Acht Milliarden – Putins Krieg Mit dem Kleinwagen an die Front

Als Kiew eingekesselt zu werden droht, verlassen die meisten Reporter die Stadt. Christoph Reuter fährt in die entgegengesetzte Richtung, in einer Fahrgemeinschaft, die zufällig auch die Bundeswehrhelme transportiert.
Ein Podcast von Olaf Heuser und Christoph Reuter

»Wie nah der Krieg an uns herangerückt ist, das wird einem klar, wenn man sagt: Ok, ich setz' mich ins Auto und fahr an die Front.«

Christoph Reuter hat für den SPIEGEL aus vielen Konflikten auf der ganzen Welt berichtet: aus Afghanistan, Libyen, Syrien und dem Irak. Von der polnischen Grenze aus reiste er in einem alten VW Golf bis zur ukrainischen Hauptstadt, zwischenzeitlich als Teil eines Konvois, der von ukrainischen Sicherheitskräften eskortiert wurde.

»Das war ein Reisebus und zwei kleine Lieferwagen. Dann habe ich einmal geschaut, was hat dieser Reisebus eigentlich geladen?«, erzählt er. »Und dann waren das lauter Kartons, auf denen stand: Einsatzhelm, ALG, Punkt, Bundeswehr, Zentralverwaltung. Und dann merkten wir: Wir begleiten die Helme der Bundeswehr nach Kiew.«

In dieser Folge des Auslands-Podcasts »Acht Milliarden« erzählt Christoph Reuter von seinen ersten beiden Wochen als Reporter in Putins Krieg, von den Schwierigkeiten und Gefahren dieser speziellen Form von Kriegs-Journalismus und den essenziellen Vorbereitungen auf einen solchen Auftrag. Zum Beispiel geht es darum, dass er seine Schutzweste unter der Kleidung trägt, um nicht mit einem Kämpfer verwechselt zu werden oder um die Notwendigkeit, die bisherigen Erfahrungen der Verteidiger zu kennen.

»Mit den Leuten zu klären: welche kleine Gasse liegt im Blickwinkel und damit im Schusswinkel von Scharfschützen? Haben die Russen überhaupt Scharfschützen bislang eingesetzt? Wie haben sie reagiert, wenn Fußgänger vorbeikommen? Wie haben sie auf Autos reagiert?«, berichtet er. »Diese kleinen Dinge, die aber überlebenswichtig sein können, wie man gemerkt hat. Allein daran, dass in und um Irpin drei Kollegen und Kolleginnen ums Leben gekommen sind innerhalb einer Woche.«

Diese Episode von »Acht Milliarden« hören Sie hier: