Proteste gegen den Krieg Russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina kurzzeitig festgenommen – an ihrem 80. Geburtstag

Tausende Menschen wurden an diesem Sonntag in Russland festgenommen, weil sie gegen den Krieg in der Ukraine protestierten. Darunter war auch die bekannte Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina.
Die russische Bürgerrechtlerin Swetlana Gannuschkina, aufgenommen 2011 in Moskau

Die russische Bürgerrechtlerin Swetlana Gannuschkina, aufgenommen 2011 in Moskau

Foto:

Vasily Maximov / AFP

Die russischen Behörden gehen derzeit massiv gegen Menschen vor, die sich kritisch zum Krieg in der Ukraine äußern. Wie der SPIEGEL erfuhr, wurde in diesem Zusammenhang auch die Menschenrechtsaktivistin und Trägerin des alternativen Nobelpreises, Swetlana Gannuschkina, heute in Moskau festgenommen. Sie war auf dem Weg zum Roten Platz, um dort gegen den Krieg in der Ukraine zu demonstrieren. Beim Betreten der U-Bahnstation wurde sie jedoch von Beamten verhaftet und zur einer Polizeiwache gebracht.

Dem SPIEGEL sagte Gannuschkina, dass ihr vorgeworfen werde, am 27. Februar an einer »nicht erlaubten öffentlichen Aktion« teilgenommen zu haben. Tatsächlich wollte sie am 27. Februar an einer Demonstration gegen das Verbot der Menschenrechtsorganisation Memorial teilnehmen, sowie Blumen an der Brücke niederlegen, auf der am 27. Februar 2015 der Politiker Boris Nemzow erschossen wurde. Die Mahnwache fand laut Gannuschkina jedoch gar nicht statt.

Oleg Orlow, Leiter des Rechtszentrums vom Menschenrechtszentrum Memorial, wurde laut Gannuschkina ebenfalls festgenommen. Ihm werfen die Behörden dasselbe Vergehen vor. Er war bereits auf der Demonstration auf dem Roten Platz, als ihn Beamte mitnahmen. Er trug ein Transparent mit der Aufschrift »Für die die friedliche Ukraine und das freie Russland«, so Gannuschkina.

Festnahmen im ganzen Land

Sowohl Gannuschkina als auch Orlow wurden nach einigen Stunden wieder freigelassen, Termine für Gerichtsverhandlungen wurden festgelegt. Im Falle von Swetlana Gannuschkina wird das der 15. März sein. Ihr drohen eine Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit.

In ganz Russland gab es heute zahlreiche Festnahmen von Demonstranten und Regimekritikern. Allein in der zentralrussischen Großstadt Nowosibirsk wurden mindestens 230 Menschen bei Protesten gegen den Krieg festgenommen. Im östlich von Nowosibirsk gelegenen Krasnojarsk gab es laut der Menschenrechtsorganisation OVD-Info mindestens 83 Festnahmen, aus Jekaterinburg wurden 88, aus Irkutsk 63, aus Wladiwostok 21 und aus Perm mindestens 43 Festnahmen gemeldet. Insgesamt ist von rund 3000 Betroffenen in 44 Städten die Rede.

Swetlana Gannuschkina wurde am 6. März 1942 in Moskau geboren und ist studierte Mathematikerin. Seit 1988 engagiert sie sich als Menschenrechtlerin. Sie half armenischen und aserbaidschanischen Kriegsgefangenen in die Freiheit, engagierte sich für Kriegsflüchtlinge aus Tschetschenien und Inguschetien. Sie ist Mitbegründerin und Vorsitzende des Komitees »Ziviler Beistand«. Für Memorial gründete sie das Zentrum »Migration und Recht«, in dem Flüchtlinge juristischen Rat und Beistand einholen können. In Prozessen vor russischen Gerichten und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verhinderte sie die Zwangsrückführung von Migranten aus Russland in zentralasiatische Länder, in denen ihnen Haft und Folter gedroht hätten.

xvc
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.