Nach ukrainischer Offensive Russisches Verteidigungsministerium bestätigt Rückzug aus Lyman

In den vergangenen Tagen waren die Truppen der Ukraine auf die strategisch wichtige Stadt Lyman vorgerückt. Nun hat Russland die Niederlage eingeräumt. Wie viele Soldaten noch vor Ort sind, ist unklar.
Ukrainischer Soldat in Lyman

Ukrainischer Soldat in Lyman

Foto: Jorge Silva / REUTERS

Russland hat in einer weiteren Niederlage gegen die ukrainische Armee die strategisch wichtige Stadt Lyman im Gebiet Donezk aufgegeben. Die Streitkräfte seien wegen der Gefahr einer Einkesselung abgezogen worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen.

Seit Wochen wurde um Lyman erbittert gekämpft. Nach der Niederlage im nordukrainischen Gebiet Charkiw hatten russische Truppen versucht, eine neue Frontlinie entlang der Flüsse Oskil und Siwerskyj Donez aufzubauen. Lyman als nächste Stadt galt diesbezüglich als wichtig. Einerseits als Basis für Angriffe im Norden des Donbass-Gebiets, andererseits als Barriere gegen eine ukrainische Offensive.

Blau-gelbe Flagge über Lyman

Nach intensiven Kämpfen ist die Barriere nun überwunden: Ukrainische Einheiten haben in Lyman die blau-gelbe Landesflagge gehisst. Zuvor hatte die Ukraine die Stadt in die Zange genommen und sowohl von Westen als auch von Norden und Süden Angriffe lanciert.

Die einzige Nachschub- und Rückzugsverbindung der Russen nach Osten geriet unter den Beschuss der ukrainischen Artillerie. Unklar ist, wie viele russische Soldaten gefallen oder in Gefangenschaft gekommen sind.

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Die ukrainischen Truppen hatten nach eigenen Angaben zeitweise etwa 5000 russische Soldaten eingekesselt. »Sie haben jetzt drei Handlungsmöglichkeiten: Entweder können sie versuchen auszubrechen oder sie ergeben sich. Oder sie sterben alle zusammen«, sagte der ukrainische Verwaltungschef für Luhansk, Serhij Hajdaj.

Die russische Führung wollte die Stadt offenbar möglichst lange halten, zumindest aber bis zur Erklärung der Annexion der vier ukrainischen Gebiete Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja. Diesen Bruch des Völkerrechts verkündete der russische Präsident Wladimir Putin am Freitag in Moskau.

Mit der Übernahme Lymans öffnet sich für die ukrainischen Truppen der Weg Richtung Kreminna und Swatowe. Beide Städte liegen im Gebiet Luhansk und gelten als wichtige Verkehrsknotenpunkte. Schon Anfang des Sommers hatte die russische Armee das Gebiet Luhansk für »befreit« erklärt – eine Wunschvorstellung Putins, die sich nicht erfüllte.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, alle besetzten Territorien zu befreien. Er setzt dazu auf schwere Waffen des Westens und auf Militärberater der Nato-Staaten.

Ramsan Kadyrow, Führer der russischen Republik Tschetschenien, sagte in einer ersten Reaktion, Moskau solle angesichts der Rückschläge auf dem Schlachtfeld den Einsatz einer Atomwaffe in Betracht ziehen.

In einer Telegram-Nachricht, in der er die russischen Kommandeure für die Aufgabe der ostukrainischen Stadt Lyman kritisierte, schrieb Kadyrow: »Meiner persönlichen Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Ausrufung des Kriegsrechts in den Grenzgebieten und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft«. Mychajlo Podoljak, ein Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, hält es für vorstellbar, dass Russland tatsächlich Atomwaffen einsetzen könnte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war von »Atomwaffen mit geringer Reichweite« die Rede. Korrekt wäre »Atomwaffen mit geringer Sprengkraft«. Wir haben die Stelle korrigiert.

rai/AP/dpa
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