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Acht Milliarden Russlands perfides Hunger-Narrativ

Russland blockiert die Häfen der Ukraine, und Millionen Menschen auf der Welt warten auf notwendige Getreidelieferungen. Putins Regime strickt daraus eine Erzählung, um Verbündete gegen den Westen zu gewinnen.
Ein Podcast von Olaf Heuser

40 Prozent der Weltbevölkerung leben in nur fünf Staaten: Brasilien, Indien, China, Südafrika und Russland. Mehr als drei Milliarden Menschen.

Diese Staaten haben sich zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, die sich nach den Anfangsbuchstaben jener Länder Brics nennt. Brics wird als Gegengewicht zu den G7-Staaten betrachtet, den wirtschaftlich stärksten Industrienationen der westlichen Welt. Zum Vergleich: In den G7-Staaten sind etwa elf Prozent der Weltbevölkerung zu Hause.

Beim jüngsten Brics-Treffen, das am 23. Juni 2022 per Videoschalte stattfand, beschuldigte der chinesische Staatschef Xi Jinping die Nato, Russland zu reizen und die Weltwirtschaft als Waffe zu missbrauchen. Gemeint waren die Sanktionen, die der Westen Russland wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine auferlegt hat.

An der Brics-Versammlung wird deutlich, dass längst nicht die ganze Welt den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine so eindeutig verurteilt wie Nato, EU und USA. Und sie zeigt auch, wie intensiv Russland sein Narrativ von der westlichen Bedrohung in die Welt exportiert.

»Und da hat man jetzt ein neues Narrativ eingebaut: Die Getreideexporte werden nicht durch den von Russland begonnenen Krieg und die russische Blockade ukrainischer Häfen verhindert. Sondern durch die westlichen Sanktionen«, befindet Sabine Fischer, die als Expertin für russische Außen- und Sicherheitspolitik bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik forscht. »Und dieses Narrativ hat man ganz stark gerade auch in den Globalen Süden transportiert, der vom Ausbleiben ukrainischen Getreides natürlich noch mal in einer ganz existenziellen Art und Weise betroffen ist.«

Russland ist also längst nicht so sehr international isoliert, wie es die sanktionierenden Gemeinschaften des Westens bezweckten. Viele Staaten verhalten sich vorsichtig und loten aus, mit welchen politischen Positionen ihre eigenen Interessen gefördert werden können, jetzt und in Zukunft.

»Das, was wir jetzt sehen, ist der Beginn eines hochkomplexen Verhandlungsprozesses in viele Richtungen«, sagt Sabine Fischer, »und das ist etwas, was, denke ich, in den kommenden Jahren immer wichtiger werden wird. Denn der Konflikt wird andauern.«

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