Gas und Öl aus Russland Putin sichert Energielieferungen zu

Der russische Präsident hat versichert, alle bestehenden Verpflichtungen zu Energieexporten zu erfüllen – auch die Gaslieferungen durch die Ukraine. Vor Kurzem hatte das aus Moskau noch anders geklungen.
Nord Stream 1: Deutschland importierte 56,3 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas

Nord Stream 1: Deutschland importierte 56,3 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Der Krieg in der Ukraine hat die Debatte über die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen intensiviert. Soll der Westen Importe einstellen, auch wenn es schwere Auswirkungen hätte? Oder stellt Russland die Lieferungen als Reaktion auf die Sanktionen ohnehin ein?

Wenn man dem russischen Präsidenten Wladimir Putin noch glauben mag, ist zumindest Letzteres nicht geplant. Russland halte sich an alle eingegangenen Verpflichtungen zur Energieversorgung, sagte er bei einem Kabinettstreffen. Auch das »Transportsystem für Gas« in der Ukraine sei »zu 100 Prozent befüllt«.

Putins Vizeregierungschef Alexander Nowak hatte noch am Montag gedroht, Russland könnte als Vergeltung für den Stopp des Pipelineprojekts Nord Stream 2 die Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1 einstellen.

Russland ist der wichtigste Energielieferant Deutschlands. 2020 importierte die Bundesrepublik 56,3 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas, das entsprach rund 55 Prozent der Importe. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums blieb dieser Anteil 2021 in etwa gleich. Zudem importierte Deutschland 2020 gut 28 Millionen Tonnen Rohöl aus Russland, das entsprach rund einem Drittel der Rohölimporte.

Sollten diese Lieferungen ausbleiben, würde sich dies nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts auch an den deutschen Seehäfen bemerkbar machen: Russland war mit 24,1 Millionen Tonnen von Januar bis November 2021 wichtigster Handelspartner der deutschen Seehäfen. 10,8 Millionen Tonnen davon entfielen auf fossile Energieträger, dies entsprach 37,7 Prozent aller über die Seehäfen importierten Brennstoffe.

Einnahmen von 700 Millionen Dollar pro Tag für Russland

Russland wiederum ist auf die Einnahmen aus dem Verkauf von Rohstoffen angewiesen. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) stammten im Januar 2022 rund 45 Prozent der russischen Haushaltsmittel aus Steuern und Zöllen auf den Export von Öl und Gas. Allein für Erdgas fließen pro Tag insgesamt rund 400 Millionen Dollar (368 Millionen Euro) aus der EU nach Russland, dieser Betrag könnte bei den aktuell hohen Gaspreisen weiter ansteigen. Die gesamten russischen Exporteinnahmen für Rohöl und Erdölfertigprodukte belaufen sich auf rund 700 Millionen Dollar pro Tag.

Laut der Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wäre ein Lieferstopp zumindest bei Kohle und Rohöl verkraftbar – hier gebe es Alternativen. Problematischer sei die Situation beim Erdgas. Die Abhängigkeit Deutschlands sei hier besonders groß, zudem gebe es nur wenige Alternativen. Mehr Erdgas könnte über Pipelines aus Norwegen und Aserbaidschan kommen, doch die zusätzlichen Kapazitäten sind begrenzt.

Eine weitere Alternative ist verflüssigtes Erdgas, bekannt unter der Abkürzung LNG . Im Jahr 2020 importierte Europa laut Zahlen des Energiekonzerns BP bereits knapp 115 Milliarden Kubikmeter LNG. Die Lieferungen kamen zumeist aus Katar und den USA. Auch aus Russland kamen 17,1 Milliarden Kubikmeter.

Deutschland steht jedoch vor einem Problem: Für die Annahme von LNG-Lieferungen und die Aufbereitung des Gases werden besondere Terminals zur Schiffsabfertigung benötigt – und die gibt es in Deutschland nicht, ein direkter Import ist also nicht möglich. Bisher wird das LNG in Deutschland über Terminals im belgischen Zeebrügge, im französischen Dünkirchen und aus den Niederlanden bezogen.

Wegen des Ukrainekrieges hat Bundeskanzler Scholz kürzlich den beschleunigten Bau von zwei LNG-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven angekündigt. Als Standort im Gespräch ist auch ein Terminal in Stade. Europaweit gibt es aktuell 37 LNG-Terminals, 26 davon liegen in Mitgliedstaaten der EU.

pbe/AFP
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