Es ist abermals ein langer Tisch, an den sich Wladimir Putin setzt, doch diesmal nimmt er in der Mitte Platz – neben Flugbegleiterinnen und Pilotinnen der russischen Fluglinie Aeroflot.
Der Präsident lobt die Arbeit der Aeroflot-Gruppe – und hebt hervor, dass im Unternehmen eine Frauenabteilung eingeführt worden sei. Außerdem gibt es eine Lektion in Politik:
Wladimir Putin, Russlands Präsident
»Das Kriegsrecht wird ausgerufen bei äußerer Bedrohung, per Dekret des Präsidenten, und muss vom Föderationsrat bestätigt werden. Erforderlich sind Kampfhandlungen in bestimmten Regionen. Aber wir haben eine solche Situation nicht, und ich hoffe, sie kommt auch nicht.«
Es wirkt wie eine bizarre Inszenierung; im Internet kursiert prompt sogar die Vermutung, das Ganze sei ein Fake: Putin habe sich nur in das Video schneiden lassen, um Präsenz zu zeigen. Eine Geste von Präsident Selenskyij soll einen angeblichen Konter zeigen.
Anlass für Putins Besuch ist, so heißt es, der Welt-Frauentag am kommenden Dienstag, den 8. März. Der Präsident, der gerade einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine führt, scherzt bei Tee und Keksen.
Zeitgleich in der Ukraine: Das sind die Leidtragenden seines Angriffskrieges. Kinder, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, weil die Städte, auch Wohnviertel, bombardiert werden. Die Bilder des Schreckens, der Zerstörung und des Leids erreichen die russische Bevölkerung nicht – zumindest nicht über die staatlichen Medien.
Längst hat Putin die unabhängige Berichterstattung – das, was davon noch übrig war – erstickt. Die Mehrheit der Russen bekommt Propaganda aus dem Staatsfernsehen serviert. Wer verbotene Begriffe wie »Krieg«, »Invasion« oder »Angriff« nutzt, läuft Gefahr, dafür geahndet zu werden.
Der Präsident selbst beschert seinen Landsleuten weiterhin diese Sicht der Dinge:
Wladimir Putin, Russlands Präsident
»Wir haben keine bösen Absichten gegenüber unseren Nachbarn, das haben wir immer wieder betont. Ich würde ihnen nur raten, die Situation nicht anzuheizen. Alle unsere Aktionen werden nur durchgeführt als Antwort auf unfreundliche Maßnahmen gegenüber Russland.«
Was diese Frauen über ihren Präsidenten und den Krieg, der so nicht heißen darf, denken, bleibt ein Geheimnis. Sie sind platziert, wie Dekoration, um ihrem Präsidenten mit einem Lächeln zuzuhören. Wie immer, wird der Weltfrauentag für sie ein Feiertag sein – und es wird Blumen geben. Die Bilder davon wird Wladimir Putins Medienapparat mit Sicherheit liefern.