Umstrittener Diplomat Richard Grenell tritt als US-Botschafter in Berlin zurück

Als Diplomat in Deutschland eckte Richard Grenell oft an. Jetzt hat der US-Botschafter seinen erwarteten Rückzug vollzogen. Künftig könnte er für Donald Trump noch wichtiger werden.
Richard Grenell 2018 bei seiner Akkreditierung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue

Richard Grenell 2018 bei seiner Akkreditierung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue

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Bernd von Jutrczenka/ dpa

Richard Grenell ist als Botschafter in Berlin zurückgetreten. Seinen Posten habe vorübergehend die Stellvertreterin Robin Quinville übernommen, sagte Botschaftssprecher Joseph Giordono-Scholz der Nachrichtenagentur dpa. Schon vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass Grenell seinen Botschafterposten in Berlin räumen will, deutlich vor der US-Wahl im November.

Im politischen Berlin hatte sich Grenell kaum Freunde gemacht. Sein bester Kontakt in die Bundesregierung ist Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Im Auswärtigen Amt und im Kanzleramt kam seine Amtsführung dagegen nicht besonders gut an. Aus der Opposition kamen sogar vereinzelt Forderungen, ihn zur "unerwünschten Person" zu erklären und damit quasi auszuweisen.

Grenell gilt als extrem loyal zu Trump - folgt der Wechsel ins Wahlkampfteam?

Denn als Botschafter in Berlin sah Grenell seine Aufgabe darin, die Politik Trumps in Deutschland und Europa offensiv zu vertreten - auf unkonventionelle, eher undiplomatische Weise. Was er nun vorhat, ist unklar. Es wird spekuliert, dass er ins Wahlkampfteam Trumps wechseln könnte. Grenell gilt als extrem loyal zum US-Präsidenten und rühmt sich immer wieder seines engen Kontakts ins Weiße Haus. Auf Twitter postet er gern Bilder mit dem Präsidenten in der Air Force One oder teilt mit, dass er gerade mit ihm telefoniert habe.

Grenell war im Februar überraschend von US-Präsident Donald Trump nach Washington berufen worden, um kommissarisch den Posten des Geheimdienstkoordinators zu übernehmen. Hintergrund war, dass der bis dahin geschäftsführende Koordinator Joseph Maguire bei Trump in Ungnade gefallen war und zurücktrat, weswegen eine schnelle Zwischenlösung gefunden werden musste.

Nun ist aber ein neuer, permanenter Koordinator für die 17 Geheimdienste gefunden: Am vergangenen Donnerstag bestätigte der Senat den Kongressabgeordneten John Ratcliffe. Der umstrittene Republikaner soll am kommenden Dienstag vereidigt werden.

Nach Angaben des Botschaftssprechers soll Grenell aber US-Sondergesandter für Serbien und den Kosovo bleiben. Dieser Posten ist nicht beim Außenministerium, sondern beim Weißen Haus angesiedelt.

höh/mes/dpa/AFP
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