Gewaltsame Auseinandersetzungen Unruhen in Portland - Mann stirbt unter ungeklärten Umständen nach Schüssen

Seit Monaten ist Portland Schauplatz von Protesten gegen Rassismus, immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Nun wurde dort eine Person getötet.

In Portland im US-Bundesstaat Oregon ist am Rande von gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Black-Lives-Matter-Bewegung und Gegendemonstranten ein Mensch getötet worden. Die Umstände sind nach Angaben der Polizei noch unklar. Es werde wegen eines Tötungsdelikts mit einer Schusswaffe ermittelt.

Ob der Fall direkt mit den Protesten zu tun hat, wird untersucht. Es sei noch zu früh, diese Frage zu beantworten, teilte die Polizei am Sonntag mit. Sie machte keine genaueren Angaben zur Identität des Getöteten und äußerte sich auch nicht dazu, wer geschossen haben soll. Polizisten hätten Schüsse gehört und seien daraufhin zum Tatort gefahren. Dort hätten sie ein Mensch mit einer Schusswunde in der Brust vorgefunden. Eine Mordermittlung sei bereits im Gange. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Den Angaben zufolge war es am späten Samstagabend in der Innenstadt von Portland wieder zu Unruhen zwischen gegnerischen Gruppen gekommen. Nach Informationen der "New York Times" hatten sich Anhänger von US-Präsident Donald Trump und Gegendemonstranten teils gewaltsame Auseinandersetzungen geliefert. Dabei sei mit Farbpistolen geschossen worden.

Dem Bericht zufolge trug der Getötete eine Kopfbedeckung mit dem Aufdruck "Patriot Prayer". So heißt eine rechtsextreme Gruppe aus der Region Portland. Der Chef der Gruppe, Joey Gibson, wird in der "New York Times"  damit zitiert, er könne keine Details nennen, aber der Mann sei ein guter Freund und Unterstützer der Gruppe. In Berichten lokaler Medien ist von einem Trump-Anhänger die Rede.

Die tödlichen Schüsse sollen demnach gegen 20.45 Uhr am Samstagabend gefallen sein. Rund 2500 Trump-Unterstützer seien mit mehreren Hundert Autos durch die Stadt gefahren. Dabei sei es zu den Auseinandersetzungen mit Trump-Gegnern gekommen. Der Präsident lobte den Autokorso auf Twitter mit den Worten "Großartige Patrioten!".

Trump hetzt gegen demokratischen Bürgermeister

In Portland gibt es nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis Ende Mai seit fast drei Monaten täglich Kundgebungen der Black-Lives-Matter-Bewegung und Gegendemonstrationen. Die Stadt hat sich zu einer Art Zentrum der landesweiten Anti-Rassismus-Proteste entwickelt. Trump hatte dort zu einer stark umstrittenen Maßnahme gegriffen, um die Proteste einzudämmen. Er schickte Bundespolizisten in die Metropole im Nordwesten der USA.

Nach dem jüngsten Todesfall übte Trump scharfe Kritik an dem demokratischen Bürgermeister von Portland, Ted Wheeler. Dieser sei "inkompetent". Die Probleme könnten "innerhalb von weniger als einer Stunde gelöst sein", wenn die Nationalgarde eingreifen würde, twitterte Trump. Dies lehnt Wheeler jedoch ab.

Der US-Präsident hat das Versprechen von "Law and Order" - Recht und Ordnung - zu einer zentralen Botschaft in seinem Wahlkampf gemacht. Während er auf klare Bekenntnisse gegen Rassismus verzichtet, versucht er zudem die Demokraten, vor allem Präsidentschaftskandidat Joe Biden, mit Gewalt bei Protesten in Verbindung zu bringen. Trump versucht so, Ängste bei potenziellen Wählern zu schüren.

Die Krawalle seien ein Vorgeschmack darauf, dass in "Bidens Amerika" niemand sicher sein werde, sagte der Rechtspopulist jüngst. Biden warf Trump im Gegenzug vor, die Gewalt im Land anzufachen, um daraus politischen Nutzen zu ziehen: "Er gießt mehr Benzin ins Feuer."

Besuch in Kenosha - aber nicht bei Blake

Die Anti-Rassismus-Proteste in Portland und vielen anderen Städten in den USA waren durch die Schüsse eines weißen Polizisten auf den 29-jährigen Schwarzen Jacob Blake vor einer Woche in Kenosha im Bundesstaat Winsconsin erneut angefacht worden. An einem Protestmarsch gegen Polizeigewalt in der Hauptstadt Washington beteiligten sich am Freitag Zehntausende Menschen. Blake war bei dem Polizeieinsatz so schwer verletzt worden, dass er nach Angaben seiner Familie womöglich nie wieder wird laufen können.

Ein Polizist soll dem Familienvater siebenmal in den Rücken geschossen haben. Auf einem Video ist zu sehen, dass er auf ihn schießt, als Blake die Fahrertür zu seinem Auto aufmacht und sich hineinbeugt. Im Auto befanden sich seine drei Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren.

Der Generalstaatsanwalt von Wisconsin, Josh Kaul, teilte mit, auf dem Boden der Fahrerseite sei ein Messer gefunden worden. Er machte aber auf Nachfragen keine Angaben dazu, ob Blake ein Messer in der Hand gehabt habe. Zudem hieß es, die Polizisten hätten zweimal versucht, Blake mit einem Elektroschocker zu betäuben, dies habe aber nicht funktioniert.

Nach dem Vorfall kam es in Kenosha zu heftigen Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus, an deren Rande am vergangenen Dienstag zwei Menschen erschossen wurden. Als Tatverdächtiger wurde ein 17-Jähriger festgenommen und wegen Mordes angeklagt. Er soll sich vor der Tat einer bewaffneten Gruppe angeschlossen haben, die nach eigenen Angaben Menschen und Gebäude in Kenosha vor den Demonstranten "beschützen" wollte.

Trump will am kommenden Dienstag nach Kenosha reisen, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, wie das Weiße Haus mitteilte. Er wolle Polizeivertreter der Stadt treffen und die Schäden besichtigen, die bei den Protesten gegen Polizeigewalt entstanden seien. Von einem Besuch bei der Familie des schwer verletzten Blake war nicht die Rede.

fok/dpa/AFP/Reuters