Putsch-Chaos Frankreich droht mit Truppenabzug aus Mali

Präsident Macron will die französischen Soldaten aus Mali zurückholen, sollte der islamistische Einfluss dort zunehmen. Offen ist, was aus den Bundeswehrsoldaten in dem Land wird.
Französische Soldaten 2014 während der Opération Barkhane zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus in der Sahelzone.

Französische Soldaten 2014 während der Opération Barkhane zur Bekämpfung des islamistischen Terrorismus in der Sahelzone.

Foto: Joe Penney / REUTERS

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron droht mit dem Rückzug der französischen Truppen aus Mali, sollte sich der westafrikanische Staat nach dem jüngsten Putsch in Richtung eines radikalen Islamismus entwickeln. In Mali gebe es derzeit eine solche Tendenz, sagte Macron der Sonntagszeitung »Le Journal du Dimanche«. In dem Fall werde er die französischen Soldaten nach Hause holen.

Putschistenführer Assimi Goïta hatte sich am Freitagabend zum neuen Übergangspräsidenten ausrufen lassen. Im vergangenen August führte er einen Militärputsch, der den gewählten Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta zum Sturz brachte. Anfang der Woche zwang das Militär auch den bisherigen Interimspräsidenten Bah N'Daw und Premierminister Moctar Ouane zum Rücktritt.

Macron sagte, er habe gegenüber den westafrikanischen Staats- und Regierungschefs deutlich gemacht, dass er keine Regierung unterstützen werde, die keine demokratische Legitimität mehr habe.

Auch Bundeswehr in Mali

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich ist in dem rund 20 Millionen Einwohner zählenden Land mit mehr als 5000 Soldaten im Einsatz, um islamistischen Terrorismus zu bekämpfen. Auch die Bundeswehr hat im Rahmen von Missionen der EU und der Uno mehrere Hundert Soldaten stationiert.

Unklar ist, was mit den Bundeswehrsoldaten im Falle eines französischen Abzugs geschieht. Die EU hatte am Freitag erklärt, ihren Militäreinsatz in Mali ungeachtet der chaotischen Situation fortzusetzen. Von der Bundesregierung gab es zunächst keine Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen.

Grenzen dicht

Über die Situation in Mali beraten an diesem Sonntag westafrikanische Staatschefs der Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas bei einem Sondergipfel in Ghana. Nach dem Putsch im August 2020 hatte die Ecowas die Grenzen zu Mali geschlossen und die finanziellen Transaktionen sowie den Handelsaustausch mit dem Land gestoppt.

Die politische Situation in Mali ist seit 2012 instabil. Die meist dschihadistisch motivierte Gewalt hat in den vergangenen Jahren auch die benachbarten Länder in der Sahel-Zone erreicht.

Mit einem massiven Militäreinsatz hatte Frankreich 2013 den Vormarsch islamistischer Terrorgruppen auf Malis Hauptstadt Bamako zurückgeschlagen. Einige dieser Gruppen haben dem »Islamischen Staat« (IS) oder Al-Qaida Treue geschworen.

gro/AFP/dpa

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