Paul Rusesabagina vor Gericht Prozess gegen Held aus »Hotel Ruanda« hat begonnen

Paul Rusesabagina rettete in den Neunzigerjahren Hunderte Menschen vor dem Völkermord in Ruanda. Ein Hollywood-Film machte ihn berühmt, er wurde international gefeiert. Nun steht der Ex-Hotelier in Kigali vor Gericht.
Paul Rusesabagina (rechts) im Gerichtssaal in Kigali

Paul Rusesabagina (rechts) im Gerichtssaal in Kigali

Foto: CLEMENT UWIRINGIYIMANA / REUTERS

In Ruandas Hauptstadt Kigali hat der Prozess gegen Paul Rusesabagina begonnen. Der ehemalige Hotelmanager muss sich in seinem ostafrikanischen Heimatland vor Gericht verantworten.

Rusesabagina wurde durch den Hollywood-Film »Hotel Ruanda« bekannt. Darin wird erzählt, wie der Hotelmanager, gespielt von Don Cheadle, während des Völkermords in Ruanda 1994 etwa 1200 Menschen das Leben rettete. Damals wurden mehr als 800.000 Menschen getötet. International wurde Rusesabagina als Held gefeiert, US-Präsident George W. Bush überreichte ihm 2005 die Presidential Medal of Freedom.

Im Lauf der Jahre wurde Rusesabagina zu einem Kritiker des heutigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame und ging ins Exil.

Im Prozess wird Rusesabagina unter anderem die Gründung einer bewaffneten Gruppe und Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe vorgeworfen. Seine Unterstützer werfen der Regierung von Kagame hingegen vor, ihn nun zum Schweigen bringen zu wollen.

Wegen seiner belgischen Staatsbürgerschaft sollte der 66-Jährige nach Belgien ausgeliefert werden und dort »einen fairen Prozess« bekommen, sagte Rusesabaginas Anwalt Gatera Gashabana. Auch der Angeklagte selbst betonte: »Ich bin kein ruandischer Staatsbürger, ich bin belgischer Staatsbürger.« Die Staatsanwaltschaft argumentiert dagegen, dass er beide Staatsangehörigkeiten innehabe und somit von beiden Staaten angeklagt werden könne. Das Verfahren wurde auf den 26. Februar vertagt.

Human Rights Watch spricht von einem »erzwungenen Verschwinden«

Rusesabagina leitete im Exil die oppositionelle Ruandische Bewegung für Demokratischen Wandel (MRCD) und sagte bereits vor Gericht, dass er den bewaffneten Flügel, die Nationale Befreiungsfront (FLN), mitgegründet habe. Dieser hat tödliche Angriffe in Ruanda für sich beansprucht. Neben Rusesabagina sind in diesem Verfahren auch 20 mutmaßliche FLN-Kämpfer angeklagt.

Es wird indes befürchtet, dass Rusesabagina kein faires Verfahren erhalten wird. Der 66-Jährige wurde nach eigenen Angaben in Dubai von ruandischen Behörden entführt, um vor Gericht gestellt werden zu können. Auch Human Rights Watch  spricht von »erzwungenem Verschwinden«.

Kagame war maßgeblich am Ende des Genozids beteiligt und ist seitdem an der Macht. Seit 2000 ist er Präsident. Er hat für Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt. Allerdings hat er Meinungs- und Pressefreiheit derart unterdrückt, dass politische Opposition und Kritik an der Regierung kaum möglich sind.

asa/dpa
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