Ruanda Oppositioneller und Musiker Kizito Mihigo in Haft gestorben

Einer der bekanntesten Oppositionellen in Ruanda ist tot: Musiker Kizito Mihigo soll sich nach drei Tagen U-Haft in seiner Zelle getötet haben. Erst 2018 hatte Präsident Kagame ihn begnadigt.
Tod nach drei Tagen in U-Haft: Kizito Mihigo, hier bei seiner Freilassung aus dem Gefängnis im Jahr 2018

Tod nach drei Tagen in U-Haft: Kizito Mihigo, hier bei seiner Freilassung aus dem Gefängnis im Jahr 2018

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JEAN BIZIMANA/ REUTERS

Der ruandische Oppositionelle Kizito Mihigo ist mit 38 Jahren in einer Haftzelle gestorben.

Seinen Tod teilten die Polizeibehörden Ruandas am Montag in Kigali mit. Mihigo, der zur Volksgruppe der Tutsi gehört und Überlebender des Völkermords von 1994 ist, soll sich den Polizeiangaben zufolge in den frühen Morgenstunden das Leben genommen haben.

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Die offizielle Darstellung dürfte mit Skepsis aufgenommen werden. Die Regierung von Langzeitpräsident Paul Kagame sieht sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, ihre Kritiker mundtot zu machen.

Mihigo war wegen einer Verschwörung zum Umsturz und zur Ermordung Kagames 2014 verhaftet und 2015 zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden.

2018 wurde der Aktivist und beliebte Musiker von Präsident Kagame begnadigt. Erst in der vergangenen Woche wurde er erneut verhaftet, weil er angeblich nach Burundi absetzen und sich dort dem bewaffneten Kampf gegen Ruanda anschließen wolle.

In der schriftlichen Mitteilung der Polizei zum Tod des Oppositionellen hieß es, man habe ihn "drei Tage in einer Polizeizelle festgehalten, um zu klären, warum er illegal die Grenze übertreten hat und wegen einer Bestechung".

Human Rights Watch kritisiert Häufigkeit mysteriöser Tode

Für die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sagte deren Vertreter Lewis Mudge, es passiere "zu häufig, dass sensible Fälle in Ruanda mit einem mysteriösen Tod oder einem Verschwinden enden".

Mihigo hatte vor wenigen Wochen ein Lied mit dem Titel "Die Bedeutung des Todes" veröffentlicht, dessen Text von manchen als Abweichung von der offiziellen Darstellung der Geschehnisse des systematischen Völkermords der Hutu an mehr als 800.000 Menschen im Jahr 1994 verstanden wurde.

Mihigo war 1998 gemeinsam mit der Oppositionsführerin Victoire Ingabire begnadigt worden. Ingabire hatte im vergangenen Jahr das Verschwinden und den Tod mehrerer Mitglieder ihrer Oppositionsbewegung zu verkraften.

In einem Interview sagt sie dem SPIEGEL, Unglücke oder Morde würden von den ruandischen Behörden meist schnell und gründlich aufgeklärt. "Bei unseren Toten, die zur Opposition gehören, ist das nicht passiert. Die Vorfälle sind für mich ein Versuch, uns einzuschüchtern."

cht/Reuters/AP
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