»Geht zurück nach Minsk!« Polens Grenzschutz warnt Migranten per SMS

Seit Wochen versuchen Migranten an der polnisch-belarussischen Grenze, in die EU zu gelangen. Polen setzt auf weitere Abschreckung und beschuldigt Belarus, die Migranten anzulügen.
Polnische Grenzschützer und Flüchtlinge nahe dem polnischen Dorf Usnarz Gorny an der Grenze zu Belarus

Polnische Grenzschützer und Flüchtlinge nahe dem polnischen Dorf Usnarz Gorny an der Grenze zu Belarus

Foto: ARTUR RESZKO / EPA

Polens Grenzschutz versucht weiterhin, Migranten an der Grenze zu Belarus abzuschrecken. Nun sollen dafür SMS versendet werden. Alle Migranten, deren Handys sich im Grenzgebiet in Reichweite des polnischen Mobilfunks befänden, bekommen nun offenbar folgenden Text geschickt:

»Die polnische Grenze ist abgeriegelt. Belarussische Stellen haben euch Lügen erzählt. Geht zurück nach Minsk! Nehmt keine Tabletten von belarussischen Soldaten.« Das verkündete Polens Innenminister Mariusz Kamiński auf Twitter.

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Zu der SMS gehört auch ein Link auf die Website des polnischen Innenministeriums . Dort wird auf Englisch, Arabisch und Russisch vor einem Grenzübertritt gewarnt. Außerdem wird dazu aufgerufen, keine Medikamente von belarussischer Seite einzunehmen, da diese vergiftet sein könnten.

Polnische Regierung sieht Verantwortlichkeit bei Lukaschenko

Die polnische Regierung beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Geflüchtete aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik Belarus hatte Lukaschenko Ende Mai angekündigt, Minsk werde Migranten nicht länger an der Weiterreise in die EU hindern.

Hilfsorganisationen äußern den Verdacht, dass Polens Grenzschutz die Migranten mehrheitlich wieder nach Belarus abschiebt. Dies lässt sich nicht überprüfen und dokumentieren, da Polen an der Grenze den Ausnahmezustand verhängt hat und Journalistinnen und Helfer nicht in die Region vordringen lässt.

Ein aus der Türkei stammender Geflüchteter berichtete der Tageszeitung »Gazeta Wyborcza«, nach der Abschiebung aus Polen nach Belarus würden die Migranten dort von belarussischen Sicherheitskräften festgesetzt, geschlagen und wieder an die Grenze zurückgebracht.

jso/dpa
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