Proteste wegen Tod von Mahsa Amini Mindestens ein Deutscher in Iran festgenommen

In Iran sind mehrere ausländische Staatsbürger festgenommen worden. Auch ein iranischer Fußball-Nationalspieler soll wegen seiner Unterstützung der Proteste festgesetzt worden sein. Inzwischen ist die Rede von 52 Toten.
Proteste in Iran am 22. September: Zahlreiche Festnahmen

Proteste in Iran am 22. September: Zahlreiche Festnahmen

Foto: - / AFP

Im Zusammenhang mit den regierungskritischen Protesten sind in Iran offenbar neun ausländische Staatsbürger festgenommen worden. Darunter ist nach Angaben des iranischen Geheimdienstministeriums mindestens ein Deutscher. Außerdem seien Personen aus Polen, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Schweden und weiteren Ländern »vor Ort« festgenommen worden oder seien »in die Unruhen verwickelt« gewesen.

Zuvor hatten Medien bereits berichtet, dass neben Demonstranten und Künstlern auch ein bekannter Fußballspieler festgesetzt worden sei. Der 36-jährige ehemalige Nationalspieler Hossein Mahini sei wegen seiner Unterstützung für die anhaltenden Proteste festgenommen worden, wie unter anderem das Sportportal »khabarvarzeshi« berichtet.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International  wirft der iranischen Führung eine systematische Eskalation der Gewalt vor. Die Organisation dokumentierte nach eigenen Angaben den Tod von 52 Frauen, Männern und Kindern aufgrund des Handelns der Sicherheitskräfte. Amnesty erklärte weiter, der Organisation liege die Kopie eines Dokuments vor, aus dem hervorgehe, dass die Führung der Streitkräfte schon am 21. September die Kommandeure in allen Provinzen angewiesen habe, mit aller Härte gegen Demonstrierende vorzugehen. Diese seien darin als »Unruhestifter und Revolutionsgegner« bezeichnet worden. Der Befehl belege, dass die Eskalation der Gewalt und der Einsatz scharfer Munition System habe und eine bewusste Strategie der iranischen Führung sei, heißt es.

Der iranische Kleriker Mohammed-Dschawad Hadschali-Akbari sagte unterdessen beim Freitagsgebet in Teheran, das Volk fordere die Todesstrafe für »Unruhestifter«.

Auslöser: Tod der 22-jährigen Mahsa Amini

Hintergrund der Demonstrationen ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich »unislamischen Outfits« festgenommen. Was genau mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau war ins Koma gefallen und am 16. September in einem Krankenhaus gestorben. Seitdem demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung und das islamische System.

Über die Demonstrationen gibt es auch wegen der Einschränkung des Internets zurzeit wenige Informationen. Augenzeugen zufolge finden Proteste auch auf den Dächern von Häusern statt. Dort versammeln sich demnach Nachbarn und rufen systemkritische Parolen.

Unklar ist etwa das Schicksal eines Musikers: Der iranische Sänger Schwerwin Hadschipur hatte mit einem Protestsong mehr als 40 Millionen Klicks auf Instagram erreicht – das Video wurde aber am Donnerstagabend entfernt. Der Sänger soll im Norden des Landes verhaftet worden sein. Der Song mit dem Titel »Für« beschreibt unter anderem die Forderungen der Demonstranten. »Für Sehnsucht nach einem normalen Leben, für Tanzen auf den Straßen, für Küssen ohne Angst«, heißt es etwa in dem Lied.

ptz/dpa/AFP/AP
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