Proteste in Wisconsin Zwei Tote - und ein weißer Verdächtiger

In Kenosha, USA, eskaliert nach den Polizeischüssen auf den Schwarzen Jacob Blake die Lage. Das liegt auch an schwer bewaffneten weißen Zivilisten. Zwei Menschen sterben nach einer weiteren Schießerei.
Ein Video von Luis Schubert
DER SPIEGEL

Szenen aus Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin. Auch in der dritten Nacht nach den Polizeischüssen auf den Schwarzen Jacob Blake kommt es neben friedlichen Protesten auch zu Gewalt und Randale.  

Die Lage in der 100.000-Einwohner-Stadt am Michigansee ist unüberschaubar. Trotz Ausgangssperre sind neben Black-Lives-Matter-Demonstranten und der Polizei auch Gruppen von schwer bewaffneten weißen Zivilisten auf der Straße. Einige von ihnen geben vor, lokale Geschäfte vor Plünderungen zu schützen. Der Sheriff von Kenosha spricht gegenüber US-Medien von rechten Milizen. 

In der Nacht auf Mittwoch eskaliert die Lage. Mehrere Amateurvideos zeigen einen jungen Mann mit einem Gewehr, der von Demonstranten verfolgt wird. Mehrfach fallen Schüsse. Die Behörden haben bestätigt, dass zwei Menschen durch Schussverletzungen getötet wurden, ein dritter wurde verletzt. Am Mittwoch abend melden die Behörden die Festnahme eines 17-Jährigen Weißen. Er soll die Taten begangen haben.  

Bei Tageslicht zeigt sich ein Bild der Verwüstung - Folgen von Plünderungen und Zerstörungswut. Die Familie von Jacob Blake wendet sich mit einem emotionalen Auftritt an die Öffentlichkeit. 

Julia Jackson, Mutter von Jacob Blake  

"Als ich durch die Stadt gefahren bin, habe ich viel Zerstörung gesehen. Das spiegelt nicht meinen Sohn oder unsere Familie wider. Wenn Jacob wüsste, was hier los war, an Gewalt und Zerstörung, dann wäre er sehr unerfreut."  

 Latitra Wideman, Schwester von Jacob Blake  

"Wenn ihr Jacob Blakes Namen sagt, dann sagt auch, dass er ein Vater ist, ein Cousin, ein Sohn, ein Onkel. Aber vor allem ein Mensch. Ein Leben."  

Sieben Mal hatte ein Polizist dem unbewaffneten Jacob Blake am Samstag in den Rücken geschossen. Der 29-jährige Vater ist nach Angaben seiner Familie durch die Verletzungen von der Hüfte abwärts gelähmt.    

Um die Ausschreitungen zu stoppen, hat der Gouverneur von Wisconsin, Tony Evers, für die kommende Nacht den Notstand für Kenosha ausgerufen. Zudem soll die Präsenz der Nationalgarde erhöht werden. US-Präsident Donald Trump forderte Evers in einem Tweet dazu auf, "das Problem schnell zu beenden".