Dominika Lasota, 21: Wenn die Welt den fossilen Brennstoffen den Rücken kehrt, kann beides enden: der Krieg und die Klimakrise.

Dominika Lasota, 21: Wenn die Welt den fossilen Brennstoffen den Rücken kehrt, kann beides enden: der Krieg und die Klimakrise.

Foto: Sebastian Arlt / DER SPIEGEL

Wie die Polin Dominika Lasota für das Klima kämpft »Ich dachte, heute verändere ich die Welt«

Dominika Lasota ist das Gesicht der polnischen Klimabewegung. Doch in ihrer Heimat stößt sie auf mehr Widerstand als Aktivistinnen aus Westeuropa. Was kann sie erreichen?
Von Muriel Kalisch
Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für die Lösung globaler Probleme.

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Es ist Ende Oktober des vergangenen Jahres, Dominika Lasota läuft durch die Straßen Warschaus, auf jede Ampel und jeden Laternenpfahl pappt sie einen Sticker. »Strajk!«, »Streik!«, steht darauf.

Seit über einem Monat bereitet die 21-jährige Aktivistin die Demonstration vor. Eine Woche vor Beginn der Klimakonferenz COP in Ägypten will sie nicht nur die Klimabewegten auf der Straße versammeln. Sondern auch die Frauenrechtsaktivistinnen, die Linke und die traditionell konservativen polnischen Bauern.

Eine Art osteuropäische Luisa Neubauer

Dominika Lasota ist das Gesicht von Polens Klimabewegung, eine Art osteuropäische Luisa Neubauer. Nur, dass ihre Chancen, gehört zu werden, deutlich schlechter stehen als die vieler westeuropäischer Aktivistinnen. Denn in Lasotas Heimat tut die Politik sich schwer mit dem Klimaschutz. Lasota will das ändern. Dafür organisiert sie Demonstrationen, spricht mit Regierenden, fährt durch Europa. Über ein halbes Jahr hinweg hat der SPIEGEL sie dabei begleitet.

In Warschau scheint an jenem Oktobertag die Herbstsonne auf die Alt- und Plattenbauten. Noch wenige Stunden sind es bis zu Lasotas Streik. Am Morgen hat sie zwei Interviews gegeben, man habe ihr ein Taxi gerufen, erzählt sie verwundert, damit sie es rechtzeitig zu ihrem nächsten Termin schaffe. »Es hat sich seltsam angefühlt, so bevorzugt behandelt zu werden«, sagt Lasota.

Nicht nur das unterscheidet sie von ihren westlichen Kolleginnen.

Im Radio hat ein Sprecher Lasotas Streik mit bis zu 15.000 Demonstrierenden angekündigt. Es wäre der größte Klimaprotest, den es in Polen je gab.

Lasota ist aufgeregt. »Vielleicht schaffen wir es zum ersten Mal, ein politisches Momentum zu erreichen«, sagt sie. Sie klingt, als würde sie schon seit Jahrzehnten mit Politikern verhandeln.

Noch heute gewinnt Polen 70 Prozent seines Stroms aus Kohle. Im größten Braunkohlekraftwerk der Welt, Belchatow, werden jährlich mehr als 40 Millionen Tonnen verfeuert – das ist mehr als etwa in der gesamten Slowakei. Interesse daran, etwas zu ändern, zeigte die Regierungspartei »Recht und Gerechtigkeit«, (PiS), bislang nicht. Die Kohle ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Etwa 100.000 Jobs hängen direkt an deren Abbau.

Europas größtes Kohlekraftwerk steht in Polen

Europas größtes Kohlekraftwerk steht in Polen

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS

Zwar gibt die Regierung öffentlich vor, Klimaschutz ernst zu nehmen. Und auch in der Bevölkerung wird das Thema wichtiger: Sagten bei einer Befragung im Jahr 2015 noch 15 Prozent, dass die Klimakrise eine ernsthafte Bedrohung sei, sind es heute schon 53. Doch danach gehandelt wird bislang wenig: Als einziges EU-Land hat Polen etwa den Green New Deal nicht unterschrieben, eine Selbstverpflichtung der Staaten, bis 2050 klimaneutral zu werden. In Warschau herrscht die Meinung vor: Der Westen hat lange Zeit selbst wenig gegen den Klimawandel getan und wurde währenddessen reich. Warum sollten wir nicht das Gleiche dürfen?

Präsident Andrzej Duda sagte noch 2018: »Kohle ist unser größter Schatz. Solange ich Polens Präsident bin, lasse ich nicht zu, dass irgendjemand den polnischen Bergbau ermordet.« Wenn es nach Lasota geht, ist er es nicht mehr lange. 2023 stehen in Polen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen an.

Lasotas Karriere als Klimaaktivistin, so erzählt sie es, begann in Bydgoszcz, einer Stadt im Norden Polens. Die Mutter arbeitet als Buchhalterin, ihr Vater ist IT-Spezialist. Als 2019 in Deutschland, Schweden oder Polen Millionen Schüler gegen die Klimakrise auf die Straßen ginge, saß sie in einem britischen Internat, finanziert durch ein Stipendium für »benachteiligte Kinder hinter dem Eisernen Vorhang«, so nennt sie es. Stundenlang klickte sie sich durch Bilder auf Instagram und träumte davon, mit den anderen zu demonstrieren.

»Ihr seid ein paar Mädchen, ihr werdet nie etwas verändern.«

Lasotas Vater

Als die Pandemie begann, kehrte die damals 17-Jährige zurück in ihre Heimat. In ihrem Kinderzimmer stapelten sich feministische Bücher von Rebecca Solnit und Klima-Essays von Naomi Klein, sie schrieb eine Nachricht an ihre Ortsgruppe des »Youth Climate Strike«, die polnische Version von Fridays for Future. Man lud sie zu einem Protest ein.

Sie habe Plakate über die Klimakrise gebastelt mit Empfehlungen, was jeder tun kann, etwa weniger Auto fahren und auf Plastik verzichten. »Ich dachte: Heute verändere ich die Welt«, sagt Lasota, »es kamen vielleicht drei Leute.«

Emmanuel Macron, Andrzej Duda

Seitdem widmet sie ihr Leben dem Kampf gegen die Klimakrise. Ihr Abitur machte sie mit der Note 1,0, einen Studienplatz an der New York University, mit Vollstipendium, lehnte sie ab, weil sie das Gefühl hatte, ihre Heimat und die Bewegung nicht verlassen zu können. Anfang des Jahres brach sie ihr Studium an der Universität Warschau ab, um Vollzeitaktivistin zu werden.

Anfangs habe ihr Vater sich über sie lustig gemacht, erzählt Lasota. »Ihr seid ein paar Mädchen, ihr werdet nie etwas verändern«, sagte er. Sie fragte: »Warum sagst du so was? Irgendwo muss es doch anfangen.« Inzwischen kritisiert er ihren Protest nicht mehr.

Heute bastelt Lasota keine Plakate mehr, sie spricht mit Politikern. Doch anders als mit Neubauer, die regelmäßig bei »Markus Lanz« diskutiert, reden die wenigsten Politiker freiwillig mit Lasota. Sie nennt den Vorgang: »Konfrontation«. Videos zeigen, wie Lasota im vergangenen Juni in Brüssel mit Emmanuel Macron über die Finanzierung einer neuen Pipeline in Uganda durch das französische Unternehmen Total diskutiert. Sie hat ihn einfach auf einer Veranstaltung gestellt.

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Polens Präsident Duda hielt sie auf der Klimakonferenz in Sharm-al-Sheik an. Sie diskutierten, ob die Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine der schlechteste Zeitpunkt ist, um auf erneuerbare Energien umzustellen – oder der beste.

Mit Russlands Angriff auf die Ukraine veränderte sich Lasotas Aktivismus.

Es ist Anfang März, als sie bei einem ersten Treffen davon spricht, wie der Ukrainekrieg ein brutaler Beweis für die weltweite Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sei. Sie glaubt, dass in der Aufmerksamkeit, die dieser Krieg bekommt, auch eine Chance liegen kann. Wenn die Welt sich von fossilen Brennstoffen löst, sagt Lasota, können beide enden: der Krieg und der Klimawandel.

Und zunächst scheint es, als würde der Krieg die gewünschte Veränderung bringen. Polens Premier Mateusz Morawiecki kündigt Ende März an, kein Öl und Gas mehr bei Russland kaufen zu wollen. Ein Embargo. Zum ersten Mal fordern Lasota und die konservative Politik dasselbe.

Deutschland bezieht zu diesem Zeitpunkt noch mehr als drei Millionen Tonnen Erdöl aus Russland. Politiker fürchten steigende Preise und Energieengpässe. Auch Polen braucht Moskaus Rohstoffe, im Jahr vor dem Krieg importierte das Land 8,3 Tonnen Steinkohle aus Russland, auch hier drohte der Bevölkerung ein kalter Winter. Doch im Angesicht des Kriegs ist das egal.

Für Lasota ist dies ein besonderer Moment, erzählt sie: »Es war mir immer unangenehm, aus Osteuropa zu kommen. Seit dem Krieg hat sich das verändert. Ich bin zum ersten Mal stolz, Polin zu sein.«

Um Geld zu sparen, fährt Lasota Regionalbahn

Um Geld zu sparen, fährt Lasota Regionalbahn

Foto: Ksenia Kuleshova / The New York Times / Redux / laif

Den Juni 2022 verbringt Lasota in Zügen. Europa zieht an ihr vorbei. Warschau. Berlin. Straßburg. Bonn. Stockholm. Um Geld zu sparen, fährt sie Regionalbahn. In den bayerischen Voralpen landen gerade Staats- und Regierungschefs der G7 im Helikopter; Lasota bringt das 9-Euro-Ticket durch Bayern.

Sie ist jetzt immer da, wo die Mächtigen sind. Und besonders oft ist sie in Deutschland. »Deutschland trägt durch seine Rohstoffabhängigkeit eine Verantwortung für diesen Krieg« , sagt sie. Sie verstehe nicht, wie ein Land, das predige, es dürfe nie wieder für Krieg verantwortlich sein, jetzt so tun könne, als habe das nichts mit ihm zu tun.

Mit den deutschen Aktivisten spricht sie oft seit Kriegsbeginn, auch mit Neubauer telefoniert sie manchmal. Aber meistens redet sie mit ihrer Freundin Wiktoria Jędroszkowiak, die auch jetzt mit ihr reist und mit der sie die Proteste organisiert.

Ihre Demo-Requisiten: Sonnenblumen und die ukrainische Flagge

Als Lasota und die anderen in Garmisch-Partenkirchen ihre Demo-Requisiten, eine ukrainische Flagge und Sonnenblumen, auspacken, drängen sich bald Journalisten um die Aktivisten. Lasotas wichtigstes Anliegen prangt auf ihrem T-Shirt: »Stop Fueling The War«. Sie trägt es fast immer.

Vor den Journalisten beten die Aktivisten ihre Thesen herunter. Dass die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen den Westen auch abhängig macht von Ländern, die sich nicht an Völkerrecht und Menschenrechte halten. »Wind und Sonne gehören niemandem«, sagt Lasota.

Sie ist es vor allem, die lange Statements abgibt. Ihr Englisch ist perfekt, ihre sind Sätze stringent. Ein ukrainischer Aktivist steht etwas abseits und murmelt: »Ich weiß nicht, wie ich es Dominika sagen soll. Aber sie nimmt sehr viel Raum ein in den Interviews. Wir sind Ukrainer, wir sollten mit den Journalisten reden.«

Es dauert nie lange, bis Lasotas Telefon wieder klingelt

Es dauert nie lange, bis Lasotas Telefon wieder klingelt

Foto: Sebastian Arlt / DER SPIEGEL

Lasota sagt später: »Wir haben auch das Recht zu sprechen.« Da ihr Land in der EU sei, fühle sie sich eben verantwortlich, deren Anführer zur Rechenschaft zu ziehen.

Es gibt nur wenige Menschen, die Lasota kritisieren. Nicht einmal rechte polnische Medien berichten schlecht über die Aktivistin. Vielleicht, weil die Mächtigen in Polen Lasotas Protest gar nicht als Bedrohung wahrnehmen?

Ziviler Ungehorsam kommt in Polen nicht infrage

Zuletzt wandten Klimaaktivistinnen und -aktivisten in Europa sich aggressiveren Methoden zu. In Berlin klebt sich die »Letzte Generation« auf Straßen fest, in London warfen Demonstranten Tomatensuppe auf ein Sonnenblumen-Gemälde von Vincent van Gogh. Sie alle ringen um eine Ressource, die der Atmosphäre keinen Schaden zufügt: um Aufmerksamkeit.

Lasota will sich nicht festkleben, sie will nichts zerstören. Sie will, dass die Menschen sie verstehen. Doch es gibt noch einen anderen Grund, warum Taktiken des zivilen Ungehorsams für sie nicht infrage kommen. In Polen, sagt sie, sei das zu riskant.

»Nicht jeder hat Zeit, wochenlang auf einem Boot zu chillen.«

Abtreibungsrecht, der ständige Kampf mit Brüssel, Pushbacks und Sperrzonen an der EU-Außengrenze. Es gibt einiges, wogegen Polen und Polinnen auf die Straßen gehen könnten. Fragt man Aktivisten aus Polen, Ungarn oder Tschechien, sagen sie, dass viele Menschen in ihren Heimatstaaten dieselbe Erfahrung teilen: Wenn du dich gegen deinen Staat auflehnst, bringt es im besten Fall nichts. Im schlimmsten Fall wirst du festgenommen.

Der Sommer geht vorbei. Lasota veranstaltet ein Klimacamp, zwei Stunden von Warschau entfernt. Eingeladen sind Aktivisten aus ganz Osteuropa. Lasota beschreibt das Treffen später als »magisch«. Sie hätten die besonderen Herausforderungen besprochen, die ihren Aktivismus ausmachen. Dabei sei es auch viel um Privilegien gegangen. Obwohl sie mitten in Europa leben, fühlen sich Lasota und die anderen in der internationalen Gemeinschaft der Klimaaktivisten manchmal an den Rand gedrängt.

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Es ist aufwendig, ihre Reise nach New York, zur Uno-Vollversammlung zu finanzieren. Eine NGO zahlt die Tickets für Lasota, ihre Freundin Jędroszkowiak und eine Ukrainerin. Klimaaktivistinnen, die über den Atlantik fliegen, das klingt nach Doppelmoral. Aber letztlich entschieden sie sich, dass es wichtiger sei, vor Ort zu sein. »Nicht jeder hat Zeit, wochenlang auf einem Boot zu chillen«, sagt Jędroszkowiak.

Es wird Herbst. Am Telefon erwähnt Lasota immer öfter, wie müde sie sei. »Seit Monaten kämpfen wir für ein Ölembargo«, sagt sie, »Wir haben alles getan, was wir konnten. Wo bleibt die Veränderung?«

Russland drosselt Gaslieferungen nach Europa. Unbekannte zerstören die Nord-Stream-Pipelines. Der Krieg in der Ukraine dauert an. Deutschland schließt Lieferverträge mit Katar ab. Auf den Straßen Warschaus sieht Lasota alte Menschen, die um Geld bitten. Vom Embargo, das ihre Regierung im Frühjahr ankündigte und das sie so stolz gemacht hat, ist nicht viel übrig geblieben. Zu groß waren auch für Polen die wirtschaftlichen Zwänge. »Alles steht in Flammen«, sagt Lasota.

Die Hoffnung, dass der Krieg in der Ukraine die Staaten in Richtung erneuerbare Energien treiben würde – Lasota scheint sie inzwischen vergebens. Nach den Monaten in Zügen und Hotelzimmern beschließt sie, ihren Protest wieder auf Polen zu konzentrieren.

Im Herbst 2022, in den letzten Stunden vor der großen Demonstration, versucht Lasota weitere Unterstützer zu gewinnen. Gelbe Blätter knistern unter ihren Füßen, während sie durch die Straßen Warschaus eilt. Ihr nächstes Ziel: die Lehrergewerkschaft. Etwa 20 Minuten verbringt sie im Büro des Vorsitzenden, als sie rauskommt, ist sie zufrieden. Die Lehrer versprechen ihre Unterstützung.

Auch die Bauerngewerkschaft hat Lasota mittlerweile überzeugt. Sie vertritt die Landbevölkerung, die mehrheitlich die Regierungspartei PiS wählt. Doch die Energiekrise trifft die ärmere Bevölkerung besonders hart, deshalb hat die Gewerkschaft zugesagt.

Mehr als Warschaus übliche Verdächtige

Als die Aktivistinnen bekannt gaben, dass sie mit den Bauern demonstrieren wollen, brauste Kritik in den sozialen Netzwerken auf. Der Gewerkschaftsvorsitzende hat in der Vergangenheit mit einem Neonazi posiert. Dass Lasota und die anderen nun mit ihm paktieren, empfinden die Linken als unerhört. Lasota sieht das anders. Der Mann habe sich deutlich distanziert.

Und für eine Revolution braucht man mehr Menschen als Warschaus übliche Verdächtige.

Um 18.40 Uhr soll die Demonstration beginnen. Um 18.45 Uhr ist der Platz vor dem Kulturpalast noch fast leer. Die Aktivistinnen haben 200 Sonnenblumen gekauft. Mehr Sonnenblumen als Demonstrierende.

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Warum kommt keiner?

Jemand hat auf der Facebookseite zur Veranstaltung die falsche Adresse gepostet, viele Male. Lasota wird später von Sabotageakten sprechen.

Mehr als ein paar Hundert werden es nicht. Der Mann vom Bauernverband tritt auf die Bühne, er trägt die polnische Nationalflagge. Niemand applaudiert.

Als Lasota auf die Bühne steigt, ruft eine Politikerin der Linken: »Heuchler!« Lasotas Stimme bricht, Tränen treten ihr in die Augen. Sie drückt das Mikrofon jemand anderem in die Hand und steigt von der Bühne.

In diesem Moment wird ihr wieder bewusst, dass es Aktivisten in Polen immer noch schwerer haben als im Westen. Ein Land, in dem, egal was man tut, statt 15.000 dann doch nur 500 Menschen kommen. Sie weint. Eine Minute, zwei, drei.

Dann klettert sie wieder auf die Bühne und greift nach dem Mikrofon.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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