Zwölfter Jahrestag des Flugzeugabsturzes Kaczyński deutet Verantwortung Russlands für Tod seines Bruders an

Mit einer Gedenkfeier sollte 2010 das schwierige polnisch-russische Verhältnis gekittet werden – dann starb der polnische Präsident auf dem Hinflug. Sein Zwillingsbruder schürt zwölf Jahre später Zweifel am Hergang.
Jarosław Kaczyński bei der Gedenkfeier für seinen verstorben Bruder Lech und dessen Frau

Jarosław Kaczyński bei der Gedenkfeier für seinen verstorben Bruder Lech und dessen Frau

Foto: PIOTR NOWAK / EPA

Im westrussischen Katyn wurden 1940 Tausende polnische Offiziere und Intellektuelle ermordet. 2010 hatte Kremlchef Wladimir Putin erstmals in einer Versöhnungsgeste die polnische Regierung zum Gedenken eingeladen – den polnischen Staatschef Lech Kaczyński jedoch nicht. Der flog zu einer separaten Feier – doch auf dem Hinflug stürzte über Smolensk das Flugzeug ab. Alle Insassen starben, darunter Kaczyński.

Sein Zwillingsbruder Jarosław Kaczyński, der Vorsitzende der rechtspopulistischen polnischen Regierungspartei PiS, hat nun am Jahrestag angedeutet, dass Russland hinter dem Flugzeugabsturz bei Smolensk 2010 stecken könnte.

Vor tausenden Menschen sagte Kaczyński am Sonntag vor dem Präsidentenpalast, er habe zur Frage nach der Absturzursache eine »vollständige und verifizierte Antwort von mehreren Quellen, auch aus dem Ausland« vorliegen. Seiner Meinung nach handelte es sich bei dem Unglück von Smolensk, bei dem insgesamt 96 Menschen starben, um einen »Angriff«. Für diese Theorie werde er »sehr bald« Beweise vorlegen.

Kaczyński räumte jedoch ein, dass es noch notwendig sei, »diejenigen zu identifizieren, die die Entscheidung getroffen und diejenigen, die sie ausgeführt haben, hier in Polen, aber vor allem in Russland«.

»Genauso kriminell wie der Kommunismus«

Kaczyński verwies darauf, dass sein Bruder eine antirussische Politik verfolgt habe, beispielsweise im Krieg zwischen Russland und Georgien sowie beim Bau von Gaspipelines an Russland vorbei. Die Anschuldigungen an Moskau sind nicht neu – schon in den Tagen nach dem Absturz hatten führende PiS-Mitglieder dem damaligen russischen Regierungschef und jetzigen Präsidenten Wladimir Putin die Verantwortung zugewiesen. Der Kreml weist jegliche Beteiligung von sich.

In einer offensichtlichen Anspielung auf die laufende russische Invasion in der Ukraine sagte Kaczyński nun: »Der Postkommunismus in Russland ist genauso kriminell wie der Kommunismus«.

Lech Kaczyński, seine Frau und hochrangige Mitglieder seiner Regierung befanden sich 2010 auf dem Weg zur Gedenkfeier für die Opfer des Massakers von Katyn. Im Wald von Katyn hatten sowjetische Truppen nach ihrem Einmarsch in Polen 1940 ein Massaker an tausenden polnischen Militärangehörigen und Eliten verübt.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version hieß es, Lech Kaczyński sei auf dem Rückflug verunglückt. Tatsächlich befand er sich auf dem Hinweg nach Katyn.

mrc/AFP
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