Vorschlag zum Gefangenenaustausch Russland fordert offenbar Auslieferung des Tiergartenmörders

Der Kreml will laut Medienberichten einen in Deutschland inhaftierten Mörder nach Russland zurückholen. Er solle Teil eines Gefangenenaustauschs mit der US-Basketballerin Brittney Griner werden.
Tatort im Kleinen Tiergarten in Berlin 2019: Das Gericht bewertete den Fall als »Staatsterrorismus«

Tatort im Kleinen Tiergarten in Berlin 2019: Das Gericht bewertete den Fall als »Staatsterrorismus«

Foto: Christoph Soeder / picture alliance/dpa

Russische Regierungsbeamte wollen offenbar, dass im Gegenzug für zwei inhaftierte US-Bürger der Todesschütze im Fall des Tiergartenmordes aus der Haft entlassen wird. Der rechtskräftig verurteilte Mörder Viktor Krasikov soll demnach unter anderem ausgetauscht werden gegen die US-Basketballerin Brittney Griner, die wegen einer geringen Menge Haschischöl in Moskau vor Gericht steht. Das berichtet der US-Fernsehsender CNN  am Freitag unter Berufung auf mehrere Quellen, die mit entsprechenden Verhandlungen zwischen Russland und den USA vertraut seien.

Russland hat den USA diese Forderung demnach bereits Anfang des Monats über informelle Geheimdienstkanäle unterbreitet. Das Ersuchen soll von der US-Seite als problematisch eingestuft worden sein, da der heute 56-jährige Krasikov in Deutschland im Gefängnis sitzt.

Krasikov hatte 2019 im Kleinen Tiergarten mit einem Kopfschuss aus kurzer Distanz den Georgier Zelimkhan Khangoshvili getötet. Krasikov soll auch für einen Mord gegen einen russischen Geschäftsmann im Sommer 2013 verantwortlich sein und enge Verbindungen zum russischen Geheimdienst FSB haben, der ihn wohl auch mit einer Tarnidentität ausstattete. Das legen Recherchen des SPIEGEL zusammen mit den Kooperationspartern Bellingcat, The Insider nahe. Ein Schwager berichtet, dass Krasikov Teil der Geheimdienst-Elitetruppe »Vympel« sein soll.

Das Berliner Kammergericht macht in seiner Urteilsbegründung zum Tiergartenmord den russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Mord mitverantwortlich. »Das war Staatsterrorismus«, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Russland weist solche Vorwürfe zurück. Der Fall hatte zu diplomatischen Verwerfungen zwischen Deutschland und Russland geführt. Beide Staaten wiesen jeweils mehrere Diplomaten des anderen Landes aus.

Ministeriale Bemühungen

Am Freitag hatte US-Außenminister Antony Blinken mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow telefoniert . Es sei ein »offenes und direktes Gespräch« über ein Angebot zur Freilassung der in Russland inhaftierten US-Basketballerin Brittney Griner gewesen, berichtete Blinken anschließend in Washington. Die US-Regierung hatte bisher keine Details zur Art und Weise des Angebots bekannt gegeben und auch nicht bestätigt, dass es sich um einen Gefangenenaustausch handeln soll.

Als Teil des Deals verlangt Moskau laut dem CNN-Bericht ebenfalls die Freilassung des verurteilten russische Waffenhändlers Wiktor But. Der Sowjetoffizier ist als »Händler des Todes« berüchtigt und wurde wegen Waffenschmuggels 2012 zu 25 Jahren Haft verurteilt, er lieferte wohl auch an Despoten wie Muammar al-Gaddafi.

Russland würde dagegen im Zuge einer Abmachung den wegen Spionagevorwürfen inhaftierten US-Bürger Paul Whelan freilassen. Whelan kam unter anderem in ein russisches Straflager wegen eines in seinem Moskauer Hotelzimmer gefundenen USB-Sticks, auf dem laut Medienbericht eine Namensliste mit Kadetten einer Militärschule sein soll. Whelan bestreitet die Vorwürfe und sagt, der Datenträger sei ihm untergeschoben worden.

hpp/dpa
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