Ukraine-News am Montag US-Regierung will Russlands »Kriegsmaschinerie« zerlegen

Die USA wollen Russlands Rüstungsindustrie mit Sanktionen und Exportkontrollen empfindlich schwächen. Und: Kiews Bürgermeister hält einen russischen Angriff mit Atomwaffen für möglich. Die News am 18. April.
Die US-Regierung will die russische Rüstungsindustrie durch Sanktionen schwächen

Die US-Regierung will die russische Rüstungsindustrie durch Sanktionen schwächen


Foto: Britta Pedersen / dpa
Das Wichtigste in Kürze
  • Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk und der frühere Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) streiten über die deutsche Russlandpolitik. Beide werfen sich gegenseitig Bösartigkeit vor.

  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisiert jedes Zögern bei Waffenlieferungen für sein Land. Angesichts einer erwarteten neuen Offensive russischer Truppen seien Verzögerungen »eine Erlaubnis für Russland, das Leben von Ukrainern zu nehmen«. Selenskyj nannte keine Länder beim Namen. In Deutschland streitet die Ampel-Koalition über die Lieferung schwerer Waffen.

  • Raketenangriff auf die westukrainische Stadt Lwiw: Laut ukrainischen Angaben sind durch Raketenbeschuss mindestens sieben Menschen gestorben, mehrere weitere wurden verletzt. Die Ukraine machte Russland für den Angriff verantwortlich. Am Abend bestätigte Moskau den Angriff.

  • Das russische Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben über Nacht 315 Ziele durch Artilleriebeschuss getroffen. Demnach wurden dabei auch ukrainische Jets, Drohnen und Militärdepots getroffen.

  • Russland hat seine erwartete Offensive im Osten der Ukraine begonnen, heißt es aus Kiew. Anzeichen für den Start der Offensive gebe es insbesondere in den Gebieten Charkiw und Donezk.

  • Die Kämpfe um die belagerte Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine dauern weiter an. Ukrainische Truppen reagierten nicht auf ein Ultimatum der russischen Angreifer.

  • Deutsche Arbeitgeber und Gewerkschaften warnen gemeinsam vor einem Importstopp von russischem Gas.

Biden plant trotz Selenskyjs Appell keinen Besuch in Ukraine

Plant keinen Besuch in der Ukraine: US-Präsident Joe Biden

Plant keinen Besuch in der Ukraine: US-Präsident Joe Biden

Foto: LEAH MILLIS / REUTERS

23.43 Uhr: US-Präsident Joe Biden plant trotz eines Appells des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj derzeit keinen Besuch in der Ukraine. Es gebe keine solchen Pläne, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, in Washington. Die US-Regierung konzentriere sich darauf, dem von Russland angegriffenen Land militärische Ausrüstung zukommen zu lassen. Falls ein Regierungsmitglied in die Ukraine reise, werde dies aus Sicherheitsgründen auch erst nach der Ankunft mitgeteilt.

Russland verstärkt nach US-Angaben Militär im Osten und Süden der Ukraine

22.59 Uhr: Russland verstärkt nach Einschätzung der US-Regierung seine Truppen im Osten und Süden der Ukraine deutlich. In den vergangenen Tagen seien mehr als zehn sogenannte taktische Kampfverbände dorthin verlegt worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby. Das russische Militär fliege zudem mehr Luftangriffe im Donbass und auf die Hafenstadt Mariupol.

Ukrainisches Regiment in Mariupol fordert Korridor für Zivilisten

22.41 Uhr: In der belagerten Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine hat das Regiment »Asow« gefordert, einen Korridor für die Evakuierung von Zivilisten einzurichten. Kommandeur Denys Prokopenko sagte in einer Videobotschaft, das Gelände des Stahlwerks Asovstal werde von russischen Truppen mit Artillerie, bunkerbrechenden Bomben und Raketen angegriffen. Dazu wurden Bilder gezeigt – anscheinend aus einem Bombenschutzkeller auf dem Werksgelände mit Frauen und Kindern neben aufgehängter Wäsche zwischen Doppelstockbetten.

Prokopenko forderte alle »zivilisierten Länder« auf, für die sofortige Evakuierung und den Schutz von Zivilisten und verwundeten Soldaten zu sorgen. Auch die Leichen von Soldaten sollten aus dem Werk herausgebracht werden.

Selenskyj: »Schlacht von Donbass« hat begonnen

22.26 Uhr: Die russischen Truppen haben mit dem erwarteten Angriff auf die Region Donbass begonnen, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. »Wir können jetzt sagen, dass die russischen Kräfte mit der Schlacht von Donbass begonnen haben, auf die sie sich lange vorbereitet haben«, erklärt Selenskyj in einer Videobotschaft.

Ukraine übergibt Fragebogen zu EU-Beitritt

21.18 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Fragebogen für einen EU-Beitritt seines Landes dem Botschafter der Europäischen Union in Kiew überreicht. Dies teilte Botschafter Matti Maasikas auf Twitter mit. Es sei ein »weiteren Schritt der Ukraine auf dem Weg in die EU«.

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US-Regierung will Russlands »Kriegsmaschinerie« zerlegen

21.08 Uhr: Die USA wollen Russlands Rüstungsindustrie weiter unter Druck setzen. »Die nächste Phase unserer Arbeit wird darin bestehen, Russlands Kriegsmaschinerie Stück für Stück zu zerlegen, indem wir den militärisch-industriellen Komplex und seine Lieferkette zerstören«, kündigte Vize-Finanzminister Wally Adeyemo an.

Mithilfe weiterer Sanktionen und Exportkontrollen solle verhindert werden, dass das russische Militär seine Vorräte aufstocke. Die Strafmaßnahmen zielten daher besonders auf Schlüsselsektoren wie Luft- und Raumfahrt und Elektrotechnik.

Mehr als 300 Brücken und 8000 Kilometer Straße beschädigt

20.33 Uhr: Die russische Invasion hat nach ukrainischen Angaben bislang bis zu 30 Prozent der ukrainischen Infrastruktur beschädigt oder zerstört. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Schäden beliefen sich auf eine Summe von etwa 100 Milliarden Dollar, sagte demnach Infrastruktur-Minister Oleksander Kubrakow.

Mehr als 300 Brücken an Nationalstraßen seien zerstört oder beschädigt, mehr als 8000 Kilometer Straße müssten repariert oder erneuert werden. Zudem seien dutzende Brücken des Bahnverkehrs gesprengt worden. Er erwarte, dass westliche Länder die Ukraine beim Wiederaufbau unterstützen, so der Minister.

US-Regierung ohne Hinweise auf Atomwaffen auf »Moskwa«

20.24 Uhr: Das gesunkene russische Kriegsschiff »Moskwa« hatte nach Einschätzung der US-Regierung keine Atomwaffen an Bord. »Wir haben keine Hinweise darauf, dass sich zum Zeitpunkt des Untergangs Atomwaffen an Bord der ›Moskwa‹ befanden«, sagte ein hoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Zum Schicksal der Besatzung machte er keine genauen Angaben. Es gebe Hinweise darauf, dass einige Matrosen überlebt hätten. Es habe aber sehr wahrscheinlich auch Todesopfer gegeben.

EU prangert »willkürliche« russische Angriffe auf zivile Ziele an

Verurteilt »willkürliche« Bombenangriffe Russlands in der Ukraine: EU-Außenbeauftragter Josep Borrell

Verurteilt »willkürliche« Bombenangriffe Russlands in der Ukraine: EU-Außenbeauftragter Josep Borrell

Foto: KENZO TRIBOUILLARD / AFP

20.04 Uhr: Die Europäische Union hat »willkürliche« Bombenangriffe Russlands in der Ukraine angeprangert. »Die EU verurteilt die fortgesetzten willkürlichen und illegalen Bombardements auf Zivilisten und zivile Infrastruktur durch die russischen Streitkräfte«, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell. Die Kriegsverbrechen dürften nicht ungestraft bleiben.

Die Angriffe auf Lwiw und andere Städte der Westukraine verdeutlichten, »dass kein Teil des Landes von den sinnlosen Angriffen des Kremls verschont bleibt«, erklärte Borrell. Wahllose Angriffe auf Großstädte führten zu einer »Zerstörung zivilen Lebens und ziviler Infrastruktur«.

Russland meldet Zerstörung von großem Waffenlager nahe Lwiw

19.57 Uhr: Die russische Armee hat nach eigenen Angaben in der Nähe der westukrainischen Stadt Lwiw ein großes Waffendepot zerstört, in dem aus dem Westen gelieferte Waffen gelagert worden sein sollen. Russische Flugzeuge hätten am Montagmorgen einen Angriff auf ein Logistikzentrum der ukrainischen Streitkräfte ausgeführt, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow.

USA wollen ukrainisches Militär im Umgang mit Haubitzen trainieren

19.02 Uhr: Die USA wollen das ukrainische Militär im Umgang mit Haubitzen ausbilden. Das Training solle in den kommenden Tagen beginnen und außerhalb der Ukraine stattfinden, sagte ein hoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Es handele sich dabei um ein »Train-the-Trainer-Programm«, bei dem ukrainische Ausbilder von den USA angelernt würden.

Kiew: Russland beginnt Offensive im Osten

18.42 Uhr: Russland hat nach Angaben des ukrainischen Generalstabs mit der erwarteten Offensive im Osten des Nachbarlands begonnen. »Es werden Anzeichen des Beginns der Offensive in der östlichen Operationszone festgestellt«, teilte der Generalstab in Kiew mit. Hervorgehoben wurden dabei die Gebiete Charkiw und Donezk. Von Isjum im Gebiet Charkiw aus werden demnach Vorstöße in Richtung Barwinkowe und Slowjansk im Donezker Gebiet erwartet.

Auch der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, sprach von russischen Angriffen. »Gerade ist die Kontrolle über die Stadt Kreminna verloren gegangen. Es finden Straßenkämpfe statt.« Es sei keine Evakuierung der Kleinstadt mehr möglich. »Jede Stunde verschlechtert sich die Situation.« In Kreminna sollen von 18.000 Einwohnern vor dem Krieg noch etwa 4000 ausharren. Schwere Kämpfe gebe es auch um die Städte Rubischne und Popasna.

Putin verleiht Ehrentitel an Brigade nach Gräueltaten in Butscha

18.32 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin hat jener Brigade, der die Ukraine »Kriegsverbrechen« und massenhafte Tötungen in der Stadt Butscha vorgeworfen hat, einen Ehrentitel verliehen. Putin unterzeichnete nach Angaben des Kreml ein Dekret, mit dem die 64. motorisierte Infanteriebrigade den Ehrentitel einer »Garde« erhält. Die Auszeichnung wird mit »Heldentum und Tapferkeit, Entschlossenheit und Mut« der Mitglieder begründet. Lesen Sie hier die ausführliche Meldung.

Vor deutscher Botschaft in Estland: Protest mit nachgestellten Szenen aus Butscha

18.27 Uhr: In Estlands Hauptstadt Tallinn haben ein Dutzend Menschen vor der deutschen Botschaft mehr westliche Hilfe für die Ukraine verlangt. Die Demonstranten stellten Szenen aus dem Kiewer Vorort Butscha nach, wo nach dem Abzug der russischen Truppen Hunderte getöteter Zivilisten entdeckt worden waren. Dazu legten sie sich mit hinter dem Rücken gefesselten Händen und schwarzen Plastiktüten über dem Kopf vor die Botschaft. Auch vor der französischen Vertretung kam es zu Protesten. So sollen Deutschland und Frankreich zu härteren Schritten gegen Russland bewegt werden.

Prinz Harry begrüßt Ukraine-Team bei Invictus Games: »Sie hier zu haben, ist wirklich außergewöhnlich«

16.55 Uhr: Bei seinem Besuch bei den Invictus Games in Den Haag hat Prinz Harry dem Team aus der Ukraine besonderen Respekt gezollt. Die Mehrheit des Teams habe in der Heimat in irgendeiner Form gedient, sagte der 37-Jährige in einem Interview mit der BBC. Sie hätten ihre Uniformen gegen Teamkleidung getauscht, seien in den Reisebus gesprungen und mit besonderer Erlaubnis ihres Präsidenten hergekommen.

Prinz Harry und seine Frau Meghan bei den Invictus Games in Den Haag

Prinz Harry und seine Frau Meghan bei den Invictus Games in Den Haag

Foto: Aaron Chown / dpa

»Sie hier zu haben, ist wirklich außergewöhnlich«, sagte Harry, der die paralympischen Wettbewerbe für kriegsversehrte Soldatinnen und Soldaten einst ins Leben gerufen hat. Leider sei das Team aus der Ukraine nicht vollständig, vier Mitglieder hätten es nicht geschafft. So sei etwa der Trainer im Bogenschießen bei der Verteidigung seines Landes ums Leben gekommen, erzählte Harry. »Es führt einem wirklich vor Augen, was gerade in Europa passiert.«

Proteste gegen Ukrainekrieg bei Ostermärschen

16.33 Uhr: Mehrere Tausend Menschen haben sich bundesweit an den diesjährigen Ostermärschen beteiligt. Allein am Ostermontag gab es nach Angaben der Organisatoren in etwa 30 Städten Aktionen, darunter in Frankfurt am Main, Dortmund, Büchel, Nürnberg, Hamburg und Wilhelmshaven. Die Kundgebungen richteten sich vor allem gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die geplanten Milliardenausgaben für die Bundeswehr.

Einige Forderungen der Friedensbewegung sorgten diesmal vorab für Diskussionen. Das Motto »Frieden schaffen ohne Waffen« sei aktuell eine Arroganz gegenüber den Menschen in der Ukraine, sagte der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) dem Bayerischen Rundfunk. »Pazifismus auf Kosten anderer ist zynisch.«

Die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann verteidigte die Friedensdemonstrationen. Es sei nicht gerecht, Menschen, die sich seit Jahrzehnten für Frieden einsetzten, vorzuwerfen, sie stünden auf der Seite Russlands, sagte die Theologin dem Sender NDR Info. Mehr Waffenlieferungen würden auch aus ihrer Sicht nicht zu einem Ende des Krieges führen. Im Gegenteil: Es könne sogar weiter eskalieren.

Klitschko hält russischen Einsatz von Atomwaffen für möglich

16.22 Uhr: Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko schließt einen russischen Angriff mit Atomwaffen auf sein Land nicht aus. »Wir rechnen mit allem: chemischen Waffen, Atomwaffen«, sagte der Ex-Schwergewichtsboxer im Interview mit dem Sender n-tv nach einer Übergabe von acht Löschzügen aus Deutschland.

In der »Bild«-Zeitung forderte Klitschko erneut die Lieferung schwerer Waffen aus Deutschland an die Ukraine. »Wir brauchen die schweren Waffen aus Deutschland sofort.« Jede Verzögerung koste Menschenleben. »Das sollte jedem klar sein«, so Klitschko, »ich kann diese Debatte nicht verstehen.« Die Bundesregierung liefert bislang keine schweren Waffen an die Ukraine.

Zur Ausladung des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier sagte Klitschko bei n-tv: »Es war ein diplomatischer Fehler. In dieser Zeit müssen wir Einigkeit demonstrieren.« Der Bürgermeister lud Bundeskanzler Olaf Scholz ein, Kiew zu besuchen.

Mindestens drei Tote bei russischen Angriffen auf Charkiw

Immer wieder Ziel von russischen Angriffen: Charkiw

Immer wieder Ziel von russischen Angriffen: Charkiw

Foto:

IMAGO/Alex Chan Tsz Yuk / IMAGO/ZUMA Wire

15.37 Uhr: Bei erneuten russischen Angriffen auf die nordostukrainische Millionenstadt Charkiw sind nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Laut Staatsanwaltschaft schlug am späten Montagvormittag eine Granate auf einem Spielplatz in einem Wohngebiet ein, eine Frau und ein Mann wurden getötet.

Einen weiteren Toten sowie sechs Verletzte gab es nach Angaben des Direktors eines medizinischen Nothilfezentrums bei einem Angriff auf ein humanitäres Hilfszentrum. Die Regionalhauptstadt Charkiw ist mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt nur rund 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

Möglicher Gefangenenaustausch: Putin-Vertrauter bittet um Freilassung

15.13 Uhr: Zwei britische Soldaten, die in der Ukraine von russischen Streitkräften gefangen genommen wurden, sind am Montag wiederholt im russischen Staatsfernsehen vorgeführt worden. Sie baten die Regierung ihres Landes darum, sie nach Hause zu bringen, wenn die Ukraine im Gegenzug den prorussischen Politiker Viktor Medwedtschuk freilässt. Er gilt als Putin-Vertrauter. Offenbar als Reaktion auf die Fernsehbilder veröffentlichte der ukrainische Sicherheitsdienst am Montag ein Video, in dem Medwedtschuk darum bittet, gegen ukrainische Truppen und Zivilisten in der belagerten Stadt Mariupol ausgetauscht zu werden.

Putin: Westen leidet selbst unter den Sanktionen

Wladimir Putin bei einer Videoschalte

Wladimir Putin bei einer Videoschalte

Foto: IMAGO/Mikhail Klimentyev / IMAGO/SNA

14.31 Uhr: Der Westen schadet sich mit seinen Sanktionen nach den Worten von Russlands Präsident Wladimir Putin selbst. Diese hätten zu einer Verschlechterung der Wirtschaft geführt, sagte er bei einer Videoschalte mit hochrangigen Regierungsvertretern. Putin warf dem Westen vor, mit seinen Sanktionen einen »Blitzkrieg« gegen Russlands Wirtschaft geführt zu haben. Dieser sei gescheitert.

Zur russischen Wirtschaft erklärte er, dass sich die Inflation stabilisiert und sich die Nachfrage im Einzelhandel normalisiert habe. Putin forderte seine Regierung dazu auf, die Einkommen von Staatsbediensteten und Rentnern sowie die Sozialleistungen anzuheben. Sie sollten der Inflation angepasst werden. Die Inflation gab er mit 17,5 Prozent an.

Putin wies die Regierung an, frisches Geld in die Wirtschaft zu pumpen, um den Konsum anzukurbeln. »Jetzt ist es äußerst wichtig, die Binnennachfrage zu unterstützen, ihre übermäßige Schrumpfung zu verhindern«, sagte er. Dazu könne die Regierung Haushaltsgelder direkt einsetzen oder als Kredithilfen verwenden. Putin behauptete, die Mittel dazu seien vorhanden, weil im ersten Quartal des Jahres »ein Etatüberschuss auf Rekordniveau« erzielt worden sei.

Kreml sieht wenig Chancen für Kriegsende – und lastet dies Kiew an

13.57 Uhr: Nach Darstellung des Kreml sind bei den Verhandlungen mit der Ukraine über ein Ende des Krieges keine Fortschritte in Sicht. Die Dynamik lasse zu wünschen übrig, sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Die Ukraine ändere ihre Position oft und lasse keine besondere Konstanz bei Abstimmungsfragen erkennen. Gleichwohl gebe es weiter Kontakte, werde weiter auf Expertenebene verhandelt.

Die vom Kreml so bezeichnete »militärische Spezialoperation« wird demnach fortgesetzt. Sie laufe nach Plan, sagte Peskow. Er bestätigte auch, dass nach dem Untergang des russischen Kriegsschiffs »Moskwa« im Kreml die nun im Internet erstmals verbreiteten Bilder von einem brennenden Schiff gesichtet worden seien. »Ja, wir haben diese Bilder tatsächlich gesehen; inwieweit sie aber authentisch sind und der Wirklichkeit entsprechen, können wir nicht sagen.« Details dazu lesen Sie in dieser Meldung.

Das Verteidigungsministerium in Moskau behauptete, Russland habe Erkenntnisse zu Plänen für Angriffe auf Kirchen in der Ukraine am kommenden Wochenende, dem orthodoxen Osterfest. In der Nacht zum 24. April plane das »Kiewer Regime mit Unterstützung westlicher Länder schreckliche Provokationen« mit vielen Opfern, so die Behauptung. Die Taten sollten dann russischen Truppen angelastet werden, teilte Generaloberst Michail Misinzew mit. Er sagte nicht, wie er auf diese Vorwürfe komme oder worauf er die Erkenntnisse stütze.

Hofreiter, Merz und Röttgen drängen auf Lieferung schwerer Waffen

Anton Hofreiter im Bundestag (Archiv)

Anton Hofreiter im Bundestag (Archiv)

Foto:

Sebastian Gabsch / Future Image / IMAGO

13.37 Uhr: Grünenpolitiker Anton Hofreiter beharrt auch nach der Zusage weiterer finanzieller Militärhilfe für die Ukraine auf der Lieferung schwerer Waffen. Die Militärhilfe könne »die schnelle Lieferung auch schwerer Waffen nicht ersetzen«, sagte er der »Rheinischen Post« (Dienstagsausgabe). Am Freitag war bekannt geworden, dass die Regierung ihre finanzielle Militärhilfe für die Ukraine aufstocken will.

Die Bundesregierung lehnt bislang die Lieferung schwerer Waffen, etwa Panzer, an die Ukraine ab. Zu Begründung verweist sie unter anderem auf notwendige Absprachen mit Partnerländern sowie darauf, dass ukrainische Soldaten nicht für die Geräte ausgebildet seien. Kritik kommt auch von der Opposition. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen schrieb am Montag auf Twitter, Kanzler Olaf Scholz sei gegen die Lieferung schwerer Waffen, »und er versucht, es mit Tricksereien weiter zu verhindern«.

»Der offen ausgetragene Streit in der Koalition um die Waffenlieferungen in die Ukraine schadet dem Ansehen unseres Landes in der ganzen Welt«, sagte dazu der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Melnyks Schlagabtausch mit Gabriel: »Shame on you«

13.20 Uhr: Der frühere Außenminister Sigmar Gabriel hat den ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk in einem Gastbeitrag für den SPIEGEL scharf kritisiert – und danach einen Konter eingefahren. Gabriel hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gegen Melnyks Vorwürfe verteidigt. Dieser habe gemeinsam mit der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) »mehr als alle anderen in Europa« dafür getan, die Ukraine zu unterstützen. Melnyks Vorwürfe gegen Steinmeier bezeichnete Gabriel als »wahrheitswidrig und bösartig«.

Melnyk reagierte auf Twitter: Bösartig sei vor allem die »jahrelange Putin-freundliche Politik« gewesen, die Gabriel und seine »SPD-Kumpane« geführt hätten. Diese habe »den barbarischen Vernichtungskrieg« gegen die Ukraine »erst herbeigeführt«, fügte Melnyk hinzu. »Die Aufarbeitung kommt noch. Shame on you«.

  • Die ausführliche Meldung lesen Sie hier.

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Gabriels Gastbeitrag für den SPIEGEL finden Sie hier.

Russische Wirtschaft: Inflationsrate erst 2024 bei Zielwert

12.51 Uhr: Die russische Wirtschaft kann der russischen Zentralbank zufolge nicht unbegrenzt von ihren Finanzreserven leben und muss sich angesichts internationaler Sanktionen neu aufstellen. »Der Zeitraum, in dem die Wirtschaft von den Reserven leben kann, ist endlich«, sagte Notenbankchefin Elvira Nabiullina. Die Sanktionen hätten sich bislang vor allem auf den Finanzmarkt ausgewirkt. »Aber jetzt werden sie sich zunehmend auch auf die Wirtschaft auswirken.«

Russische Hersteller müssten nach neuen Partnern und Logistikmöglichkeiten suchen oder auf die Produktion von Produkten früherer Generationen umsteigen, sagte Nabiullina. Exporteure wiederum müssten sich nach neuen Abnehmern umschauen. Keine Entwarnung gebe es bei der Inflation. Es werde bis zum Jahr 2024 dauern, bis die Teuerungsrate wieder das Ziel von vier Prozent erreicht habe. Aktuell liegt sie mit 17,49 Prozent auf dem höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren.

Nabiullina scherte weitere Lockerungen bei der Devisenkontrolle zu. Den Angaben zufolge kann die Zentralbank wegen der Sanktionen nur noch über rund die Hälfte ihrer Gold- und Devisenreserven verfügen.

Zu den weltweiten Folgen des Krieges lesen Sie hier die Kolumne des Wirtschaftsexperten Henrik Müller:

Russischer Sender bricht Übertragung von Bundesligapartie ab

12.45 Uhr: Wegen Botschaften gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat der russische Sender Match TV erneut die Übertragung einer Bundesligapartie vorzeitig abgebrochen. Beim Spiel zwischen Arminia Bielefeld und dem FC Bayern München am Sonntag stand unter anderem »Stop war, Putin« auf einer Werbebande in der Schüco-Arena. Deswegen schaltete der Sender Match TV nach gut 30 Minuten beim Stand von 1:0 für die Bayern seine Liveübertragung ab, wie unter anderem das Portal Sport.ru berichtete.

Das war bereits am 2. April beim Duell zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig der Fall gewesen, als Match TV auch vor dem Ende der ersten Halbzeit wegen im Stadion zu sehender proukrainischer und antirussischer Botschaften die Übertragung abbrach. In beiden Fällen war die Begründung, dass Sport und Politik getrennt werden müssten, wie russische und ukrainische Medien berichteten.

Anders als die französische Ligue 1 und die englische Premier League wird die Fußball-Bundesliga in Russland noch ausgestrahlt. Die Deutsche Fußball Liga hatte Anfang März entschieden, ihren Vertrag mit dem russischen Medienunternehmen Match TV vorerst fortzusetzen und die Einnahmen für humanitäre Hilfe in der Ukraine zu spenden.

Bundespolizei registriert weitere 2600 Geflüchtete aus der Ukraine

12.18 Uhr: In Deutschland sind nach Angaben der Bundespolizei seit dem Beginn von Putins Angriffskrieg 357.253 Geflüchtete aus der Ukraine angekommen. Das teilte das Bundesinnenministerium am Montag auf Twitter mit. Dabei handele es sich vor allem um Frauen, Kinder und alte Menschen.

Schwerin, zentrale Erfassungsstelle für ukrainische Geflüchtete

Schwerin, zentrale Erfassungsstelle für ukrainische Geflüchtete

Foto: Jens Büttner / dpa

Damit ist die Zahl der erfassten Menschen, die wegen der russischen Invasion nach Deutschland geflohen sind, seit dem Vortag um knapp 2600 gestiegen. Die tatsächliche Zahl dürfte aber höher liegen, weil es an den Grenzen keine festen Kontrollen gibt und sich Menschen mit ukrainischem Pass 90 Tage lang ohne Visum in der EU aufhalten dürfen.

Selenskyj mahnt Waffenlieferungen an

12.15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisiert jedes Zögern bei Waffenlieferungen für sein Land. Das russische Militär bereite für die nächste Zeit eine Offensive in der Industrieregion Donbass im Osten der Ukraine vor. »So wie die russischen Truppen Mariupol zerstören, wollen sie auch andere Städte und Gemeinden in den Gebieten Donezk und Luhansk dem Erdboden gleichmachen«, sagte der Präsident in der Nacht zum Montag in seiner täglichen Videoansprache.

Man sei den Partnern dankbar, die helfen. »Aber diejenigen, die von uns benötigte Waffen und Munition haben und ihre Hilfe zurückhalten, müssen wissen, dass das Schicksal dieser Schlacht auch von ihnen abhängt. Das Schicksal von Menschen, die gerettet werden können«, sagte Selenskyj. Er nannte keine Länder beim Namen. Jedoch hatte es zuletzt in Deutschland Streit in der Ampelkoalition über die Lieferung schwerer Waffen gegeben. Politiker von Grünen und FDP hatten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Zaudern vorgeworfen.

SPIEGEL-Redakteur Jonathan Stock hat vier Männer auf ihrem Weg an die Front begleitet, die als Freiwillige aus verschiedenen Ländern Europas aufgebrochen sind, um den Krieg der Ukraine gegen Russland zu unterstützen. Den Text lesen Sie hier:

Vier Flüchtende sollen von Russen erschossen worden sein

11.39 Uhr: In der Kleinstadt Kreminna im Westen der ostukrainischen Provinz Luhansk sind offenbar vier Zivilisten auf der Flucht erschossen worden. Das teilte der Gouverneur der Region, Serhij Hajdaj, am Montag in einem Beitrag im Messengerdienst Telegram mit. Hajdaj machte russische Kräfte für den Tod der Flüchtenden verantwortlich. Demnach hätten die vier Bewohner von Kreminna versucht die Stadt zu verlassen, als Russen das Feuer auf das Auto eröffneten.

Eine weitere Person sei schwer verletzt worden, berichtete Hajdaj weiter. »Ärzte können die Verletzten wegen des ständigen Beschusses nicht erreichen.« Derzeit gebe es in der Stadt Straßenkämpfe, und die Ukraine hätte die Kontrolle über Kreminna verloren.

Kreminna sei neben der Stadt Rubischne, um die seit eineinhalb Monaten erbittert gekämpft werde, derzeit der größte Krisenherd, so Hajdaj. Russische Panzertechnik sei in großem Umfang in die Stadt eingefahren. Zudem berichtete Hajdaj über den massiven Beschuss der Stadt, durch den mehrere Wohnhäuser und ein Sportkomplex beschädigt worden seien. Der ukrainische Generalstab hatte in seinem Lagebericht am Montagmorgen zunächst mitgeteilt, dass die russischen Angriffe abgewehrt worden seien. Die Berichte können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Kiew stoppt zweiten Tag in Folge Evakuierungen

11.26 Uhr: Wegen anhaltender Angriffe der russischen Streitkräfte können nach ukrainischen Angaben den zweiten Tag in Folge keine Menschen aus umkämpften und belagerten Städten evakuiert werden. »Für heute, den 18. April, wird es leider keine humanitären Korridore geben«, teilte die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk am Montag im Messengerdienst Telegram mit.

Die Verhandlungen über die Korridore mit der russischen Armee seien »langwierig und komplex«, insbesondere in Bezug auf die verwüstete Stadt Mariupol, die größtenteils unter der Kontrolle Moskaus steht. »Die russischen Besatzer blockieren und bombardieren immer wieder humanitäre Routen. Daher wurde aus Sicherheitsgründen beschlossen, keine Korridore zu öffnen.« Kiew musste die Evakuierung über Fluchtkorridore bereits mehrmals unterbrechen, zuletzt am Sonntag.

Lauterbach will deutsche Mediziner in der Ukraine absichern

11.15 Uhr: Mehr als 1100 Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland haben sich in einem speziellen Portal registriert, um in der Ukraine oder ihren Nachbarstaaten bei der Behandlung von Kranken und Kriegsverletzten zu helfen. Das berichtete die Bundesärztekammer, die ein entsprechendes Onlineportal eingerichtet hat.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach versicherte auf Twitter: »Wir tun alles, diese Mediziner dorthin zu vermitteln, wo sie ohne unverantwortbare eigene Gefährdung helfen können.« Die Zusammenarbeit mit der Ukraine und den angrenzenden Ländern sei eng. Zudem würden Verletzte und Kranke ausgeflogen und in Deutschland und anderen EU-Staaten versorgt.

FDP-Politikerin kritisiert Scholz wegen fehlender Waffenlieferungen

11.11 Uhr: Die Vorsitzende des Bundestagsverteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erneut kritisiert und dazu aufgefordert, Zusagen für die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine zu machen. Der Kanzler sage nach wie vor nicht wirklich, was er wolle, »und das bedauere ich sehr«, sagte die FDP-Politikerin am Montag im Sender Welt. Sie könne nicht sagen, wo es hake. »Ich glaube nur, dass wir einfach keine Zeit haben, diese Diskussion zu führen.« Es gehe um die Ukraine, aber auch um »uns in Europa«.

Strack-Zimmermann sagte, sie freue sich, dass Scholz den Wunsch für mehr Geld an das Land geäußert habe, aber mit Geld siege man nicht, es müssten Waffen her. »Und insofern wünschte ich mir, dass der Bundeskanzler noch mal deutlich sagt, es gibt Geld. Auf der anderen Seite: Deutschland ist bereit, schwere Waffen zu liefern«, fügte sie hinzu.

200.000 Moskauern droht Arbeitslosigkeit

11.06 Uhr: Rund 200.000 Menschen drohen in der russischen Hauptstadt ihren Arbeitsplatz zu verlieren, erklärte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin am Montag. Hintergrund ist der Rückzug ausländische Unternehmen, die entweder ihre Tätigkeit auf dem russischen Markt bereits vollständig eingestellt oder entsprechende Pläne beschlossen haben. Sanktionen und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine haben zahlreiche westliche Firmen bewogen, Russland zu verlassen.

Die Moskauer Behörden seien bereit, Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, durch Schulungen und befristete Stellen im sozialen Bereich unterstützen, schrieb Sobjanin in seinem Blog.

Polizeichef von Mariupol: Viele Zivilisten auf umkämpften Stahlwerksgelände

Ein Großteil der Wohngebäude in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol ist zerstört

Ein Großteil der Wohngebäude in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol ist zerstört

Foto: ALEXANDER ERMOCHENKO / REUTERS

11.02 Uhr: Auf dem umkämpften Gelände des Stahlwerks Asowstal in Mariupol befinden sich nach Angaben örtlicher Behörden neben ukrainischen Truppen auch zahlreiche Zivilisten. Die Menschen hätten sich dort vor Beschuss während der wochenlangen Belagerung der Stadt durch das russische Militär versteckt, sagte der Chef der Streifenpolizei von Mariupol, Michajlo Werschinin, in der Nacht zum Montag dem Lokalfernsehen.

»Sie trauen den Russen nicht. Sie sehen, was in der Stadt vor sich geht, und bleiben deswegen auf dem Werksgelände«, sagte er. Die Aussagen von Werschinin über die Lage vor Ort konnten nicht unabhängig überprüft werden. In dem riesigen Stahlwerk, zu dem auch unterirdische Anlagen gehören, sollen sich mehrere Tausend ukrainische Verteidiger der Stadt verschanzt haben. Große Teile von Mariupol befinden sich inzwischen unter Kontrolle des russischen Militärs.

In Mariupol hielten sich noch rund 100.000 Einwohner auf, sagte Werschinin. Die russischen Truppen ließen sie für Essen Trümmer räumen sowie Leichen bergen und in Massengräbern beerdigen, erklärte er weiter. Mariupol hatte vor dem Krieg rund 400 000 Einwohner. Nach der langen Belagerung und dem Dauerbeschuss werden Tausende Tote unter den Zivilisten befürchtet. (Lesen Sie hier mehr zum Kampf um Mariupul.)

Alternative zu russischen Energieimporten – Habeck gegen Fracking

10.35 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat seine ablehnende Haltung gegenüber Fracking in Deutschland bekräftigt. In der norddeutschen Tiefebene gebe es zwar große Mengen Gas im Boden, aber dies könne nur mit Fracking gefördert werden. Dabei gebe es jedoch rechtliche Probleme, weil die Förderung mit »negativen Folgen für unsere Umwelt verbunden sein kann«, so Habeck in einem Interview.

Außerdem würde es »Jahre dauern, neue Förderungen hochzuziehen und die Genehmigungsverfahren hinzubekommen«, so der Grünenpolitiker. »Im Moment gibt es auch keine Unternehmen, die das wollen.« Habeck sprach sich erneut gegen einen sofortigen Importstopp von russischem Gas aus. Lesen Sie hier die gesamte Meldung.

Ost und West reagieren unterschiedlich auf Ukrainekrieg

10.03 Uhr: Die Menschen in Ost- und Westdeutschland reagieren nach einer aktuellen Umfrage unterschiedlich auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und seine Folgen. Im Westen sind demnach fast zwei Drittel der Menschen bereit, auch bei einer Energieknappheit auf Energie aus Russland zu verzichten, im Osten sind es weniger als die Hälfte der Befragten (42 Prozent). Das berichtete die E.on-Stiftung über das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey unter 10.000 Bundesbürgern.

Auch die Bereitschaft, im Falle von Energieengpässen die Heizung herunterzudrehen oder weniger Auto zu fahren, ist der Umfrage zufolge im Westen deutlich ausgeprägter. Während in den alten Bundesländern zwischen 55 und 70 Prozent der Befragten angaben, sie wollten bei einer Energieknappheit die Heizung herunterdrehen, signalisierten in Ostdeutschland (ohne Berlin) weniger als die Hälfte der Befragten entsprechende Bereitschaft.

Als Alternative zu russischem Gas favorisierten die Befragten in Ostdeutschland heimische Kohle, die Befragten im Westen Solar- und Windenergie.

Insgesamt scheine die Skepsis gegenüber effektivem Klimaschutz und dem Ausbau erneuerbarer Energien unter den Bürgerinnen und Bürgern in den oft ländlich geprägten Regionen Ostdeutschlands auch in dieser angespannten Situation stärker ausgeprägt zu sein als in Westdeutschland, erklärten die Autoren der E.on-Stiftung.

Spanien will Botschaft in Kiew wieder öffnen

9.31 Uhr: Spanien wird seine Botschaft in Kiew in den kommenden Tagen wiedereröffnen. Das erklärte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Montag in einem Interview mit dem Fernsehsender Antena3. Spanien hatte seine Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt am 24. Februar evakuiert, als russische Truppen in das Land einmarschierten.

Zuvor hatten bereits mehrere andere europäische Länder wie Frankreich und Italien angekündigt, ihre Botschaften wieder nach Kiew zu verlegen.

Moskau: Über Nacht 315 Ziele in der Ukraine getroffen

Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums mit Iskander-Raketen vier Depots für Waffen und Militärausrüstung in der Ukraine zerstört. Das berichtet die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Zudem seien drei ukrainische Militärflugzeuge und elf Drohnen abgeschossen worden. (Lesen Sie hier mehr über die Rolle vom Drohnen im Krieg.)

Die russischen Streitkräfte hätten in der Nacht vom Sonntag zum Montag insgesamt 315 Ziele mit Artillerie getroffen, hieß es bei Tass. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Offenbar sechs Tote bei Raketenangriff auf Lwiw

9.19 Uhr: Bei einem Raketenangriff auf die westukrainische Metropole Lwiw sind laut ukrainischen Angaben vom Montagmorgen sechs Menschen ums Leben gekommen. Acht weitere wurden verletzt, erklärte der Regionalgouverneur Maxim Kozistkij laut der Nachrichtenagentur Reuters. Drei Raketen hätten eine militärische Infrastrukturanlage getroffen und eine weitere eine Anlage zum Wechseln von Autoreifen. Bilder aus Lwiw zeigten, dass bei dem Angriff offenbar auch ein Wohngebäude getroffen wurde.

Rettungskräfte seien unterwegs zum Einsatzort, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Andrij Sadowy, im Messengerdienst Telegram. Die Ukraine machte Russland für den Angriff verantwortlich.

Foto: Gian Marco / Anadolu Agency / Getty Images

Lwiw liegt weit von der Front entfernt in der Westukraine und wurde seit dem Beginn der russischen Invasion nur selten bombardiert. Bei einzelnen Raketenangriffen in der Region kamen jedoch Dutzende Menschen ums Leben. Lwiw, das nahe der polnischen Grenze liegt, hat sich zu einem Zufluchtsort für Geflohene entwickelt. Auch westliche Botschaften wurden zu Beginn des Krieges aus Kiew dorthin verlegt.

Kiew: Russische Vorbereitung für neue Donbass-Offensive fast abgeschlossen

8.48 Uhr: Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben seine Vorbereitungen für eine neue Offensive im Donbass fast beendet. »Im östlichen Einsatzgebiet schließen die Streitkräfte der Russischen Föderation die Bildung einer Angriffstruppe ab«, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Montag mit.

Derzeit versuche das russische Militär, mit einzelnen Angriffen die Schwachstellen der ukrainischen Verteidigungslinien zu ertasten. So hätten die russischen Streitkräfte in der Nacht weitere Angriffe auf Städte im Donbass gestartet. »Die Hauptanstrengungen unternimmt der Feind im Bereich der Ortschaften Lyman, Kreminna, Popasna und Rubischne, zudem hat er versucht, die volle Kontrolle über Mariupol herzustellen«, berichtete der ukrainische Generalstab.

Außerdem habe das russische Militär versucht, einen Brückenkopf nördlich der von Ukrainern gehaltenen Großstadt Sjewjerodonezk zu bilden. Kiewer Angaben zufolge konnten die Angriffe zurückgeschlagen werden.

Explosionen in Kiew, Lwiw und Dnipropetrowsk gemeldet

8.25 Uhr: Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtet von mehreren Detonationen in Kiew. Auch in den Regionen Lwiw im Westen der Ukraine und Dnipropetrowsk im östlichen Landesteil sind nach Angaben örtlicher Behörden mehrere Explosionen zu hören.

Der Bürgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, teilt im Messengerdienst Telegram mit, in der Stadt seien fünf Raketen eingeschlagen. Ein Anwohner im Südwesten von Lwiw berichtete der Nachrichtenagentur AFP, er habe dicke, graue Rauchwolken gesehen, die hinter Wohnhäusern in den Himmel gestiegen seien.

Der ukrainische TV-Sender Suspilne berichtet, bei Luftangriffen in der Region Dnipropetrowsk seien zwei Menschen verletzt worden.

Arbeitgeber und Gewerkschaften warnen vor russischem Gas-Importstopp

6.10 Uhr: Arbeitgeber und Gewerkschaften haben gemeinschaftlich vor einem Importstopp von russischem Gas nach Deutschland gewarnt. Sanktionen müssten gezielt sein, die Gegenseite unter Druck setzen und möglichst Schaden von der eigenen Wirtschaft abhalten, sagten der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands BDA, Rainer Dulger, und der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, in einer gemeinsamen Stellungnahme. »Beim aktuell diskutierten Gasembargo sehen wir das nicht.«

Die negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung wären nach Ansicht Dulgers und Hoffmanns momentan in Deutschland höher als die in Russland. »Ein schnelles Gasembargo hätte in Deutschland Produktionsausfälle, Produktionsstillstand, eine weitere Deindustrialisierung und nachhaltige Arbeitsplatzverluste zur Folge.«

Um die Ukraine weiter zu unterstützen und den Druck auf Russland aufrechtzuerhalten, brauche man eine stabile Wirtschaft und einen stabilen Arbeitsmarkt, hieß es von DGB und BDA. »Die nächsten Monate werden wir noch viele Herausforderungen stemmen müssen. Das können wir nicht aus der Position der Schwäche heraus.«

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Weitere Raketenangriffe auf Mariupol

5.15 Uhr: Der Kampf um die belagerte südukrainische Hafenstadt Mariupol dauert auch nach dem Verstreichen eines russischen Ultimatums an. Der ukrainische Generalstab berichtete am Sonntagabend von russischen Raketen- und Bombenangriffen auf die Stadt mit früher mehr als 400.000 Einwohnern. Dabei kämen auch Überschallbomber vom Typ Tu-22M3 zum Einsatz. Besonders in der Nähe des Hafens und des Stahlwerks Asow-Stahl gebe es Angriffsversuche.

Zerstörter Wohnblock in der Hafenstadt Mariupol

Zerstörter Wohnblock in der Hafenstadt Mariupol

Foto: ALEXANDER ERMOCHENKO / REUTERS

Regierungschef Denys Schmyhal sagte dem US-Sender ABC, die Stadt sei nicht gefallen. Die ukrainischen Soldaten würden in Mariupol »bis zum Ende kämpfen«.

Russland hatte den ukrainischen Truppen in Mariupol zuvor mit Vernichtung gedroht. Die Einheiten sollen sich nach russischen Angaben in dem Stahlwerk verschanzt haben. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor wiederholt erklärt, alles für die Rettung der strategisch wichtigen Stadt tun zu wollen. Mariupol liegt im Gebiet Donezk, das Moskau komplett unter Kontrolle bringen will.

Ukraine wirft Russland geplante »Auslöschung« Mariupols und des Donbass vor

4.34 Uhr: Die ukrainische Regierung hat Russland vorgeworfen, die östlichen Teile des Landes »auslöschen« zu wollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Sonntagabend in einer Videobotschaft, dass die russischen Soldaten »den Donbass buchstäblich erledigen und zerstören« wollten.

Die verheerende Lage in Mariupol lässt die Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung in dem Krieg weiter schwinden. Selenskyj hatte am Samstag gewarnt, die Tötung der letzten Verteidiger Mariupols würde das Ende der russisch-ukrainischen Verhandlungen über einen Waffenstillstand bedeuten. Kremlchef Wladimir Putin hatte zuvor erklärt, die Gespräche seien in einer »Sackgasse«.

140 Verfahren gegen Befürworter des russischen Einmarschs

1.30 Uhr: Seit dem 24. Februar haben die Behörden einem Medienbericht zufolge mehr als 140 Ermittlungsverfahren wegen der Befürwortung des russischen Einmarschs in die Ukraine eingeleitet. In der Mehrheit der Fälle geht es um die Verwendung des Z-Symbols, mit dem die russische Armee in der Ukraine unter anderem ihre Panzer und Fahrzeuge kennzeichne, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf eine eigene Umfrage bei den Innen- und Justizministerien und Landeskriminalämtern der Bundesländer.

oka/fok/tfb/AFP/dpa/Reuters