Gespräche mit Kiew und Moskau Türkei verhandelt angeblich über Exportkorridor für Getreide aus der Ukraine

Mehrere Millionen Tonnen Getreide können nicht aus der Ukraine exportiert werden, weil Russland Häfen blockiert. Laut der Nachrichtenagentur Reuters bemüht sich die Türkei nun um eine diplomatische Lösung.
Dieses Getreidelager im ukrainischen Tscherkaska Losowa wurde durch Beschuss beschädigt

Dieses Getreidelager im ukrainischen Tscherkaska Losowa wurde durch Beschuss beschädigt

Foto: John Moore / Getty Images

Bei den Verhandlungen über die Blockade der ukrainischen Getreideexporte vonseiten Russlands gibt es anscheinend einen neuen Player. Ankara verhandele aktuell mit Moskau und Kiew über die Errichtung eines Korridors für Getreideexporte über türkisches Territorium, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag unter Berufung auf einen hohen türkischen Beamten.

Auf Getreideexporte aus der Ukraine sind Millionen Menschen auf der ganzen Welt angewiesen. Doch weil Russland die ukrainischen Schwarzmeerhäfen blockiert, können mehr als 20 Millionen Tonnen Korn derzeit das Land nicht verlassen. Es droht eine Lebensmittelkatastrophe, vor allem in ärmeren Ländern in Afrika und Asien. Auf Russland und die Ukraine entfällt fast ein Drittel der weltweiten Weizenlieferungen.

»Die Türkei verhandelt sowohl mit Russland als auch mit der Ukraine über die Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine«, zitiert Reuters den anonymen Beamten. »Es besteht ein Bedarf, dass dieses Getreide die Zielmärkte erreicht. Die Verhandlungen sind noch im Gange«, fügte die Person hinzu.

Die Türkei hatte bereits bei vergangenen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine die Vermittlerrolle eingenommen. Mehrere Gespräche zwischen hochrangigen Diplomaten aus Kiew und Moskau fanden in der Türkei statt.

Russland will Exporte an Aufhebung von Sanktionen knüpfen

Der russische Vizeaußenminister Andrej Rudenko hatte am Mittwoch der vergangenen Woche erklärt, Moskau sei bereit, im Gegenzug für die Aufhebung einiger westlicher Sanktionen einen Korridor für Schiffe mit Lebensmitteln bereitzustellen: »Wenn unsere Partner eine Lösung erreichen wollen, dann müssen auch die Probleme gelöst werden, die mit einer Aufhebung jener Sanktionen verbunden sind, die auf den russischen Export gelegt wurden«, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Für die aktuelle Lebensmittelkrise machte Rudenko die EU und die USA verantwortlich, »die einen normalen freien Handel verhindern, darunter auch mit Lebensmitteln, einschließlich Weizen, Dünger und anderer Dinge«.

Britische Außenministerin: Putin erpresst die Welt

Die britische Außenministerin Liz Truss warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, durch die Hafenblockade die Welt zu erpressen. Es sei entsetzlich, wie Putin Hunger und Nahrungsmangel unter den ärmsten Menschen der Welt als Waffe einsetze, sagt sie bei einem Besuch in Bosnien. »Das dürfen wir einfach nicht zulassen. Putin muss die Blockade des ukrainischen Getreides aufheben.« Rudenkos Tauschvorschlag lehnte Truss ab: »Was wir nicht haben können, ist eine Aufhebung der Sanktionen, eine Beschwichtigung, die Putin langfristig nur stärker macht«, sagte sie.

col/Reuters