Klage gegen US-Universitäten Supreme Court befasst sich mit Auswahlverfahren in Harvard

Die Affirmative Action soll Schwarzen den Zugang zu Bildungsinstitutionen erleichtern. Konservativen ist das seit Langem ein Dorn im Auge: Weiße würden benachteiligt. Jetzt könnte der Supreme Court ihnen recht geben.
Harvard-Universität in Cambridge/Massachusetts

Harvard-Universität in Cambridge/Massachusetts

Foto: Charles Krupa / AP

Der Supreme Court der USA hat am Montag angekündigt, sich mit den Zulassungsverfahren für Studenten an Eliteuniversitäten wie Harvard zu befassen. Mit einer Entscheidung wird aber erst im Juli 2023 gerechnet.

Mehrere Gerichte hatten zuvor die Praxis einiger US-Universitäten bestätigt, Ethnie als Auswahlkriterium bei der Bewerbung um einen Studienplatz zu akzeptieren. 1978 hatte der Supreme Court in einem Grundsatzurteil Quotenregelungen bei der Studienzulassung untersagt, aber Hautfarbe und Herkunft als Kriterium zur Beurteilung von Bewerbern genehmigt. Durch die Affirmative Action soll sichergestellt werden, dass Minderheiten leichter Zugang zu höherer Bildung haben (lesen Sie hier mehr ).

Rechtsstratege Blum geht seit Jahren gegen Affirmative Action vor

Der Supreme Court hat nun entschieden, sich mit dem Berufungsverfahren der Gruppe »Students for Fair Admissions« (Studenten für eine gerechte Bewerbung) zu befassen. Hinter der Gruppe steckt der konservative Rechtsstratege Edward Blum, der schon lange versucht, die Affirmative Action zu kippen. Konkret geht es in der Klage um zwei Fälle: in der Eliteuniversität Havard und bei der Universität von North Carolina (UNC).

In den Klagen wirft Blum den Universitäten vor, Bewerber aufgrund ihrer Ethnie diskriminiert zu haben, was gegen Bundesgesetze oder die US-Verfassung verstößt. Blums Gruppe behauptete im Harvard-Fall, dass die Schule asiatisch-amerikanische Bewerber diskriminiert habe. Im UNC-Fall behauptete Blums Gruppe, dass die Politik der Universität weiße und asiatisch-amerikanische Bewerber diskriminiere.

Die Universitäten haben erklärt, dass sie die Ethnie als nur einen Faktor in einer Vielzahl individualisierter Bewertungen für die Zulassung ohne Quoten verwenden und dass die Einschränkung der Berücksichtigung der Ethnie zu einem erheblichen Rückgang der Zahl der schwarzen, hispanischen und anderen unterrepräsentierten Studenten auf dem Campus führen würde.

In der Vergangenheit hatte Blum bereits die University of Texas verklagt, weil sie angeblich weiße Studentinnen und Studenten benachteiligen soll. In dem Prozess ging es um die Studentin Abigail Fisher, der 2008 die Zulassung zum Studium verweigert worden war. Nach einem jahrelangen Prozess hatte der Supreme Court ihre Klage 2016 abgewiesen.

Biden unterstützt Harvards Position

Seit der Präsidentschaft von Donald Trump ist der Supreme Court jedoch mit einer Mehrheit von 6:3 konservativ besetzt. Sollte es tatsächlich zu einer neuen Grundsatzentscheidung kommen, die dem Urteil von 1978 widerspricht, hätte das nicht nur Auswirkungen auf Harvard, sondern auf alle US-Universitäten. Das könnte asiatischen Studierenden helfen – anderen ethnischen Minderheiten aber den Zugang zu höherer Bildung erschweren.

Die Regierung von Präsident Joe Biden unterstützt die Position der Universität Harvard und hat den Richtern mitgeteilt, dass sie diesen Fall nicht anhören sollen. Die Präzedenzfälle des Gerichts hätten »zu Recht« anerkannt, dass die Bildungsvorteile, die sich aus Diversität ergeben, ethnienbewusste Maßnahmen rechtfertigen. Bidens Vorgänger Donald Trump hatte Blums Klage gegen Harvard hingegen unterstützt.

muk/Reuters