von den Kabinettssitzungen ausgeschlossen worden war und ist zu einer seiner schärfsten Kritikerinnen geworden. Dutertes Drogenpolitik etwa hatte Robredo als »sinnlose Tötungen« verurteilt.

Könnte Vizepräsienten unter Marcos Jr. werden: Dutertes Tochter Sara Duterte-Carpio, Bürgermeisterin von Davao City

Könnte Vizepräsienten unter Marcos Jr. werden: Dutertes Tochter Sara Duterte-Carpio, Bürgermeisterin von Davao City

Foto: Ryan Eduard Benaid / NurPhoto / IMAGO

Die Philippinen sind von der Coronapandemie stark betroffen, mit immer wieder harten Shutdowns, Schulschließungen, Armut und Hunger. Die medizinische Infrastruktur, so hatte es ein Arzt dem SPIEGEL gegenüber beschrieben, stand kurz vor dem Zusammenbruch. Zeitweise gab es mehr als 10.000 Coronafälle am Tag.

Auch die Wahlen werden aufgrund dessen anders ablaufen als gewöhnlich: Die normalerweise bei philippinischen Wahlkämpfen vorherrschende Partystimmung wird gebremst. Es gelten Beschränkungen bei der Zahl der Teilnehmenden an Wahlkampfveranstaltungen sowie strenge Abstandsregeln und Maskenpflicht. Auch Händeschütteln, Umarmungen, Küsse und Selfies werden verboten sein .

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

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mst
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