Dschidda-Rennen Raketen-Angriff schockt Formel 1 in Saudi-Arabien

»Es riecht verbrannt, ist das mein Auto?«: Die jemenitischen Huthi-Rebellen haben Saudi-Arabien attackiert. Die Formel 1 hält an ihrem Rennen fest – trotz der Sorgen im Fahrerlager.
Angriff auf Dschidda

Angriff auf Dschidda

Foto: Peter J Fox / Getty Images

Sport im Krisengebiet: Der Rauchgeruch der Raketen-Attacke kroch Formel-1-Weltmeister Max Verstappen bis unter den Helm. »Es riecht verbrannt, ist das mein Auto?«, funkte der Red-Bull-Fahrer am Freitag beim ersten Training zum Grand Prix in Saudi-Arabien noch an die Box. Doch die Ursache war weit beängstigender. Jemenitische Huthi-Rebellen hatten nach eigenen Angaben in der Nähe der Strecke in Dschidda erneut eine Anlage des Ölkonzerns Aramco angegriffen, der Hauptsponsor der Rennserie ist.

Auch das saudische Staatsfernsehen bestätigte eine »feindliche Operation« von Huthi-Rebellen nahe Dschidda. Erst am vergangenen Sonntag hatten die Rebellen Angriffe gegen Saudi-Arabien mit einer Rakete und Drohnen gestartet. Dabei war auch eine Anlage von Aramco in Dschidda getroffen worden, an einem Öltank brach Feuer aus.

Die Formel-1-Spitze und die Veranstalter beteuerten nach eiligen Beratungen, die Sicherheit für das weitere Grand-Prix-Wochenende sei gewährleistet. Das Programm der Formel 1 könne wie geplant stattfinden, bekräftigte die Saudi Motorsport Company am Abend.

»Für uns alle eine sehr beunruhigende Situation«

Das hatte Formel-1-Chef Stefano Domenicali auch allen Fahrern und Teamchefs in einem kurzfristig einberufenen Treffen gesagt. »Er hat uns versichert, dass die Behörden den Vorfall untersucht haben und dass es keine weiteren Sicherheitsbedenken gibt«, sagte McLaren-Teamchef Andreas Seidl dem TV-Sender Sky. Auf diese Auskunft müsse man vertrauen. Seidl räumte aber ein, es sei »für uns alle eine sehr beunruhigende Situation«.

Auch eine größere Zahl der Piloten soll ernsthafte Sorgen um die Sicherheit geäußert haben. Wie am Samstag unter anderem die BBC und Sky UK berichteten, konnten nach stundenlangen Diskussionen bis nachts um drei Uhr auch die Fahrer vom Weiterfahren überzeugt werden. »Bereit und total fokussiert für das morgige Qualifying«, twitterte Red-Bull-Pilot Sergio Pérez nach Ende des Meetings.

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Hintergrund des Konflikts ist der Krieg im Jemen, den Saudi-Arabien gegen die Huthi-Rebellen führt. Der Krieg hat eine der größten aktuellen humanitären Katastrophen ausgelöst. Der ins Visier der Rebellen geratene saudische Energieriese Aramco ist wichtiger Geldgeber der Formel 1 und Titelsponsor des britischen Rennstalls Aston Martin, für den Sebastian Vettel fährt.

Vettel hatte am Freitag auf die Reise nach Dschidda wegen einer Coronainfektion verzichten müssen. Als Ersatz sprang wie beim Auftakt in Bahrain sein Landsmann Nico Hülkenberg ein.

Klima-Aktivistin Neubauer kritisiert Austragungsort

Die sportliche Vorbereitung auf den zweiten Saisonlauf geriet aber durch die Geschehnisse abseits der Strecke zur Nebensache. Charles Leclerc, der Ferrari in der Vorwoche zu einem Doppelerfolg geführt hatte, verwies Champion Verstappen in beiden Trainings auf Platz zwei. Für die Qualifikation am Samstag (18 Uhr, TV: Sky) sind die beiden 24-Jährigen erneut die Favoriten – zumindest unter normalen Umständen.

Saudi-Arabien gilt im Vergleich zu anderen Ländern der Region als recht sicher, auch dort kam es aber mehrfach zu Terroranschlägen. Ende 2020 hatte die Terrormiliz »Islamischer Staat« etwa einen Anschlag auf eine Zeremonie in Dschidda für sich beansprucht, bei dem zwei Menschen verletzt wurden. Bei Großveranstaltungen wie Sport-Events im Land gelten meist strenge Sicherheitsvorschriften.

Die Auswahl Saudi-Arabiens als Formel-1-Gastgeber hatte schon vor dem Debüt des Rennens im vergangenen Dezember heftige Kritik ausgelöst. Dem Königreich werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Zuletzt hatte das Land 81 Menschen an einem Tag hingerichtet.

In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur vor dem Grand Prix warf Klima-Aktivistin Luisa Neubauer der Formel 1 Inkonsequenz gegenüber Menschenrechtsverletzungen vor. »Sie ziehen den Sport auch in eine Ecke, wo er nicht sein muss, und damit auch die Fans und Sportbegeisterten«, sagte Neubauer, die einer der führenden Köpfe der Bewegung Fridays for Future ist.

Formel-1-Geschäftsführer Domenicali hatte die Berichte über die Massen-Hinrichtungen als »alarmierend« bezeichnet. Er sagte aber auch: »Der Fakt, dass wir vor Ort sind, richtet das Scheinwerferlicht auf Themen, die sonst an anderer Stelle in den Nachrichten auftauchen würden.«

dop/dpa
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