Kritik an Erdoğan Türkei sperrt Nachrichtensender für mehrere Tage

Weil der türkische Sender Tele1 kritische Worte eines islamischen Gelehrten gegen Präsident Erdoğan und die Religionsbehörde übertrug, muss er vorübergehend sein Programm stoppen. Tele1 wirft den Behörden Zensur vor.
Recep Tayyip Erdoğan: Der türkische Staat verfolgt seit Jahren Kritiker und Oppositionelle

Recep Tayyip Erdoğan: Der türkische Staat verfolgt seit Jahren Kritiker und Oppositionelle

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Wegen kritischer Äußerungen über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und die Religionsbehörde Diyanet muss der Nachrichtensender Tele1 vorübergehend sein Programm unterbrechen. Die Sendesperre habe in der Nacht zum Donnerstag begonnen und gelte fünf Tage lang, teilte die türkische Regulierungsbehörde für den Rundfunk, RTÜK, auf Twitter mit.

Die Behörde begründete die Entscheidung mit einem angeblichen Verstoß gegen den Grundsatz, dass Sendungen keinen Hass und Feindseligkeiten schüren dürften. Sechs von neun RTÜK-Mitgliedern sind Politiker der regierenden islamisch-konservativen AKP oder der mit ihr verbündeten ultranationalistischen MHP.

Nach Angaben des Oppositionspolitikers und RTÜK-Mitglieds Okan Konuralp sei die Entscheidung wegen zweier Fernsehsendungen gefallen, in denen ein islamischer Gelehrter dem türkischen Präsidenten und der Religionsbehörde Diyanet vorwarf, Moscheen zu politisieren und eine Theokratie zu etablieren. Darauf habe die Religionsbehörde mit einer Beschwerde reagiert.

Oppositionspolitiker: "Die Regierung lässt so kritische Stimmen verstummen"

Zwar sei man gegen die Entscheidung juristisch vorgegangen, das Gericht habe letztendlich aber für die Abschaltung gestimmt, so Konuralp. "Die Regierung lässt so kritische Stimmen verstummen", sagte der CHP-Politiker.

Unter dem Hashtag Tele1Susturulamaz (übersetzt: Tele1 kann nicht zum Schweigen gebracht werden) protestierten Menschen in den sozialen Medien gegen die Entscheidung, darunter auch viele Politiker der Opposition. Auf dem offiziellen Twitterkanal des Fernsehsenders hieß es in einem Post : "Die Türkei wird diese Zensur nicht vergessen!"

Netflix soll Komödiendrama aus dem Programm nehmen

Ebenfalls am Donnerstag forderte die Behörde das Streamingportal Netflix dazu auf, das französische Komödiendrama "Mignonnes" aus dem Programm zu nehmen, weil die Inhalte potenziell zu Kindesmissbrauch führen könnten. Laut Netflix erzählt die Produktion die Geschichte einer Elfjährigen, die sich gegen ihre konservative Familie auflehnt. Der Film sollte am 9. September veröffentlicht werden.

mes/dpa
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