Gescheiterter Putschversuch Türkisches Gericht ordnet Freilassung von 71 Militärschülern an

Ihre Unschuld wurde endlich bewiesen: 71 ehemalige Militärschüler müssen in der Türkei auf Anordnung eines Gerichts aus der Haft entlassen werden. Sie waren wegen des gescheiterten Putschversuchs verurteilt worden.
Panzer in den Straßen Ankaras: Im Juli 2016 scheiterte der Putsch in der Türkei

Panzer in den Straßen Ankaras: Im Juli 2016 scheiterte der Putsch in der Türkei

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STR/ AP

Sechs Jahre nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei sind 71 ehemalige Militärschüler freigelassen worden, die wegen Beteiligung an dem Umsturzversuch zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Die Freilassung erfolgte nach einer Entscheidung des Kassationsgerichts, wie türkische Medien am Mittwoch berichteten. Insgesamt waren nach dem Putsch gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan 355 Militärschüler festgenommen worden.

Das Kassationsgericht hob am Dienstag die Verurteilung von 116 Kadetten auf und ordnete in 71 Fällen die Freilassung an, wie der Anwalt Cemil Cicel bestätigte. Die anderen Berufungsverfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Die Angehörigen der Verurteilten hatten seit Jahren gegen die Inhaftierung der Militärschüler protestiert und argumentiert, diese hätten keine Möglichkeit gehabt, sich den Befehlen zu widersetzen. Sie seien auf Grundlage leerer Akten verurteilt worden. »Ihre Unschuld ist endlich bewiesen worden, aber sechs Jahre ihres Lebens wurden geraubt«, kritisierte der Oppositionsabgeordnete Ömer Faruk Gergerlioğlu, der die Fälle im Parlament immer wieder angesprochen hatte.

Bei dem Putschversuch waren Mitte Juli 2016 rund 250 Menschen getötet und mehr als 2000 weitere verletzt worden. Die türkische Regierung macht die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Gülen lebt seit 1999 im US-Exil und weist die Vorwürfe zurück. Die türkische Regierung wirft Gülen vor, staatliche Institutionen wie die Armee gezielt infiltriert zu haben.

Nach dem Umsturzversuch hatte die türkische Regierung ihr Vorgehen gegen die Opposition drastisch verschärft. Landesweit wurden hunderte Gerichtsverfahren in Gang gesetzt. Fast 5000 Menschen wurden dabei nach offiziellen Angaben verurteilt, knapp 3000 von ihnen zu lebenslanger Haft.

als/AFP
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