Russland Festnahmen bei Demonstration für angeklagten Ex-Reporter

Der ehemalige Journalist Iwan Safronow wird von Russland des Hochverrats bezichtigt. Bei Protesten für seine Freilassung wurden nun mehrere Menschen festgenommen. Darunter auch Journalisten.
Der ehemalige Journalist Iwan Safronow (Archiv)

Der ehemalige Journalist Iwan Safronow (Archiv)

Foto: Sofia Sandurskaya/ dpa

Bei einer Demonstration für die Freilassung des ehemaligen Journalisten Iwan Safronow haben russische Sicherheitskräfte mindestens vier Menschen festgenommen. Sie hatten vor der Moskauer Lefortowo-Haftanstalt protestiert, in der Safronow derzeit festgehalten wird. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation OVD-info sind unter den Festgenommenen mehrere Journalisten verschiedener russischer Medien, darunter der Wirtschaftszeitung "Kommersant".

Safronow hatte bis vergangenes Jahr als Spezialist für Militär- und Weltraumfragen unter anderem für "Kommersant" gearbeitet. Zuletzt war er als Chefberater der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos tätig gewesen. Vergangene Woche wurde er wegen des Verdachts auf "Hochverrat" festgenommen. Die Ermittler werfen ihm vor, militärische Staatsgeheimnisse gesammelt und dem Geheimdienst eines Nato-Landes übermittelt zu haben.

Safronow wegen Hochverrats angeklagt

Wie Safronows Anwalt Iwan Pawlow am Montag in Moskau russischen Agenturen bestätigte, wurde sein Mandant inzwischen angeklagt. Es seien bislang keine genauen Angaben und Beweise zu den Anschuldigungen angeführt worden, sagte der Anwalt. Safronow drohen bei einem Schuldspruch bis zu 20 Jahre Haft. Er wies die Vorwürfe als absurd zurück und betonte, dass er unschuldig sei.

"Ich glaube nicht eine Sekunde an die Anschuldigungen", sagte auch sein ehemaliger Kollege Gleb Tscherkassow zu AFP. Er gehe davon aus, dass es sich um Rache für die journalistische Arbeit des 30-Jährigen handelt. Safronow hatte mit seinen Artikeln wiederholt die russischen Streitkräfte in Verlegenheit gebracht.

Seinen Job bei "Kommersant" hatte er im Mai 2019 wegen politischen Drucks in Folge eines Artikels über den möglichen Rücktritt der Vorsitzenden des Oberhauses des russischen Parlaments verloren. Mehrere Kollegen kehrten der Zeitung damals aus Protest ebenfalls den Rücken.

mfh/AFP