Verdacht auf Vergiftung Kremlkritiker Nawalny soll in Deutschland behandelt werden

Der russische Oppositionelle Nawalny liegt im Koma. Seiner Sprecherin zufolge wurde er vergiftet. Aktivisten wollen ihn nun nach Berlin ausfliegen lassen – Kanzlerin Merkel hat Hilfe in Deutschland angeboten.
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Der bekannte russische Regierungskritiker Alexej Nawalny liegt nach einer mutmaßlichen Vergiftung im Koma - in der sibirischen Stadt Omsk. Nun soll er in Berlin behandelt werden. "Wir versuchen, das zu ermöglichen", sagte der Filmproduzent Jaka Bizilj der Nachrichtenagentur dpa. Nawalny solle in der Charité behandelt werden.

Von der Klinik gebe es bereits eine Zusage. Aktuell würden noch die notwendigen Fluggenehmigungen eingeholt. Nawalny solle mit einer in Deutschland gecharterten Spezialmaschine aus Omsk geholt werden, wo er sich derzeit im Krankenhaus befindet. Zuvor hatte die "Bild" über die Pläne berichtet.

Der Wunsch nach einer Behandlung in Berlin sei von der Familie an ihn herangetragen worden, sagte Bizilj. Der Gründer der Initiative "Cinema for Peace" sprach von einer "humanitären Aktion" wie 2018. Vor zwei Jahren war der Aktivist Pjotr Wersilow, Mitglied der russischen Polit-Punkgruppe Pussy Riot, aus Moskau zur Behandlung nach Berlin geholt worden. Wersilow verdächtigte den russischen Geheimdienst, ihn vergiftet zu haben. Pussy Riot ist mit Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption international bekannt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat derweil eine Behandlung des lebensgefährlich erkrankten Nawalny in einem deutschen Krankenhaus angeboten. Deutschland sei zu aller gesundheitlichen Hilfe für Nawalny bereit, "auch in deutschen Krankenhäusern", sagte die Kanzlerin bei einem Treffen mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron in Südfrankreich. Auch der französische Präsident Emmanuel Macron hat seine Hilfe angeboten. Frankreich sei bereit, Nawalny alle mögliche Unterstützung anzubieten - auch Asyl, sagte Macron am Rande eines Treffens mit der Kanzlerin in seiner Residenz Fort de Brégançon am Mittelmeer.

Nawalnys persönliche Ärztin Anastassija Wassiljewa hatte zuvor schon einen möglichen Transport des 44-Jährigen ins Ausland angedeutet. Er solle zu einem führenden Toxikologiezentrum in Europa geflogen werden. Ein konkretes Land nannte die Medizinerin bei Twitter nicht. "Wir bitten um Unterstützung", schrieb sie an den Kreml gerichtet. Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte zuvor der Agentur Interfax zufolge eine schnelle Prüfung eines Antrags auf einen solchen Transport versprochen.

Derzeit wird Nawalny auf der Intensivstation eines Krankenhauses im sibirischen Omsk behandelt, wo er künstlich beatmet wird. Nach Angaben seiner Sprecherin hatte der 44-Jährige während eines Flugs plötzlich das Bewusstsein verloren, was sie auf eine absichtlich herbeigeführte Vergiftung zurückführte.

Der Rechtsanwalt ist der führende Kopf der liberalen Opposition und einer der bekanntesten russischen Regierungskritiker. Er organisierte in den vergangenen Jahren immer wieder landesweite Proteste und deckte mit seiner Stiftung Fälle von Korruption auf. Derzeit bereist er Russland, um die Wahl von Unterstützern Wladimir Putins bei Regionalwahlen im September zu verhindern.

asc/dpa/AFP
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