Kremlkritiker in Strafkolonie Nawalny offenbar in »zellenartigen Raum« verlegt

»Glückwunsch, ich bin in der Hierarchie der Gefängnisstraftäter eine Stufe aufgestiegen«: Alexej Nawalny ist eigenen Angaben zufolge wieder in Isolationshaft. Auch ein lang geplanter Familienbesuch wird ihm wohl verweigert.
Nawalny Anfang September im Gefängnis

Nawalny Anfang September im Gefängnis

Foto: Dmitry Serebryakov / dpa

Der inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny ist im russischen Straflager offenbar mit neuen Repressalien konfrontiert: »Glückwunsch, ich bin in der Hierarchie der Gefängnisstraftäter eine Stufe aufgestiegen«, heißt es auf dem offiziellen Twitteraccount von Nawalny. Er sei in einen »zellenartigen Raum« verlegt worden, und damit wieder in Einzelhaft. Genau überprüfen lassen sich die Angaben nicht, Nawalnys Freund und Büroleiter Leonid Volkov bestätigte sie aber.

Nawalny war nach einem gescheiterten Giftanschlag im August 2020 auf ihn nach Russland zurückgekehrt und wegen angeblichen Betrugs zu mehreren Jahren im Straflager verurteilt worden – im März kamen weitere neun Jahre hinzu. Zuletzt hatte Nawalny bekannt gegeben, dass neue Strafverfahren auf ihn zukämen, er soll demnach angeblich zu Terrorismus angestachelt und Extremismus finanziert haben.

Im Gefängnis war er bereits mehrmals eine Zeit lang in Einzelhaft, unter anderem weil er die von Präsident Wladimir Putin befohlene Mobilmachung kritisiert hatte. Laut Amnesty International werden ihm auch vertrauliche Anwaltsgespräche verweigert.

Eine »wirklich unbeschreibliche Bestialität, die sehr charakteristisch für den Kreml ist«

Nawalny durfte nach eigenen Angaben nur maximal 15 Tage in Isolationshaft verbringen, deshalb habe man ihn nun aus der Gemeinschaftszelle mit anderen Häftlingen in eine neue Haftform verlegt: Der »zellenartige Raum«, in dem er nun sei, sei nicht größer als die Isolationszelle. Er habe aber zwei Bücher statt einem mitnehmen dürfen, auch sei ihm die Nutzung eines Gefängniskiosks mit sehr begrenztem Budget gestattet worden.

Dafür dürfe er nun aber überhaupt keinen längeren Besuch mehr empfangen. Seinem Büroleiter Volkov zufolge sei es die Absicht der Behörden, Nawalny so auf Dauer in dieser Art der Einzelhaft festzuhalten. Nawalny nannte die Besuchsbeschränkung eine »wirklich unbeschreibliche Bestialität, die sehr charakteristisch für den Kreml ist, der meine gesamte Inhaftierung manuell kontrolliert«.

»Meine Mutter und mein Vater hatten bereits ihre Koffer gepackt, eines der Kinder sollte kommen, auch Julija.«

Alexej Nawalny

Demnach sei ein geplanter längerer Besuch seiner Familie schon mehrmals unterbunden worden: Ursprünglich sei der Besuch für nach seiner Ankunft in der Strafkolonie versprochen gewesen, »aber sie erlaubten es nicht und sagten, ich müsse vier Monate warten. Also habe ich gewartet«, schreibt Nawalny. Drei Tage vor dem neuen Datum sei er in eine strengere Haftform verlegt worden, »in der Besuche nur einmal im halben Jahr erlaubt sind«. Er habe also noch länger warten müssen.

Schließlich sei er vier Tage vor dem nun anvisierten Datum in den »zellenartigen Raum« verlegt worden, in dem überhaupt keine langen Besuche erlaubt seien. »Meine Mutter und mein Vater hatten bereits ihre Koffer gepackt, eines der Kinder sollte kommen, auch Julija«, schrieb Nawalny dazu. Nawalny und seine Frau Julija Nawalnaja haben einen Sohn und eine Tochter. Weiter kommentierte er: »Ich werde also keine Besuche mehr bekommen, und die Verwaltung freut sich, dass sie ihre Vorgesetzten zufriedenstellen kann.«

Die Repressalien seien ein weiterer Versuch, ihn zum Schweigen zu bringen, schrieb der Oppositionelle. Seine erste Pflicht sei es deshalb, »keine Angst zu haben und nicht den Mund zu halten«.

kko
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