Eltern von Roman Protassewitsch appellieren an Merkel »Bitte stoppen Sie Lukaschenko«

Die Eltern des inhaftierten belarussischen Oppositionellen Roman Protassewitsch haben Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe gebeten. Jede weitere Stunde koste Unschuldige das Leben.
Natalia und Dmitri Protassewitsch: Eltern des belarussischen Bloggers flehen um Hilfe

Natalia und Dmitri Protassewitsch: Eltern des belarussischen Bloggers flehen um Hilfe

Foto: Doris Heimann / dpa

Mit einem emotionalen Appell haben sich die Eltern des belarussischen Regierungskritikers Roman Protassewitsch an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. Seine Mutter bat Merkel darum, sich für die Freilassung ihres Sohnes und anderer in dem Land Gefangener einzusetzen. »Wir bitten Sie sehr, uns zu helfen, damit alle Unschuldigen aus den Gefängnissen freikommen«, sagte Natalia Protassewitsch via »Bild«-Zeitung. »Sie brauchen dringend Hilfe, weil sie täglich Sadismus und Gewalt ausgesetzt sind.«

Sie forderte, dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko Einhalt zu gebieten. »Jeder weitere Tag, nein, jede weitere Stunde, die vergeht, kostet Unschuldigen, darunter Kindern, das Leben.« Die Mutter und auch der Vater des inhaftierten Oppositionellen appellierten an Merkel: »Bitte stoppen Sie Lukaschenko.«

Protassewitschs Eltern waren selbst vor zehn Monaten nach Polen geflohen, weil sie wegen der Arbeit ihres Sohnes in Belarus bedroht wurden.

Eltern befürchten Folter ihres Sohnes

Vor knapp drei Wochen hatten die belarussischen Behörden eine Ryanair-Passagiermaschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen und den an Bord befindlichen Regierungskritiker Protassewitsch und dessen Freundin Sofia Sapega festgenommen. Die Aktion sorgte international für Empörung. Die EU verhängte daraufhin erneut Sanktionen gegen die ehemalige Sowjetrepublik.

Belarus hatte als Grund für die erzwungene Landung eine Bombendrohung genannt. Die Bombendrohung stellte sich später als falsch heraus.

Der Vater des Bloggers, Dmitri Protassewitsch, sagte der »Bild«, ihre Briefe würden ihrem Sohn nicht zugestellt. »Auch seine Anwältin kann mit uns nicht frei am Telefon reden«, sagte er. »Stattdessen wurden von der Staatsmacht schon zwei Videos veröffentlicht, in denen er erzwungene Geständnisse ablegt.«

Dabei sehe man deutliche Folterspuren. Die Nase seines Sohnes sei schief. Sie sei wahrscheinlich gebrochen. Am Hals habe er blaue Flecken. »Eine Expertin sagte uns, dass das Würgemale seien«, sagte der Vater von Protassewitsch.

Vergangene Woche strahlte das belarussische Staatsfernsehen ein augenscheinlich erzwungenes Interview mit dem 26-jährigen Journalisten aus. Protassewitsch bekennt sich darin dazu, zu Protesten aufgerufen zu haben. Auch lobt er den belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko, bevor er in Tränen ausbricht.

Von Sofia Sapega wurde Ende Mai von einem regimetreuen Kanal auf dem Messengerdienst Telegram ebenfalls ein Video veröffentlicht. Darin erklärte Sapega, Redakteurin eines oppositionellen Telegram-Kanals zu sein, der persönliche Daten von Mitgliedern des belarussischen Sicherheitsapparats veröffentlicht. Es gibt mehrere Anzeichen dafür, dass sie für die Aufnahme unter Druck gesetzt worden war.

Am Donnerstag hatte das Europäische Parlament weitere Sanktionen gegen Belarus gefordert. Strafmaßnahmen solle es etwa gegen die Rohölverarbeitung und weitere Industriesparten geben. Schon seit vergangenem Samstag dürfen belarussische Fluggesellschaften nicht mehr in den Luftraum der EU fliegen.

mmq/dpa/AFP
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