Homophobie Russland erklärt wichtigste LGBTQ-Gruppe zu »ausländischem Agenten«

Die Gruppe unterstützt Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sowie ihre Familien in Russland. Jetzt hat die russische Regierung die LGBTQ-Organisation ins Visier genommen.
Proteste für mehr Homosexuellen-Rechte in St. Petersburg (Archivbild)

Proteste für mehr Homosexuellen-Rechte in St. Petersburg (Archivbild)

Foto: Dmitry Lovetsky/ AP

Moskau hat Russlands wichtigste LGBTQ-Unterstützergruppe zum »ausländischen Agenten« erklärt. Die Vereinigung LGBT-Set wurde jetzt in das entsprechende Register des Justizministeriums aufgenommen.

Die Gruppe wurde 2006 gegründet und ist in mehreren Regionen Russlands aktiv. Sie unterstützt nach eigenen Angaben Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sowie ihre Familien. Außerdem setzt sie sich für Aufklärung ein und sammelte Beweise für Fälle von Diskriminierung.

In diesem Jahr wurden in Russland bereits Dutzende Journalisten und einige unabhängige Medien als »ausländische Agenten« eingestuft. Damit werden sie verpflichtet, alle ihre Einnahmequellen offenzulegen und alle ihre Veröffentlichungen zu markieren.

Im Februar hatte LGBT-Set die Festnahme von zwei Tschetschenen bekannt gegeben, die anschließend nach Tschetschenien gebracht wurden. Menschenrechtsgruppen werfen den dortigen Behörden vor, Homosexuelle zu inhaftieren und in geheimen Gefängnissen zu foltern.

Das Kürzel LGBTQ steht im Englischen für lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell und queer.

In Russland ist Homophobie weitverbreitet. Immer wieder kam es dort in der Vergangenheit zu brutalen Attacken gegen Homosexuelle. In einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM im Jahr 2015 lehnten 80 Prozent der Befragten die gleichgeschlechtliche Ehe ab.

2013 wurde in dem Land ein Gesetz verabschiedet, das positive Äußerungen über Homosexualität unter Strafe stellt. Gegen dieses von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz gegen »Homosexuellen-Propaganda« gibt es seit Langem internationalen Protest. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilte 2017: Russland verletze mit dem Verbot fundamentale Rechte. Es sei diskriminierend – und wissenschaftlich völlig haltlos.

Seit einer Verfassungsreform 2020 ist die Homo-Ehe in Russland verboten.

als/AFP
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