Konflikt in Nordsyrien Putin und Erdogan vereinbaren neue Waffenruhe in Idlib

Die Staatschefs von Russland und der Türkei haben im Konflikt um die syrische Rebellenhochburg Idlib eine Einigung erzielt. Nach rund sechs Stunden sei ein gemeinsames Dokument entstanden, sagte Putin.
Erdogan und Putin in Moskau: Beziehungen "auf dem Höhepunkt"?

Erdogan und Putin in Moskau: Beziehungen "auf dem Höhepunkt"?

Foto: Mikhail Klimentyev/ AP

Nach mehr als sechsstündigen Gesprächen haben Russlands Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan eine Einigung im Nordsyrien-Konflikt bekannt gegeben. Man habe sich auf eine gemeinsame Erklärung und einen neuen Waffenstillstand geeinigt, sagte Putin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Moskau. Die Waffenruhe soll demnach bereits um Mitternacht in Kraft treten.

Erdogan bestätigte die Einigung und sagte, die beiden Länder wollten zusammenarbeiten, um für eine dauerhafte Waffenruhe zu sorgen. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte zudem die Einrichtung eines "Sicherheitskorridors" entlang einer wichtigen Verbindungsstraße in Idlib an. Dieser werde "sechs Kilometer tief im Norden und sechs Kilometer tief im Süden" der Route M4 etabliert. Man habe sich zudem auf gemeinsame Patrouillen ab dem 15. März in der Region geeinigt, sagte Cavusoglu.

Die M4 führt von der Regierungshochburg an der Mittelmeerküste im Westen des Landes über die Provinz Idlib in Richtung der nordsyrischen Großstadt Aleppo. Weil sie strategisch wichtig ist, verfolgen die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad das Ziel, sie unter Kontrolle zu bringen.

Ende Februar waren bei einem Luftangriff in Nordsyrien Dutzende türkische Soldaten getötet worden. Putin bestätigte zu Beginn der Gespräche mit Erdogan, dass die syrische Armee dafür verantwortlich war. Es habe sich um ein Versehen gehandelt, weitere Angriffe auf türkische Soldaten werde es nicht geben.

Erdogan hatte zu Beginn des Treffens betont, die türkisch-russischen Beziehungen seien "auf dem Höhepunkt".

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Hunderttausende auf der Flucht Richtung Türkei

Russland ist in dem Bürgerkrieg die Schutzmacht der syrischen Regierung. Die Türkei unterstützt in der Region Rebellen, darunter islamistische Gruppen. Ankara hatte 2018 mit Moskau ein Abkommen geschlossen, um in Idlib eine Deeskalationszone einzurichten. Eigentlich galt bereits eine Waffenruhe. In den vergangenen Wochen war aber das syrische Militär mit russischer Unterstützung weiter in dem Gebiet vorgerückt.

Hunderttausende Menschen sind vor syrischen und russischen Angriffen auf der Flucht in Richtung türkische Grenze. Die Türkei, die bereits Millionen syrische Flüchtlinge beherbergt, hatte mehrfach gewarnt, dass sie einen weiteren Flüchtlingszustrom nicht werde bewältigen können und wollen.

Hilfsorganisationen kommen derzeit kaum noch damit hinterher, die Menschen zu versorgen. Die Region rund um Idlib ist eines der letzten Rebellengebiete in Syrien. Nach Uno-Schätzungen halten sich aber auch rund drei Millionen Zivilisten in dem Gebiet auf.

Die türkische Regierung schloss nicht aus, auch ihre Südgrenze zu Syrien zu öffnen. Sie könnten dann auch weiter in die EU gelangen, warnte Innenminister Süleyman Soylu. "3,5 Millionen Menschen in Idlib und an den türkischen Grenzen sind derzeit in Not."

mes/Reuters/AFP/AP/dpa
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