Umstrittener Spionageprozess Russisches Gericht verurteilt Iwan Safronow zu 22 Jahren Haft

Russland bezichtigt den früheren Journalisten Iwan Safronow, militärische Geheimnisse an die Nato weitergegeben zu haben. Nun wurde er wegen Hochverrats verurteilt. Seine Unterstützer nennen die Vorwürfe »absurd«.
Iwan Safronow vor Gericht in Moskau

Iwan Safronow vor Gericht in Moskau

Foto: IMAGO/Moscow City Court / IMAGO/ITAR-TASS

Ein russisches Gericht hat den ehemaligen Journalisten Iwan Safronow zu 22 Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt, nachdem es ihn des Hochverrats für schuldig befunden hatte.

Safronow war Verteidigungsreporter der Zeitungen »Kommersant« und »Wedomosti«, bevor er zwei Monate vor seiner Verhaftung im Juli 2020 zum Berater des Leiters der russischen Raumfahrtbehörde wurde.

Ihm wurde vorgeworfen, während seiner Tätigkeit als Reporter im Jahr 2017 militärische Geheimnisse über russische Waffenverkäufe im Nahen Osten und in Afrika an die Tschechische Republik, ein Nato-Mitglied, weitergegeben zu haben.

Unterstützer nennen Anklage »absurd«

Safronow bestreitet die Vorwürfe und nannte sie »eine völlige Zerrüttung der Justiz und des gesunden Menschenverstands«. Seine Unterstützer sagen, der Fall sei eine Vergeltung für Safronows Berichterstattung, die Details über Russlands internationale Waffengeschäfte enthüllte. »Jeder, der Safronow nahestand, hält die Anklage wegen Hochverrats für absurd«, sagte die Journalistin Katerina Gordejewa, nachdem sie für einen Dokumentarfilm Safronows Mutter, Schwester und ehemalige Kollegen interviewt hatte.

Im Vorfeld der Urteilsverkündung hatte die Europäische Union Russland aufgefordert, alle Anklagen gegen den 32-jährigen Safronow fallen zu lassen und ihn bedingungslos freizulassen. »Der systematische Angriff des Regimes gegen den unabhängigen Journalismus nimmt den Bürgern das Recht auf faktische Informationen, darunter auch Russlands Krieg in der Ukraine«, teilte ein Sprecher des Auswärtigen Dienstes der EU mit.

Während des Prozesses veröffentlichte Safronows Anwaltsteam Links zu 19 veröffentlichten Artikeln und Regierungserklärungen, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die »Staatsgeheimnisse« darstellen, die Safronow an den tschechischen Auslandsgeheimdienst weitergegeben haben soll. »Iwan hat niemals geheime Informationen irgendwo hingeschickt – weder für Geld noch umsonst. Alle Zeugen der Staatsanwaltschaft haben vor Gericht ausgesagt, dass er nicht in kriminelle Aktivitäten verwickelt war. Er war ein gewöhnlicher Journalist, der seine Arbeit ehrlich gemacht hat«, erklärten seine Anwälte in einer Mitteilung.

Die hohe Strafe – mehr als russische Gerichte in Mordfällen üblicherweise verhängen – ist ein weiterer Schlag gegen die Pressefreiheit in Russland. Safronow war vor mehr als zwei Jahren festgenommen worden und sitzt seitdem in Haft. Der Prozess lief unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

col/Reuters/dpa
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