Spähsoftware Polnische Oppositionelle sollen mit Pegasus gehackt worden sein

Vor den Parlamentswahlen 2019 sollen zwei polnische Oppositionelle nach eigenen Angaben Opfer der Spähsoftware Pegasus geworden sein. Der Sprecher des für Geheimdienste zuständigen Ministeriums weist die Vorwürfe scharf zurück.
Der Anwalt Roman Giertych und die Staatsanwältin Ewa Wrzosek erheben schwere Vorwürfe

Der Anwalt Roman Giertych und die Staatsanwältin Ewa Wrzosek erheben schwere Vorwürfe

Foto: Andrew Medichini/Czarek Czarek Sokolowski / AP

Polen soll mit dem Staatstrojaner Pegasus Oppositionelle ausgespäht haben. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück, sie habe die umstrittene Spionage-Software Pegasus zu politischen Zwecken eingesetzt. »Die Andeutung, dass polnische Dienste operationelle Methoden für politische Zwecke genutzt haben, ist ungerechtfertigt«, erklärte Stanislaw Zaryn, Sprecher des für Geheimdienste zuständigen Ministeriums, gestern in Warschau. Zuvor hatten ein Anwalt und eine Staatsanwältin erklärt, die Spionage-Software sei gegen sie eingesetzt worden.

Der Anwalt Roman Giertych, der an mehreren Verfahren gegen die Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) beteiligt ist, sagte der Zeitung »Gazeta Wyborcza«, dass Polen die Software einsetze, »um die demokratische Opposition zu bekämpfen«. Die Software sei vor der Wahl im Jahr 2019 eingesetzt worden, wodurch »der Sinn demokratischer Wahlen komplett unterdrückt wird«.

Forschungsgruppe »Citizen Lab« bestätigt Verwendung

Die Staatsanwältin und Oppositionsanhängerin Ewa Wrzosek erklärte, die Spionage-Software sei auch gegen sie eingesetzt worden. Sie sei vom IT-Unternehmen Apple darüber informiert worden. Die in Kanada ansässige Forschungsgruppe »Citizen Lab« bestätigte, sie habe die Verwendung von Pegasus gegen Giertych und Wrzosek geprüft. »Wir haben diese Untersuchungen vorgenommen und den beiden Personen die Bestätigung geliefert, dass sie wiederholt mit Pegasus-Software infiziert waren«, sagte John Scott Railton von »Citizen Lab« der Nachrichtenagentur AFP.

Mit der in Israel hergestellten Spähsoftware Pegasus können Mobiltelefone im großen Stil gehackt werden . Sämtliche Handykommunikation einer Zielperson, egal ob verschlüsselt oder nicht, kann abgehört und mitgelesen werden. Die Spähsoftware ist in Verruf geraten, seit nachgewiesen ist, dass damit nicht nur Kriminelle, sondern in großem Stil auch Unschuldige verfolgt werden.

Der umfassende Missbrauch von Pegasus war im Juli auf Grundlage der Recherchen eines internationalen Journalistenkonsortiums bekannt geworden. Hunderte Journalisten, Aktivisten und Oppositionelle weltweit wurden offenbar Opfer von Spionage mittels Pegasus. Geheimdienste und Polizeibehörden mehrerer Länder sollen demnach die von NSO angebotene Software verwendet haben, um Mobiltelefone der Betroffenen anzuzapfen.

Nach Recherchen von »Zeit«, »SZ«, WDR und NDR setzt auch der Bundesnachrichtendienst (BND) Pegasus ein, um damit im Ausland zu spionieren. Das Kanzleramt ist dem Vernehmen nach eingeweiht und hat den Einsatz gebilligt. Mitte September war bekannt geworden, dass das Bundeskriminalamt (BKA) Pegasus erworben hat und damit seit Anfang dieses Jahres Handys von Verdächtigen ausforscht.

muk/AFP