Rache nach Impeachment-Freispruch Trump feuert zwei wichtige Zeugen

Das Amtsenthebungsverfahren ist gelaufen – doch Donald Trump scheint noch Rechnungen offen zu haben. Mit Gordon Sondland und Alexander Vindman entließ er zwei Zeugen, die ihn schwer belastet hatten.
Donald Trump (mit Ehefrau Melania am 6. Februar): Geschasster Berater aus dem Weißen Haus eskortiert

Donald Trump (mit Ehefrau Melania am 6. Februar): Geschasster Berater aus dem Weißen Haus eskortiert

Foto: JOSHUA ROBERTS/ REUTERS

Donald Trumps erste Stellungnahme nach dem Freispruch im Impeachment-Verfahren war eine Abrechnung mit dem politischen Gegner und den wenigen Kritikern in den eigenen Reihen gewesen. Den harten Worten lässt der US-Präsident nun Taten folgen.

Zwei Schlüsselzeugen, die während der Impeachment-Ermittlungen gegen ihn ausgesagt hatten, wurden am Freitag (Ortszeit) von ihren Aufgaben entbunden. Er verbannte den Oberstleutnant und Ukraine-Experten Alexander Vindman aus dem Weißen Haus, wo dieser als Berater des Nationalen Sicherheitsrates tätig war. Kurz darauf sagte der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, mehreren US-Medien, ihm sei mitgeteilt worden, dass der Präsident ihn mit sofortiger Wirkung als Botschafter abberufen wolle.

Donald Trump mit Gordon Sondland (am 10. Juli 2018)

Donald Trump mit Gordon Sondland (am 10. Juli 2018)

Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP

Trump war am Mittwoch vom Senat mit der Mehrheit seiner Republikaner von den Vorwürfen des Machtmissbrauchs und der Behinderung der Kongressermittlungen freigesprochen worden. Am Donnerstag feierte er vor Kabinettsmitgliedern, hochrangigen Republikanern und Unterstützern im Weißen Haus bei einer Ansprache, dass das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn ein Ende hat.

Kurz zuvor hatte seine Sprecherin Stephanie Grisham bei Fox News gesagt, dass Trump den Anlass nutzen werde, um darüber zu sprechen, wie "entsetzlich" er behandelt worden sei - "und dass vielleicht Leute dafür bezahlen sollten".

Was sie damit gemeint haben könnte, ist seit Freitag klarer. Der 44-jährige Offizier Vindman hatte im November als Zeuge bei den Anhörungen im Zuge der Ermittlungen für ein Amtsenthebungsverfahren seine Kritik an den Aussagen Trumps bei einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kundgetan.

Das Telefonat hatte die Ermittlungen der Demokraten ins Rollen gebracht und zur Formulierung der zentralen Vorwürfe geführt: Dass Trump seinen ukrainischen Amtskollegen zu Ermittlungen gegen seinen politischen Rivalen Joe Biden ermuntert hatte, um die Präsidentschaftswahl 2020 zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

Sondland hatte ausgesagt, im Umgang mit der Ukraine auf Anordnung Trumps mit dessen persönlichem Anwalt Rudy Giuliani zusammengearbeitet zu haben. Giuliani habe ein "Quidproquo" - also eine Gegenleistung - für ein Treffen Selenskyjs mit Trump im Weißen Haus verlangt. Kiew sollte demnach im Gegenzug zunächst öffentlich Untersuchungen zum Schaden Bidens ankündigen.

Im Video: Trump teilt nach seinem Freispruch auch gegen Parteikollegen aus

DER SPIEGEL

Demokraten verurteilen den Rachefeldzug des Präsidenten

Vindmans Anwalt David Pressman erklärte in einer Mitteilung: "Der mächtigste Mann der Welt (...) hat entschieden, sich zu rächen." Vindman sei Anweisungen gefolgt, habe seinen Eid befolgt und seinem Land gedient - und habe gehen müssen, weil er die Wahrheit gesagt habe. Pressman erklärte auch, sein Mandant sei aus dem Weißen Haus "eskortiert" worden.

Der Offizier hatte seinen Rauswurf nach dem Freispruch Trumps offenbar erwartet. Vindman habe Mitarbeitern gesagt, er rechne damit, in den nächsten Wochen ins Verteidigungsministerium zurückzukehren, berichtete der Sender CNN. Planmäßig wäre er erst im Juli mit Ablauf seiner zweijährigen Berufung aus dem Nationalen Sicherheitsrat ausgeschieden, hieß es weiter.

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, kritisierte die Entscheidung des Weißen Hauses scharf: "Die beschämende Entlassung von Oberstleutnant Vindman war ein klarer und dreister Akt der Rache, der die Angst des Präsidenten vor der Wahrheit zum Ausdruck bringt." Der führende Anklagevertreter des Repräsentantenhauses, Adam Schiff, erklärte: "Das sind die Handlungen eines Mannes, der glaubt, über dem Gesetz zu stehen."

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.