Österreichs Ex-Außenministerin Moskau nominiert Kneissl für Rosneft-Aufsichtsrat

Im Sommer 2018 tanzte Karin Kneissl auf ihrer Hochzeit mit Kremlchef Putin. Jetzt wird Österreichs ehemalige Außenministerin Mitglied im Aufsichtsrat des russischen Staatskonzerns Rosneft.
Karin Kneissl tanzt 2018 mit Kremlchef Wladimir Putin auf ihrer Hochzeit

Karin Kneissl tanzt 2018 mit Kremlchef Wladimir Putin auf ihrer Hochzeit

Foto: Alexei Druzhinin / ZUMA Press / imago images

Die frühere österreichische Außenministerin Karin Kneissl baut ihre Tätigkeit in Russland aus: Nachdem sie seit dem vergangenen Jahr für den staatlichen Medienkonzern RT als Autorin schreibt, wird sie nun Aufsichtsrätin beim staatlichen Ölkonzern Rosneft.

Kneissl wurde für einen der Sitze in dem Gremium nominiert. Das geht aus einem Erlass von Premier Michail Mischustin vom 26. Februar dieses Jahres hervor, den die Regierung nun veröffentlichte .

Neben Kneissl nominierte die Regierung auch wieder Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er ist seit 2017 Chef des Rosneft-Aufsichtsrats. Zudem ist erneut Matthias Warnig, früherer Stasi-Agent und Chef des Pipelineprojektes Nord Stream 2, als Kandidat gelistet.

Rosneft verzeichnete 2019 einen Umsatz von etwa 80 Milliarden Euro und ist mit etwa 330.000 Mitarbeitern einer der großen Arbeitgeber des Landes. Der Konzern ist eng verwoben mit dem Kreml. Der mächtige Unternehmenschef Igor Setschin stammt wie Putin aus dem heutigen Sankt Petersburg. Setschin war in den Neunzigerjahren Putins rechte Hand im Amt für Außenkontakte der dortigen Stadtverwaltung, bevor beide nach Moskau wechselten.

Knicks vor Putin

Die 56 Jahre alte Kneissl war von 2017 bis 2019 Außenministerin Österreichs. Nominiert worden war die Parteilose von der rechtspopulistischen FPÖ. Die Ibiza-Affäre des damaligen FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache führte Ende Mai 2019 zum Bruch der Regierungskoalition aus ÖVP und FPÖ, Kneissl schied aus der Politik aus.

Karin Kneissl mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow

Karin Kneissl mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow

Foto: Anadolu Agency / Getty Images

Ein Jahr später, im Mai 2020, wurde bekannt, dass sie nun als Gastautorin für den russischen Staatssender Russia Today arbeitet. Kneissl werden gute Beziehungen mit Moskau nachgesagt.

Russlands Präsident Wladimir Putin erschien im Sommer 2018 als Ehrengast auf ihrer Hochzeit in der Südsteiermark und tanzte mit ihr. Die Bilder sorgten für kontroverse Diskussionen, auch weil Kneissl am Ende des Tanzes vor Putin einen tiefen Knicks machte. Die damalige Außenministerin verteidigte sich: »Der russische Staatspräsident hat sich zuvor verbeugt, und ich habe diese Verbeugung beantwortet mit einem Knicks.« Von einer Unterwerfung könne keine Rede sein.

Zu ihrer Nominierung für den Rosneft-Aufsichtsrat wollte Kneissl sich am Mittwoch nicht äußern. »Ich gebe keine Interviews«, sagte sie der Nachrichtenagentur APA.

heb
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