Verhältnis zu Frankreich Erdoğan pöbelt weiter gegen Macron

Der türkische Präsident hat seinen französischen Amtskollegen erneut beleidigt. Erdoğan nannte Macron »schlecht für Frankreich«. Er hoffe, die Franzosen würden ihn »so bald wie möglich loswerden«.
Die Spannungen zwischen Recep Tayyip Erdoğan (links) und Emmanuel Macron dauern an (Archivbild von 2018)

Die Spannungen zwischen Recep Tayyip Erdoğan (links) und Emmanuel Macron dauern an (Archivbild von 2018)

Foto: LUDOVIC MARIN / AFP

Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Ankara und Paris hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erneut gegen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gewettert. Er hoffe, die Franzosen würden ihren Staatschef »so bald wie möglich loswerden«, sagte Erdoğan am Freitag. »Macron ist ein Problem für Frankreich«, erklärte er vor Journalisten in Istanbul. »Mit Macron lebt Frankreich in einer sehr gefährlichen Zeit.«

Mit Macron als Präsident sehe er keine Möglichkeit, die Protestbewegung der Gelbwesten in Frankreich loszuwerden, sagte Erdoğan weiter. »Die Gelbwesten könnten zu Rotwesten werden«, warnte er zudem, ohne näher darauf einzugehen, was er damit meinte.

»Beschimpfungen zwischen politischen Führern sind keine gute Methode«

Macron reagierte zurückhaltend auf die neuen Attacken aus Ankara. In einem Interview mit der Onlineplattform »Brut« sagte er am Freitag: »Ich glaube an den Respekt. Beschimpfungen zwischen politischen Führern sind keine gute Methode.«

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Frankreich haben sich seit dem vergangenen Jahr zunehmend verschlechtert. Auslöser waren unter anderem der Streit über Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer sowie die Kämpfe um die Kaukasus-Region Bergkarabach, wo die Türkei auf der Seite Aserbaidschans militärisch eingriff.

Frankreich scheiterte als Teil der sogenannten Minsk-Gruppe bei der Aufgabe, eine friedliche Lösung in dem Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan zu erreichen. Ein Waffenstillstand kam schließlich unter der Vermittlung Russlands zustande. Im vergangenen Monat verabschiedete der französische Senat eine nicht bindende Resolution, die die Regierung in Paris dazu auffordert, Bergkarabach als unabhängigen Staat anzuerkennen.

Spannungen verschärften sich nach islamistischen Angriffen

Erdoğan warf Frankreich daraufhin vor, es habe seine »Schlichter-Rolle« in dem Konflikt aufgegeben. Er wiederholte eine spöttische Bemerkung des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew, wonach Frankreich seine Stadt Marseille an Armenien abtreten solle, wenn es schon so darauf brenne, einen neuen Staat zu schaffen.

Die Spannungen zwischen Paris und Ankara hatten Ende Oktober ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, als Macron nach mehreren islamistischen Angriffen ein verstärktes Vorgehen gegen den »radikalen Islam« in Frankreich ankündigte.

Erdoğan empfahl Macron als Reaktion darauf, seinen »geistigen Zustand überprüfen« zu lassen. Er rief die türkische Bevölkerung zum Boykott französischer Waren auf.

mfh/AFP
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