Ausweisung von Diplomaten Russland kündigt Tschechien »Vergeltung« an

Tschechien wirft Russland vor, für tödliche Explosionen in einem Munitionslager verantwortlich zu sein – und weist Diplomaten aus. Moskau reagiert harsch.
Außenministerium in Moskau (Archivbild)

Außenministerium in Moskau (Archivbild)

Foto: YURI KADOBNOV/ AFP

Moskau hat der Regierung in Prag mit Konsequenzen gedroht, nachdem Tschechien russische Diplomaten wegen Spionageverdachts ausgewiesen hatte. »Wir werden Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, die die Urheber dieser Provokation zwingen, ihre volle Verantwortung für die Zerstörung der Grundlage der normalen Beziehungen zwischen unseren Ländern zu verstehen«, teilte das russische Außenministerium mit.

Die Ausweisung sei »absurd« und ein »feindseliger Schritt«. Welche Maßnahmen Moskau plant, ist noch unklar. Am Abend wurde der russischen Staatsagentur Tass zufolge der tschechische Botschafter in Moskau einbestellt.

Die tschechische Regierung hatte am Samstag angekündigt, wegen der mutmaßlichen Verwicklung Moskaus in die Explosion eines Munitionslagers insgesamt 18 Beschäftigte der russischen Botschaft auszuweisen. Bei ihnen soll es sich um Agenten der Geheimdienste SWR und GRU handeln.

Tschechischer Politiker spricht von »Staatsterrorismus«

In dem Munitionslager in Vrbetice im Osten des Landes war es im Oktober und Dezember 2014 zu mehreren Explosionen gekommen. Dabei starben zwei Beschäftigte einer Rüstungsfirma. Zudem entstand hoher Sachschaden. Das Munitionslager wurde von Rüstungsfirmen genutzt. Einem Bericht des Magazins »Respekt« zufolge war ein Teil der Güter für die Ukraine bestimmt, die im Osten ihres Landes gegen prorussische Separatisten kämpft. Nach den Explosionen waren tschechische Soldaten zwei Jahre lang damit beschäftigt, Blindgänger zu entschärfen und das Areal wieder sicher zu machen.

Prags Ministerpräsident Andrej Babis sprach am Wochenende von »eindeutigen Beweisen« für Russlands Beteiligung. »Tschechien ist ein souveräner Staat und muss auf diese nie dagewesenen Enthüllungen in entsprechender Form reagieren«, sagte er. Der Präsident des Senats, Milos Vystrcil, sprach von »Staats-Terrorismus«. Die Regierung setzte den Diplomaten eine Frist von 48 Stunden, in denen sie Tschechien verlassen müssen.

Die Enthüllungen kommen überraschend. Ursprünglich hatte Innenminister Jan Hamacek am Montag nach Moskau reisen wollen, um über Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V zu verhandeln. Die Reise wurde kurzfristig abgesagt.

Die tschechische Polizei veröffentlichte zudem Fahndungsfotos von zwei Tatverdächtigen. Sie zeigen zwei Russen, die bereits im Zusammenhang mit einem Nervengiftanschlag auf den früheren Doppelspion Sergej Skripal in Großbritannien 2018 gesucht werden. Russland weist jede Verwicklung in den Fall Skripal zurück.

Russland vermutet Einfluss Washingtons

Die beiden mutmaßlichen GRU-Spione waren nach Polizeiangaben Mitte Oktober 2014 sechs Tage lang in Tschechien. Dabei hätten sie sich – wie später in England – als Alexander Petrow und Ruslan Boschirow ausgegeben. Sie hätten auch die Region Zlin besucht, in der sich das Munitionslager befindet. Interfax schrieb unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, dass Russland die Männer nicht ausliefere.

Moskau vermutet hinter der Ausweisung der Diplomaten den Einfluss Washingtons. »In ihrem Wunsch, den USA vor dem Hintergrund der jüngsten US-Sanktionen gegen Russland zu gefallen, haben die tschechischen Behörden in dieser Hinsicht sogar ihre Herren jenseits des großen Teichs übertroffen«, hieß es vom Außenministerium.

Die USA hatten am Donnerstag unter anderem wegen mutmaßlicher russischer Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl zahlreiche Sanktionen gegen Russland verhängt. Außerdem wurde die Ausweisung von zehn russischen Diplomaten aus den USA verkündet. Als Reaktion wies Russland zehn US-Diplomaten aus und verhängte Sanktionen gegen die USA. Außerdem erließ Moskau Einreisesperren gegen hochrangige US-Regierungsvertreter, darunter zwei Minister.

bbr/dpa/AFP
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